Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2016

16:46 Uhr

Bürgerkrieg in Syrien

Menschen verhungern weiter im belagerten Madaja

Vorsätzliches Aushungern ist ein Kriegsverbrechen. Dennoch droht Tausenden Menschen in Syrien der Hungertod. Selbst Hilfslieferungen garantieren nicht allen das Überleben – wie die Stadt Madaja zeigt.

Tausende Menschen verhungern

Madaja: Syrer schlachten Hunde und Katzen, um zu überleben

Tausende Menschen verhungern: Madaja: Syrer schlachten Hunde und Katzen, um zu überleben

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DamaskusIn der belagerten syrischen Stadt Madaja sterben weiter Menschen an den Folgen von Mangelernährung und schlechter medizinischer Versorgung. Trotz der vor knapp drei Wochen gelieferten Nothilfe für Tausende Hungernde seien seit Mitte Januar mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Samstag mit. Unter ihnen seien zwei Kinder und vier Frauen. 400 akut lebensbedrohte Patienten warteten noch immer darauf, aus der Stadt gebracht zu werden.

Bereits am Freitag hatte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) von wenigstens 16 verhungerten Menschen berichtet. Weitere seien dem Hungertod nahe und benötigten dringend Hilfe.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Bürgerkrieg in Syrien

Seit mehr als vier Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Dem Regime in Damaskus steht eine Vielzahl von Gegnern gegenüber, die Lage ist unübersichtlich. Längst werden die Rebellen von islamistischen und radikalen Gruppen dominiert.

Regime

Die Armee kontrolliert noch immer die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen. Unterstützt werden Assads Anhänger von der libanesischen Schiiten-Miliz Hisbollah sowie von iranischen Kämpfern.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz ist die stärkste Kraft in Syrien. Sie kontrolliert im Norden und Osten riesige Gebiete. Allerdings mussten die Extremisten in diesem Jahr mehrere Niederlagen gegen die syrischen Kurden einstecken.

Dschaisch al-Fatah

Dabei handelt es sich um ein Bündnis verschiedener moderater und radikaler Gruppen, darunter die radikale Al-Nusra-Front, die islamistische Miliz Ahrar al-Scham und Brigaden, die sich als Teil der moderaten Freien Syrien Armee (FSA) sehen. Das Bündnis beherrscht im Nordwesten Syriens die Provinz Idlib.

Al-Nusra-Front

Der Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida vertritt eine ähnliche Ideologie wie IS, beide Gruppen sind aber miteinander verfeindet. Die Nusra-Front ist vor allem im Nordwesten des Landes stark, kämpft aber auch im Süden.

Ahrar al-Scham

Die islamistische Miliz ist neben der Nusra-Front die wichtigste Kraft des Rebellenbündnisses Dschaisch al-Fatah. Sie gibt sich pragmatischer und weniger radikal als der Al-Kaida-Ableger.

Freie Syrische Armee

Die FSA ist keine Armee im eigentlichen Sinne, es gibt auch keine einheitliche Führung. Mehrere moderate Gruppen rechnen sich ihr jedoch zu. Stark sind diese im Nordwesten, wo sie auch zu dem Rebellenbündnis gehören, sowie im Süden.

Kurdische Volksschutzeinheiten

Mit Hilfe der US-Luftwaffe konnte die YPG den IS aus großen Gebieten im Norden Syriens zurückschlagen. Dort haben die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Sie kooperieren mit dem Regime, aber auch mit dessen Gegnern. Zuletzt kam es jedoch zu Zusammenstößen mit Rebellengruppen in Aleppo.

Am 11. Januar hatte ein Hilfskonvoi erstmals tonnenweise Nahrung, Medizin und Decken in den von syrischen Regierungstruppen seit mehr als einem halben Jahr eingeschlossenen Ort in Westsyrien gebracht.

Bis dahin waren laut Ärzte ohne Grenzen (MSF) fast 30 Menschen gestorben. Die Vereinten Nationen hatten schon damals erklärt, 400 Menschen seien fast tot und müssten so schnell wie möglich aus der Stadt gebracht werden.

„Es ist absolut inakzeptabel, dass Menschen weiter verhungern und kritische Fälle in der Stadt bleiben, obwohl sie vor Wochen hätten in Sicherheit gebracht werden sollen“, sagte der lokale MSF-Direktor Brice de le Vingne.

Bürgerkrieg in Syrien: Verhungernde sollen aus Madaja befreit werden

Bürgerkrieg in Syrien

Verhungernde sollen aus Madaja befreit werden

Die Uno hat vor dem Sicherheitsrat einen dramatischen Bericht zur Lage der von syrischen Regierungstruppen eingekesselten Stadt Madaja gegeben. Demnach sind 400 Menschen akut vom Hungertod bedroht. Syrien dementiert.

Madaja ist kein Einzelfall: Uno-Schätzungen zufolge sind in 50 belagerten Orten in Syrien 400.000 Menschen eingeschlossen. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon hat das vorsätzliche Aushungern von Menschen als Kriegsverbrechen bezeichnet.

Die syrische Opposition fordert bei den Friedensgesprächen für das Bürgerkriegsland in Genf ein Ende der Blockaden syrischer Städte durch die Armee.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×