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27.09.2015

13:37 Uhr

Bürgerkrieg in Syrien

Französische Kampfflugzeuge bombardieren erstmals IS-Miliz

Die französische Luftwaffe beteiligt sich jetzt aktiv am Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) in Syrien. Nach den USA und Großbritannien reagiert damit auch Frankreich auf die wachsende Bedrohung durch den IS.

Frankreichs Präsident Francois Hollande beim Start eines französischen Kampfflugzeugs – Frankreich beteiligt sich jetzt an den Luftschlägen gegen den IS in Syrien. dpa

Neue Etappe in Syrien

Frankreichs Präsident Francois Hollande beim Start eines französischen Kampfflugzeugs – Frankreich beteiligt sich jetzt an den Luftschlägen gegen den IS in Syrien.

ParisFrankreich hat sich erstmals mit Luftangriffen auf Stellungen der Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) in den syrischen Bürgerkrieg eingeschaltet. Das Präsidialamt in Paris teilte am Sonntag mit, das Land unterstreiche damit seine Entschlossenheit, die „terroristische Bedrohung“ zu bekämpfen. Ministerpräsident Manuel Valls sagte dem Sender BFM-TV, Frankreich schütze sich so vor Anschlägen von Extremisten. Die USA bereiten derweil eine neue diplomatische Initiative zur Beendigung des seit vier Jahren tobenden Bürgerkrieges vor, dessen Folgen durch die Flüchtlingswelle auch in Europa immer sichtbarer werden. US-Außenminister John Kerry will diese Woche bei der Vollversammlung der Vereinten Nationen (Uno) in New York Möglichkeiten einer politischen Lösung ausloten.

Große Teile Syriens und des benachbarten Iraks sind unter Kontrolle des IS, der Andersgläubige mit brutaler Gewalt bekämpft. Bisher hatte sich Frankreich nur an Luftangriffen im Irak beteiligt. Anfang des Monats begannen französische Soldaten aber mit Aufklärungsflügen über Syrien, um mehr Informationen über die Aufenthaltsorte des IS zu erhalten.

Die syrischen Flüchtlinge und die Nachbarstaaten

Fast vier Millionen Flüchtlinge

Der syrische Bürgerkrieg hat sich zu einer humanitären Katastrophe entwickelt. Mehr als 3,8 Millionen Syrer sind ins Ausland geflohen, seit vor vier Jahren der Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad begann. Die meisten von ihnen sind in den Nachbarländern untergekommen und haben diese damit vor erhebliche Schwierigkeiten gestellt. Viele von ihnen sind nirgendwo registriert. Hier ein Überblick über die Situation. (Quelle: AP)

Libanon

1,2 Millionen Flüchtlinge sind registriert. In den oft spontan errichteten Notunterkünften werden jedoch noch zahlreiche weitere Vertriebene vermutet. Mit einer ursprünglichen Einwohnerzahl von 4,5 Millionen ist der Libanon damit nach Angaben der Vereinten Nationen das Land mit der höchsten Flüchtlingsquote der Welt. Die Regierung in Beirut hat aus Furcht um die innere Stabilität des Landes eine Reihe von Beschränkungen für Syrer verhängt. Eine der wichtigsten ist die Visumpflicht.

Jordanien

Nach offiziellen Angaben sind 625 000 Syrer nach Jordanien geflohen. Viele Flüchtlingslager stehen direkt an der Grenze zu Syrien, andere in der Nähe von Großstädten. Im größten Lager, Sataari, leben etwa 84 000 Flüchtlinge unter direkter Verwaltung der Regierung und der Vereinten Nationen.

Türkei

Der nördliche Nachbar Syriens hat 1,6 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge registriert. Die Regierung hat 21 Flüchtlingslager errichtet, zu denen auch Schulen und medizinische Einrichtungen gehören.

Irak

Der Irak wird selbst von einem Bürgerkrieg erschüttert. Trotzdem hat er 245 000 Flüchtlinge aufgenommen. Die meisten von ihnen sind Kurden, die in die von ihren Stammesverwandten bewohnten Gegenden im Nordirak gezogen sind. Zehntausende hausen in Zeltstädten oder eilig aus dem Boden gestampften Baracken. Die Regierung der weitgehend autonomen Kurdenregion im Irak erlaubt den Flüchtlingen eine große Freizügigkeit. Einige haben Arbeit und Wohnungen in Städten gefunden.

Ägypten

Die Regierung in Kairo geht nach eigenen Angaben von 136 000 Bürgerkriegsflüchtlingen aus. Doch selbst Beamte schätzen, dass hunderttausende Syrer im Land leben, die nicht registriert sind.

Kerry kam am Samstag bei der Uno-Vollversammlung mit dem iranischen Außenminister Mohammad Dschawad Sarif zusammen. „Ich erachte diese Woche als eine große Gelegenheit für die verschiedensten Länder, ein wichtige Rolle zu spielen bei dem Versuch, einige der sehr schwierigen Fragen in Nahost zu lösen“, so der US-Chefdiplomat.

Kerry wolle verschiedene Ideen für einen neuen Anlauf testen, nachdem der vor drei Jahren in Gang gebrachte Uno-Friedensprozess erfolglos geblieben sei, sagte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter. Dazu könnten Russland, die Türkei, Saudi-Arabien und Katar zusammengebracht werden. Iran und Russland unterstützen den umstrittenen syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, während die Türkei und Saudi-Arabien syrischen Oppositionsgruppen helfen.

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