Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.03.2013

15:55 Uhr

Bürgerkrieg in Syrien

Rebellen sollen Gräueltaten in Aleppo begangen haben

In Aleppo haben syrische Rebellen in Teilen ein wichtiges Stadtviertel erobert. Zudem wird berichtet, dass die Aufständischen einen mit der Regierung sympathisierenden Geistlichen getötet haben – auf grausame Weise.

Syrische Flüchtlinge auf dem Weg nach Jordanien. Auch die Türkei nimmt Flüchtlinge auf. Doch angeblich hat sie 130 von ihnen wieder ausgewiesen. dpa

Syrische Flüchtlinge auf dem Weg nach Jordanien. Auch die Türkei nimmt Flüchtlinge auf. Doch angeblich hat sie 130 von ihnen wieder ausgewiesen.

Beirut/SanliurfaNach tagelangen Kämpfen haben syrische Rebellen nach Angaben von Aktivisten zumindest Teile eines strategisch wichtigen Stadtviertels von Aleppo eingenommen. Das Medien-Center Aleppo und der in der nordsyrischen Stadt ansässige Aktivist Mohammed Saeed erklärten, die Aufständischen hätten das überwiegend kurdische Viertel Scheik Maksud am Freitagabend vollständig unter ihre Kontrolle gebracht.

Das Syrische Beobachterzentrum für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien erklärte allerdings, die Rebellen hätten nur den östlichen Teil des Viertels erobert. Nach diesen Angaben wurde dort auch am Samstag heftig gekämpft.

Das Beobachterzentrum berichtete zudem, die Aufständischen hätten einen mit der Regierung sympathisierenden sunnitischen Geistlichen gefangen, getötet und seien mit seiner Leiche durch die Straßen des Viertels gezogen.

Zwei Jahre blutiger Kampf um die Macht

15. März 2011:

Erste Protestdemonstration in der syrischen Hauptstadt Damaskus gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.

18. März:

Tausende demonstrieren gegen Assad, es gibt Tote. Am 22. April gehen 100 000 auf die Straße, mindestens 112 sterben.

23. Juni:

Nach Einschlägen syrischer Granaten auf türkischem Gebiet schießt Syrien nahe der Stadt Latakia einen türkischen Militärjet ab. Ankara stationiert daraufhin Raketenabwehrsysteme an der Grenze.

31. Juli:

Das Regime erobert die Widerstandshochburg Hama. Laut Opposition sterben mindestens 100 Menschen.

3. August:

Der UN-Sicherheitsrat einigt sich auf eine „Präsidentielle Erklärung“ zur Verurteilung des Regimes in Damaskus. Eine gewichtigere Resolution scheitert am Veto Russlands und Chinas. Beide Länder blockieren in den folgenden Monaten zwei weitere Resolutionen.

2. Oktober:

Die syrische Opposition bildet einen Nationalrat.

22. Dezember:

Erste Beobachter der Arabischen Liga treffen in Syrien ein. Vier Wochen später wird ihr Einsatz wegen der Gewalt beendet.

23. Dezember:

In Damaskus sterben bei den ersten Selbstmordanschlägen im Bürgerkrieg mindestens 44 Menschen, mehr als 160 werden verletzt.

4. Februar 2012:

Aus der Protesthochburg Homs wird das schlimmste Blutbad seit Beginn der Proteste gemeldet. Hunderte Menschen sterben.

13. Februar:

Das Regime weist den Vorschlag der Arabischen Liga zurück, UN-Friedenstruppen nach Syrien zu schicken. Kurz darauf nennt Assad den 26. Februar als Termin für ein Verfassungsreferendum. Die Verfassung tritt am 28. Februar in Kraft.

25. Februar:

In Tunis gründen mehr als 60 Staaten die „Freundesgruppe“ für ein demokratisches Syrien.

27. März: Syrien akzeptiert den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan, der eine von den UN beobachtete Waffenruhe vorsieht.

25. Mai:

Bei einem Massaker im Ort Al-Hula kommen mehr als 100 Zivilisten ums Leben.

13. Juli:

Nach Angaben der Opposition sollen bei einem Massaker nahe Hama bis zu 250 Menschen von Regierungstruppen getötet worden sein.

18. Juli:

Bei einem Bombenanschlag der Rebellen auf den nationalen Krisenstab kommen mehrere Mitglieder der syrischen Führung ums Leben - darunter der Verteidigungsminister und Assads Schwager.

