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03.10.2016

22:32 Uhr

Bürgerkrieg in Syrien

EU verkündet Nothilfeplan für Aleppo

Angesichts der katastrophalen Lage in Aleppo hat die EU eine „humanitäre Soforthilfe“ gestartet. Wie die EU-Kommission am Sonntag mitteilte, stellt sie 25 Millionen Euro für einen Hilfskonvoi zu Verfügung.

Die syrische Armee hatte am 22. September mit Hilfe der russischen Luftwaffe eine Offensive zur Rückeroberung von Aleppo gestartet. Seitdem wurden dutzende Zivilisten durch eine Welle von Luftangriffen getötet. AFP; Files; Francois Guillot

„Leben in der Hölle“

Die syrische Armee hatte am 22. September mit Hilfe der russischen Luftwaffe eine Offensive zur Rückeroberung von Aleppo gestartet. Seitdem wurden dutzende Zivilisten durch eine Welle von Luftangriffen getötet.

Aleppo Angesichts der katastrophalen Lage im syrischen Aleppo hat die EU eine „humanitäre Soforthilfe“ gestartet. Wie die EU-Kommission am Sonntag mitteilte, stellt sie 25 Millionen Euro für einen Hilfskonvoi zu Verfügung, der unter anderem Nahrungsmittel, Wasser und Medizin nach Aleppo und in andere Krisengebiete bringen soll. Die syrische Armee setzte ihren Vormarsch in der umkämpften Großstadt fort.

Die EU wolle in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen „lebensrettende Unterstützung für die Zivilisten“ in den von den Rebellen kontrollierten Ostteil Aleppos bringen, erklärten die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides. Gleichzeitig sollen Verletzte und Kranke aus den Rebellenvierteln zur Behandlung evakuiert werden, insbesondere Frauen, Kinder und Ältere. Die EU rief die Konfliktparteien auf, die nötige Erlaubnis für die Hilfen zu gewähren.

Der Chef des UN-Büros für humanitäre Hilfe (Ocha), Stephen O'Brien, sagte in Genf, Aleppos Einwohner erlebten „ein Ausmaß der Rohheit, dass kein Mensch erleiden sollte“. Sofortiges Handeln sei nötig, um dieses „Leben in der Hölle“ zu beenden. Er beklagte, mit den Angriffen auf Krankenhäuser im Ostteil werde das Gesundheitssystem „ausgelöscht“.

Wer kämpft gegen wen im Norden Syriens?

Idlib

Die Provinz im Nordwesten des Landes wird von dem Rebellenbündnis Dschaisch al-Fatah kontrolliert, das aus verschiedenen moderaten bis radikalen Gruppen besteht. Darunter die dschihadistische Miliz Fatah al-Scham. Das syrische Regime fliegt mit seinen Verbündeten – zu denen unter anderem Russland gehört – Luftangriffe auf Stellungen der Aufständischen. Einige der islamistischen Rebellen sollen Saudi-Arabien und Katar nahestehen.

Aleppo

Die einstige Handelsmetropole ist seit Jahren zwischen Regime und verschiedenen Rebellengruppen geteilt. Die Regierung kontrolliert den Westteil der Stadt. Die Aufständischen im Osten gehören einem weiten Spektrum zwischen extremistisch, islamistisch bis hin zu moderat an. Einige werden auch von den USA unterstützt. Das gilt auch für die kurdischen Kämpfer, die einige Viertel im Norden der Stadt kontrollieren. Westlich und südwestlich Aleppos herrscht das Bündnis Dschaisch al-Fatah, das auch die Provinz Idlib kontrolliert.

Grenzregion bei Dscharablus

Nach der Invasion der türkischen Armee zusammen mit Rebellengruppen am Mittwoch eroberten die Kräfte westlich des Euphrat die Grenzstadt Dscharablus von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Dschihadisten halten immer noch einige Gebiete an der Grenze zur Türkei, darunter die Stadt Al-Bab.

Die Kurdenmiliz YPG hatte die strategische Stadt Manbidsch vor wenigen Wochen vom IS befreit und war vom Osten her weit in das Gebiet der Extremisten vorgerückt. Dies ist der Türkei ein Dorn im Auge, weil die Kurdenmiliz YPG der bewaffnete Arm der Kurdenpartei PYD in Syrien ist. Bei der PYD wiederum handelt es sich um den Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in der Türkei.

Der Nordosten

Die Kurden unter Führung ihrer Partei PYD haben im östlichen Teil der Provinz Aleppo sowie den Landesteilen Al-Rakka und Hasaka eine zusammenhängendes Gebiet unter ihrer Kontrolle geschaffen. In dem mehrere hundert Kilometer langen Streifen an der türkischen Grenze haben sie eine Selbstverwaltung ausgerufen. Die Kurden schienen sich trotz zeitweiser Gefechte mit Regimetruppen in zwei Enklaven arrangiert zu haben. Allerdings kam es zuletzt zu ungewöhnlich heftigen Kämpfen, die erst mit einer Waffenruhe eingedämmt werden konnten.

Am Samstag schlugen im Krankenhaus M10 im Ostteil Aleppos nach Angaben des Betreibers, der Syrian American Medical Society (Sams), zwei Fassbomben ein. Das Krankenhaus M10 und die ebenfalls von Sams unterstützte Klinik M2 waren bereits am Mittwoch bombardiert worden.

Die Regierungstruppen stießen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe bis an die Grenze des von Rebellen kontrollierten nördlichen Viertels Al-Halak vor, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte. Ein AFP-Reporter berichtete von Luftangriffen auf die Stadtteile Bustan al-Bascha, Sachur und Suleiman al-Halabi. Die in Großbritannien ansässige Beobachtungsstelle beruft sich auf Informanten vor Ort, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite schwer zu überprüfen.

Die syrische Armee hatte am 22. September mit Hilfe der russischen Luftwaffe eine Offensive zur Rückeroberung der gesamten Stadt gestartet. Seitdem wurden dutzende Zivilisten durch eine Welle von Luftangriffen getötet. Diplomatische Bemühungen um ein Ende der Angriffe auf Wohngebiete blieben erfolglos.

US-Außenminister John Kerry drohte damit, die Gespräche mit Russland abzubrechen. Am Samstag telefonierte Kerry nach Angaben Moskaus zwei Mal mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow. Eine kürzlich zwischen Moskau und Washington ausgehandelte Waffenruhe war nach wenigen Tagen wieder zerbrochen.

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US-Außenminister John Kerry hat es Moskau angedroht. Nun macht er Ernst und bricht die Gespräche über Syrien ab. Ein schwerer Fehler, meint Russland. In Aleppo spitzt sich die Lage weiter zu.

Die Beobachtungsstelle berichtete, die russische Luftwaffe habe am Sonntag in der Provinz Hama einen Stützpunkt der von den USA unterstützten Rebellengruppe Dschaisch al-Issa angegriffen. Dabei seien sechs Rebellen getötet worden.

Am Montag rissen zwei Selbstmordattentäter in der Provinzhauptstadt Hama zwei Menschen mit in den Tod und verletzten mehrere weitere, wie die syrische Nachrichtenagentur Sana meldete. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu den Anschlägen.

Bei der Explosion von Minen starben laut der Beobachtungsstelle mindestens 21 Aufständische, die im Norden der Provinz Aleppo zusammen mit türkischen Einheiten gegen die IS-Miliz kämpfen. Mehrere Dutzend weitere Kämpfer wurden durch die vom IS gelegten Minen beim Dorf Turkman Barah nahe der Stadt Dabik verletzt.

Von

afp

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