Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.11.2016

16:26 Uhr

Bürgerkrieg in Syrien

Rebellen schießen laut Regime auf Zivilisten

In Aleppo sind bis zu 300.000 Menschen eingeschlossen. Während einer Waffenruhe verlässt allerdings niemand das betroffene Gebiet. Das Regime und die Rebellen geben sich dafür gegenseitig die Schuld.

Zivilisten sollten diese Straße ohne Probleme überqueren können. Das hat sich nun geändert. Reuters

Castello-Route

Zivilisten sollten diese Straße ohne Probleme überqueren können. Das hat sich nun geändert.

AleppoSyriens Regime und Russland werfen den Rebellen in der umkämpften Stadt Aleppo vor, während einer Feuerpause einen Korridor für Zivilisten beschossen und drei Menschen leicht verletzt zu haben. Unter ihnen sind nach Militärangaben aus Moskau zwei russische Soldaten. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete am Freitag, auch ein lokaler TV-Reporter sei verletzt worden. Mit dem Beschuss hätten die „Terrororganisationen“ verhindern wollen, dass Menschen den von Rebellen kontrollierten Osten Aleppos verließen.

Insgesamt seien sieben Granaten auf die Castello-Route im Norden der Stadt gefeuert worden, berichtete Sana weiter. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, die Verbindungsstraße sei mit Granaten beschossen worden. Sie machte keine Angaben dazu, wer die Granaten abgefeuert hat. Russland ist im syrischen Bürgerkrieg ein wichtiger Verbündeter der Regierung in Damaskus.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

Die von Moskau verkündete zehnstündige Feuerpause war am Freitagmorgen in Kraft getreten und hatte zunächst weitgehend gehalten. Die Waffenruhe sollte Zivilisten und Rebellen Moskau zufolge die Möglichkeit geben, Ost-Aleppo über insgesamt acht Korridore zu verlassen. Ein Sprecher der Rebellengruppe Nur al-Din al-Senki, Jasser al-Jussif, erklärte jedoch am Nachmittag, bislang sei niemand aus den Rebellengebieten fortgegangen.

Die Rebellen lehnten die Feuerpause ab. „Die Waffenruhe ist eine große Lüge“, sagte Al-Jussif. „Niemand traut dem russischen und dem syrischen Regime.“ Die Kämpfer der Opposition hatten vor einer Woche eine neue Offensive begonnen, um die Blockade der Stadtteile im Osten Aleppos zu brechen. Sie kündigten an, ihre Angriffe fortzusetzen.

Nach Angaben von Aktivisten warf das Regime über Ost-Aleppo Flugblätter ab, in denen die bewaffneten Gruppen zur Aufgabe aufgerufen wurden. „Stoppt euren Kampf oder ihr werdet sterben“, hieß es demnach auf einem der Flugblätter.

Aleppo gehört im mehr als fünfjährigen syrischen Bürgerkrieg zu den umkämpftesten Gebieten. Während einer dreitägigen Waffenruhe im Oktober war es Hilfsorganisationen nicht gelungen, Verletzte und Kranke aus der Stadt zu bringen. Im blockierten Ostteil Aleppos sollen noch bis zu 300 000 Menschen leben. Dort herrscht ein akuter Mangel an Wasser, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×