2. August:

UN-Vermittler Annan gibt auf. Es werden neue Massaker an syrischen Zivilisten gemeldet.

16. August:

Wegen der ausufernden Gewalt wird die UN-Beobachtermission beendet.

24. Oktober:

Der algerische Diplomat Lakhdar Brahimi als neuer UN-Vermittler erklärt, beide Seiten seien zu einer Feuerpause bereit. Die auf vier Tage angelegte Waffenruhe hält keine drei Stunden.

11. November:

Regimegegner bilden die „Nationale Koalition“ und wählen den Prediger Ahmed Muas Al-Chatib zum Vorsitzenden. Zuvor gab der Syrische Nationalrat Ansprüche auf eine Vormachtstellung auf.

6. Januar 2013:

Assad will mit einer nationalen Mobilmachung seinen Sturz verhindern. Er verspricht in seiner ersten öffentlichen Rede seit sieben Monaten Reformen, eine neue Verfassung und Regierung. Eine politische Lösung mit bewaffneten Rebellen schließt er aus.

28. Januar:

Die Nato schützt die Türkei mit „Patriot“- Raketenabwehrstaffeln vor Angriffen aus Syrien. Zur Durchsetzung einer Flugverbotszone über Syrien dürfen sie nicht eingesetzt werden.

21. Februar:

In Damaskus kommen bei einem Bombenanschlag nahe der Zentrale von Assads Baath-Partei mindestens 53 Menschen ums Leben. Das Hauptquartier des Militärs wird mit Granaten beschossen.

28. Februar:

Die Staaten der „Freundesgruppe“ wollen Syriens Opposition politisch und finanziell helfen, aber keine Waffen liefern.

3. März:

Assad lehnt einen Gang ins Exil weiterhin ab. Im Interview mit der britischen Zeitung „Sunday Times“ zeigt er Bereitschaft zu Gesprächen mit der Opposition. Voraussetzung sei aber, dass Militante ihre Waffen niederlegten.

5. März:

Syrische Rebellen melden die Einnahme der Stadt Al-Rakka. Für die von den Rebellen kontrollierten Gebiete in der Provinz Aleppo lassen Oppositionsparteien erstmals lokale Vertretungen wählen.

9. März:

Nach drei Tagen in der Hand syrischer Rebellen sind 21 Blauhelm-Soldaten wieder auf freiem Fuß.

Der staatliche Fernsehsender Al-Ichbarija identifizierte den Geistlichen als Hassan Seifeddine. Dem Fernsehbericht zufolge wurde der Mann enthauptet. Sein Kopf sei auf dem Minarett der Al-Assan Moschee platziert worden, von wo aus er früher gebetet habe.

In der Türkei hingegen wachsen unterdessen die Spannungen zwischen den lokalen Behörden und syrischen Flüchtlingen. Ein Sprecher des oppositionellen Syrischen Nationalrates (SNC) im Grenzgebiet der Provinz Sanliurfa bestätigte am Samstag die Abschiebung von 130 Flüchtlingen aus dem Lager Suleiman Shah in der vergangenen Woche.

Nach einer Intervention des SNC sollen die lokalen Behörden der Provinz zugesagt haben, einige Flüchtlinge, „die in dem Lager Probleme gemacht hatten und anschließend freiwillig das Land verlassen hatten“, wieder aufzunehmen. Die türkische Regierung hatte bestritten, dass die Syrer abgeschoben worden waren. Die Vereinten Nationen wollen den Vorfall untersuchen.

Chronologie – der Konflikt zwischen Türkei und Syrien

6. Juni 2011

Der Flüchtlingsstrom aus Syrien in die Türkei setzt ein. Ankaras Regierungschef Recep Tayyip Erdogan verspricht den Flüchtlingen eine offene Grenze. Zehn Tage später sind bereits fast 10 000 Syrer in türkischen Lagern.

12. November

Anhänger von Machthaber Baschar al-Assad attackieren die türkische Botschaft in Damaskus.

16. März 2012

Die Türkei ruft ihre Bürger auf, Syrien wegen der Gewalt zu verlassen. Am 26. März schließt Ankara die Botschaft in Damaskus.

9. April

Syrische Truppen feuern über die Grenze hinweg auf das Flüchtlingslager Kilis. Zwei Syrer und zwei Türken werden verletzt. Ankara verstärkt die Truppen an der Grenze und warnt vor weiteren Angriffen. In türkischen Lagern leben rund 25 000 Syrer.

30. Mai

Als Reaktion auf das Massaker an Zivilisten im syrischen Al-Hula weist die Türkei alle syrischen Diplomaten aus Ankara aus.

