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28.10.2016

19:54 Uhr

Bürgerkrieg in Syrien

Moskau will Aleppo vorerst nicht weiter bombardieren

Syrien, Russland und der Iran suchen öffentlich den Schulterschluss. Ihre Außenminister haben in Moskau den Willen zur Rückeroberung Aleppos bekräftigt. Der Kreml hat derweil einen weiteren Zerstörer entsendet.

Bei Angriffen von Rebellen sollen 15 Zivilisten gestorben sein. Reuters

Aleppo

Bei Angriffen von Rebellen sollen 15 Zivilisten gestorben sein.

MoskauRussland verstärkt einem Medienbericht zufolge seine Flotte vor der Küste Syriens weiter. Der Zerstörer „Smetliwy“ sei am Freitag aus dem Hafen Sewastopol auf der Halbinsel Krim ausgelaufen, berichtete die Regierungszeitung „Rossiskaja Gaseta“. Er solle die russischen Kampfeinsätze in Syrien für einige Monate unterstützen. Die staatlich finanzierte TV-Agentur Ruptly meldete ergänzend, das Kriegsschiff werde zunächst in die griechische Hafenstadt Piräus fahren, wo es zu einer Veranstaltung im Rahmen des griechisch-russischen Kulturjahres erwartet werde. Am 02. November solle es von dort in Richtung Syrien auslaufen.

Russland hat bereits einen großen Marineverband – darunter einen Flugzeugträger – ins östliche Mittelmeer beordert. Die Nato hatte die Regierung in Moskau in dieser Woche aufgefordert, den Flugzeugträger „Admiral Kusnezow“ nicht zum Bombardement der Menschen in der umkämpften Großstadt Aleppo einzusetzen. Der Marineverband soll mit Dutzenden Jagdbombern und Hubschraubern ausgestattet sein. Die Nato befürchtet, dass die Kampfjets ab Anfang November Angriffe auf Aleppo fliegen könnten. Vor der syrischen Küste kreuzen schon jetzt rund zehn russische Kriegsschiffe.

Die internationale Anti-IS-Koalition

Welche Länder beteiligen sich?

Nachdem der IS sich im Sommer 2014 in Syrien ausbreitete, beschlossen zehn Länder auf einer Nato-Konferenz ein Bündnis gegen die Terrormiliz. Heute gehören mehr als 60 Staaten zu der Allianz, darunter neben den USA auch Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Türkei. Saudi-Arabien und andere arabische Staaten wie Jordanien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar haben sich dem Bündnis ebenfalls angeschlossen.

Quelle: dpa

Wie geht die Allianz vor?

Derzeit bekämpft die Allianz den IS vor allem in Syrien und im Irak, wenngleich sich der IS auch in Libyen festgesetzt hat. Nach eigenen Angaben hat die Koalition mehr als 12.000 Luftangriffe auf IS-Stellungen geflogen. Die USA bilden im Irak Soldaten der Armee und kurdische Kämpfer aus, Deutschland liefert Waffen und Ausrüstung für kurdische Peschmerga und leistet mit sechs Tornado-Flugzeugen Aufklärungsarbeit.

Welche Erfolge gibt es?

Die Dschihadisten sind in Syrien und im Irak massiv unter Druck geraten. Seit Beginn vergangenen Jahres hat der IS mehr als ein Drittel seines „Kalifat“ genannten Herrschaftsgebietes eingebüßt. Vor allem die Kurden haben den Extremisten mit Hilfe internationaler Luftunterstützung im Norden beider Länder große Gebiete abgenommen. Der irakischen Armee gelang es, den IS aus wichtigen Städten wie Ramadi und Falludscha zu vertreiben. Außerdem haben die Luftschläge die Ölinfrastruktur unter IS-Kontrolle stark zerstört, weshalb die Extremisten laut Analysten unter Finanzproblemen leiden. Dennoch beherrscht der IS noch große Gebiete in Syrien und im Irak.

Welche Rolle spielt die Türkei?

Um die Rolle der Türkei gibt es Streit. Die Türkei stellt seit Sommer vergangenen Jahres ihren Luftwaffenstützpunkt Incirlik der Allianz für den Luftkampf gegen den IS bereit. Ankara hilft auch bei der Ausbildung und hat nach eigenen Angaben kurdische Peschmerga bei der Großoffensive auf Mossul mit Artillerie unterstützt. Die Regierung in Bagdad lehnt eine türkische Militärpräsenz im Irak allerdings ab. Die türkische Führung wiederum weigert sich, ihre Soldaten abzuziehen.

Wann ist Mossul befreit?

Das ist schwer zu sagen, zumal die eigentlichen Kämpfe um die Stadt noch nicht begonnen haben. Bei dem Koalitionstreffen in Paris geht es jedoch schon darum, die politischen Weichen für die Zeit nach dem IS in Mossul zu stellen. Das Gesellschaftsgefüge ist fragil in Iraks zweitgrößter Stadt. Während die meisten Iraker Schiiten sind, ist die Mehrheit der Bevölkerung in Mossul sunnitisch wie der IS. Zudem lebten viele Christen dort. Der sunnitische türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte bereits, dass nach dem Ende der Kämpfe keine Schiiten mehr in der Stadt leben sollten.

Der Kreml will hat betont, dass er vorerst keine weiteren Luftangriffe auf Aleppo fliegen will. Präsident Wladimir Putin wolle mit dem vorläufigen Verzicht auf weitere Bombardements der Bevölkerung und den Aufständischen Gelegenheit geben, die umkämpfte Stadt zu verlassen, sagte sein Sprecher Dmitri Peskow am Freitag vor Journalisten in Moskau. Allerdings behalte man sich das Recht vor, alle zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um die syrische Armee zu unterstützen. In Aleppo begannen Rebellen der verschiedenen politischen Lager mit einer gemeinsamen Großoffensive gegen die Regierungstruppen. Damit soll der Belagerungsring um die einst größte Stadt des Landes gesprengt werden.

Allein im Südwesten Aleppos seien mehr als 150 Raketen und Granaten eingeschlagen, berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Bei Angriffen im Westen der früheren Handelsmetropole seien 15 Zivilisten getötet worden. Staatliche Medien sprachen von fünf zivilen Opfern. An der Offensive beteiligte sich auch die islamistische Gruppe Dschabhat Fateh al-Scham, die früher als Nusra-Front bekannt war und mit der Al-Kaida verbündet war. Zum Einsatz kamen auch zahlreiche von Selbstmordattentätern gesteuerte mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge. Aus dem auch vom Westen unterstützten Rebellenbündnis Freie Syrische Armee verlautete, es gebe eine Mobilmachung aller Personen, die Waffen tragen könnten..

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