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14.06.2011

14:20 Uhr

Bürgerkrieg in Syrien

Assads Panzer ersticken den Widerstand

Syriens Präsident Assad geht kompromisslos gegen seine Gegner vor. Panzer der Armee rücken auf eine Hochburg der Opposition vor. Die Zahl der Todesopfer steigt, doch im Uno-Sicherheitsrat herrscht erneut Uneinigkeit.

Syrische Armeeeinheiten auf dem Vormarsch. Quelle: dapd

Syrische Armeeeinheiten auf dem Vormarsch.

Amman/Berlin Nach der Niederschlagung von Protesten in der syrischen Stadt Dschisr al-Schughur rückt die Armee auf eine weitere Hochburg der Opposition im Norden vor. Flüchtlinge und Augenzeugen berichteten, bis zum späten Montagabend habe das Militär die Ortschaft Ahtam erreicht und stehe damit etwa 14 Kilometer vor der Stadt Maarat al-Numaan. Dutzende Panzer seien im Einsatz, um den Widerstand zu brechen. Die Stadt liegt strategisch bedeutsam an der Fernstraße von der Hauptstadt Damaskus nach Aleppo. Flüchtlinge berichteten, die Truppen hätten auf ihrem Vormarsch Hunderte Menschen in kleineren Dörfern entlang des Weges zusammengetrieben.

In Maarat al-Numaan waren in den vergangenen Wochen zahlreiche Menschen auf die Straßen gezogen, um gegen die Herrschaft von Präsident Baschar al-Assad zu protestieren. Seit Beginn der Proteste in Syrien vor drei Monaten sind nach Angaben von syrischen Menschenrechtsgruppen 1300 Zivilisten und 300 Soldaten getötet worden. Die jüngste Offensive startete das Militär, nachdem in der Proteststadt Dschisr al-Schughur 120 Soldaten getötet worden waren. Einwohnern zufolge kam es zu einer Meuterei unter den Truppen, weil einige Soldaten nicht auf demonstrierende Regierungsgegner schießen wollten. Die Führung in Damaskus machte dagegen bewaffnete Banden für den Tod der Soldaten verantwortlich und entsandte neue Truppen.

Das staatliche Fernsehen zeigte festgenommene angebliche Terroristen, die vor laufender Kamera gestanden, die dort verscharrten Polizisten und Soldaten ermordet und verstümmelt zu haben. Ob es sich um eine Inszenierung handelte, konnte nicht unabhängig geklärt werden. Geständnisse vor Fernsehkameras sind nach internationalem Recht verpönt, in Syrien werden Geständnisse zudem auch mit Folterungen und Drohungen erpresst.

Wegen des Militäreinsatzes sind mittlerweile knapp 7000 Syrer in die Türkei geflüchtet. Nach Berichten von Augenzeugen harren zudem etwa 10.000 weitere Flüchtlinge nahe der Grenze aus. Die Hilfsorganisation Roter Halbmond bereitet nach UN-Angaben ein viertes Flüchtlingslager mit Platz für 2500 weitere Menschen vor. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die syrische Führung erneut auf, Mitarbeiter des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes ins Land zu lassen. Die Lage sei „sehr besorgniserregend“.

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