22. Juni

Syrien schießt vor der Küste einen türkischen Militärjet ab. Beide Piloten sterben. Das Flugzeug war nach syrischen Angaben in den Luftraum des Landes eingedrungen.

26. Juni

Der türkische Ministerpräsident Erdogan sagt in einer vom Fernsehen übertragene Ansprache: „Bis sich das syrische Volk von diesem Diktator (Baschar al-Assad) mit blutbefleckten Händen befreit hat, wird die Türkei ihm (dem Volk) jede Art von Unterstützung zuteilwerden lassen.“

28. Juni

Ankara stationiert Raketenabwehrsysteme und Militärfahrzeuge an der Grenze.

6. Juni 201130. Juni

Die türkische Armee lässt Kampfjets gegen syrische Hubschrauber aufsteigen, die sich der Grenze näherten.

20. August

Wegen der schnell steigenden Zahl syrischer Flüchtlinge fordert die Türkei Schutzzonen auf syrischem Boden. Die türkischen Lager könnten nicht mehr als 100 000 Menschen aufnehmen. 70 000 sind bereits in die Türkei geflüchtet, tausende warten tagelang auf der syrischen Seite der Grenze auf die Einreise in die Türkei.

18. September

Bei Kämpfen syrischer Regierungstruppen mit Rebellen werden in dem türkischen Grenzdorf Akcakale mehrere Menschen durch Schüsse aus Syrien verletzt.

3. Oktober

In Akcakale schlagen mindestens drei aus Syrien abgefeuerte Granaten ein. Eine Mutter und ihre vier Kinder sterben. Wenig später greift die türkische Armee erstmals Ziele im Nachbarland an. In den folgenden Tagen schlagen im Grenzgebiet immer wieder Granaten aus Syrien ein, die Türkei feuert zurück.

4. Oktober

Das Parlament in Ankara erlaubt der Regierung für ein Jahr Einsätze auch über die Grenze hinweg. Die Türkei habe aber kein Interesse an einem Krieg mit Syrien, heißt es.

10. Oktober

Die türkische Luftwaffe zwingt ein syrisches Passagierflugzeug zur Landung in Ankara. Die Maschine war auf dem Weg von Moskau nach Damaskus. Es seien Teile von Raketensystemen und Kommunikationsausrüstung an Bord gefunden worden.

Die Türkei hat rund 200 000 syrische Flüchtlinge aufgenommen. In den Lagern gab es schon mehrfach Ausschreitungen.

Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Rudolf Seiters, forderte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag) mehr internationale Hilfen. „Die Lage ist wirklich dramatisch“, sagte Seiters. Das DRK werde in den kommenden Wochen 30 000 Menschen mit Lebensmittelrationen für etwa fünf Monate versorgen.

Türkische Medien berichteten über einen Waffenfund in einem Dorf in der Nähe der Grenze zu Syrien. Die mehr als 5000 Schusswaffen, die im Bezirk Akcakale entdeckt wurden, sollen für die Rebellen in Syrien bestimmt gewesen sein.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

30.03.2013, 16:31 Uhr

Syrien! Korea!
Wie steht es in Mali?
Man liest nichts mehr!
Ist der Krieg beendet oder welchen Grund gibt es dafür!
Wurde das Blauhelmmandat nicht ausgeweitet?

Account gelöscht!

30.03.2013, 17:06 Uhr

Jenseits der MSNachrichten ist das doch wohl seit 2 Jahren kein Geheimnis, dass die syrischen Rebellen, wohl besser vom Ausland gesteuerte Terroristen abscheuliche Greueltaten an der Bevölkerung Syriens verrichten. Nur werden diese Greueltaten meistens versucht, der syrischen Armee anzulasten bzw. geschehen im Auftrage B. al Assad. Aber glücklicherweise bröckelt das MS Kartenhaus und mittlerweile hat auch meine Oma festgestellt, dass in unserer Nachrichtenwelt etwas nicht richtig läuft.

IgnatzHubertus

30.03.2013, 18:38 Uhr

In Mali darf die embed Press noch nicht frei rumlaufen da sie sonst äusserst verwirrende Bilder von brutalem Vorgehen zeigen müssten.

Und das in Syrien brutalste Verbrechen und Massenmord begangen werden ist jedem klar der sich sein Internet zu nutze macht und die internationale Presse verfolgt. Der neuste Hit ist der Chinese der auf FSA Seiten angeworben wurde.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×