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22.04.2015

21:29 Uhr

Bürgerkrieg im Jemen

Saudi-Arabien fliegt weiter Luftangriffe

Am Dienstag verkündete Saudi-Arabien, die erste Phase mit den Luftangriffen auf die Rebellen im Jemen sei abgeschlossen. Dennoch werden aus dem Land weiter Angriffe gemeldet. Hinter einem steckt offenbar eine US-Drohne.

Huthi-Rebellen im Jemen. Trotz gegenteiliger Angaben bombardiert Saudi-Arabien die Aufständischen weiterhin. dpa

Bürgerkrieg im Jemen

Huthi-Rebellen im Jemen. Trotz gegenteiliger Angaben bombardiert Saudi-Arabien die Aufständischen weiterhin.

SanaaSaudi-Arabien und seine Partner haben trotz des selbst verkündeten Endes der fast einen Monate dauernden Luftangriffe die Huthi-Rebellen im Jemen weiter bombardiert. Nach Angaben jemenitischer Sicherheitskreise wurden Positionen der schiitischen Huthis in den Städten Tais und Aden ins Visier genommen. Insbesondere in Tais tobten heftige Straßenkämpfe. Dutzende Menschen auf beiden Seiten seien getötet worden, hieß es. Die Rebellen zeigten sich offen für eine politische Lösung des Konflikts.

Sie seien für die Wiederaufnahme des Dialogs und für jedes Bestreben unter Federführung der Vereinten Nationen, das zu einem friedlichen Kompromiss führe, teilten die Rebellen mit. Tausende wütende Anhänger der Huthis zogen am Mittwoch durch die Hauptstadt Sanaa und verurteilten die „saudisch-amerikanische Aggression“.

Auf Sanaa gab es das erste Mals seit vier Wochen keine Luftangriffe. Saudi-Arabien hatte am Dienstag das Ende der Operation „Entscheidender Sturm“ verkündet. Der Sprecher der Koalition, Brigadegeneral Ahmed Assiri, schränkte allerdings ein, die Luftangriffe würden nur zurückgefahren. Er wollte nicht bestätigen, dass sie gänzlich eingestellt würden. Iran begrüßte die Ankündigung. Nun müsse die jemenitische Krise in „politischer Zusammenarbeit“ gelöst werden, sagte die Teheraner Außenamtssprecherin Marsieh Afcham.

Aus der östlichen Provinz Hadramaut meldeten jemenitische Sicherheitskreise einen mutmaßlichen US-Drohnenangriff, der sieben Al-Kaida-Kämpfer getötet habe. Sie seien in der Provinzhauptstadt Mukalla in ihrem Auto von einem Geschoss getroffen worden. Die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel hatte im März Mukalla erobert und sich dort mit Stammeskämpfern verbündet.

Gefechte im Jemen: Wer und was? (April 2015)

Die Huthis

Die Huthis sind ein schiitischer Volksstamm aus dem Nordjemen. Früher unterdrückt, etablierten sie sich mit Beginn des Arabischen Aufstands ab 2011 als politische Kraft. Im September 2014 eroberten rund 30.000 Huthis die Hauptstadt Sanaa. Vor einigen Wochen setzten sie Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi und die Regierung ab. Auf der Seite der Huthis stehen beträchtliche Teile der Armee, die dem 2012 zum Abgang gezwungenen Präsidenten Ali Abdullah Salih treu geblieben sind.

Präsident Hadi

Präsident Hadi flüchtete im vergangenen Februar in die südjemenitische Stadt Aden, von wo aus er versucht weiterzuregieren. Der von den USA unterstützte Staatschef will einen Föderalstaat errichten - scheiterte aber an der Stärke der Huthis.

Ex-Präsident Salih

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih war über 30 Jahre Herrscher im Jemen. Nach Protesten musste er Anfang 2012 zurücktreten. Die USA werfen ihm vor, das Chaos geschürt zu haben. Die UN haben Sanktionen gegen ihn verhängt. Medien berichteten über Absprachen Salihs mit den Huthis. Saudi-Arabien gewährte Salih nach dessen Rücktritt Unterschlupf. Der reiche Golfstaat hat ein großes Interesse daran, den bettelarmen Jemen unter sunnitischer Kontrolle zu halten.

Der Iran

Der Iran versucht als Rivale Saudi-Arabiens, via Sanaa einen Fuß auf die Arabische Halbinsel zu bekommen. Das schiitische Land gilt als Verbündeter der Huthi-Rebellen. Experten vermuten, der Iran unterstütze die Huthis möglicherweise finanziell, habe aber - anders als im Falle der Hisbollah im Libanon oder der schiitischen Milizen im Irak - keinen operativen Einfluss auf sie.

Saudi-Arabien

Eine von Saudi-Arabien geführte regionale Militärallianz bombardiert seit Ende März 2015 im ganzen Land Stellungen und Waffenlager der Huthis und der Salih-loyalen Truppen. Riad sieht - anders als viele Nahost-Experten - in der Miliz der schiitischen Sekte einen „Klienten“ des Iran, der auf diese Weise die Kontrolle über den Hinterhof des sunnitischen Königreichs übernehmen wolle.

Al-Kaida

Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) ist der mächtigste Ableger des weltweit agierenden Terrornetzwerkes. Die sunnitischen Extremisten, die sich unter anderem zum Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ bekannten, galten bisher als heimliche Gewinner im Machtpoker um den Jemen. In den vergangenen Monaten bekannten sich Extremisten und bisherige Al-Kaida-Anhänger zu der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), die große Teile des Iraks und Syriens kontrolliert. Trotz einer sehr ähnlichen Ideologie ist der IS mit Al-Kaida verfeindet.

Überraschend ließen die Huthis einen Bruder des nach Saudi-Arabien geflüchteten Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi sowie dessen Verteidigungsminister Mahmud al-Subaih und einen Militärkommandanten nach einem Monat frei. Beobachter deuteten dies als mögliches Zeichen dafür, dass es zwischen den Rebellen und ihren Verbündeten sowie Hadi eine - wie auch immer geartete - Einigung geben könnte.

Der international als Präsident anerkannte Hadi war Ende März vor den anrückenden Huthis aus Aden nach Saudi-Arabien geflohen. Daraufhin startete Saudi-Arabien am 26. März mit verbündeten sunnitischen Staaten die Luftangriffe, um die Huthis zu schwächen und sie an den Verhandlungstisch zu bringen.

Kommentare (1)

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Herr Josef Schmidt

23.04.2015, 13:51 Uhr

Wir brauchen noch mehr solche Länder die einfach wenn sie mit der Lage in einem Land nicht zufrieden sind einfach losbomben wen sie wollen.

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