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22.01.2017

15:48 Uhr

Bürgerkrieg in Syrien

Regierung und Opposition verhandeln am Montag

Seit sechs Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Alle Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition blieben bislang erfolglos. Noch immer ist das Misstrauen groß. Montag wollen die Konfliktparteien erneut verhandeln.

Syrien-Konflik

Russland lädt zu neuem Friedensdialog ein

Syrien-Konflik: Russland lädt zu neuem Friedensdialog ein

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Istanbul/AstanaEin Jahr ist es her, dass bei kaltem Winterwetter Vertreter zweier Gruppen in Genf eintrafen, die verfeindeter kaum sein können. Über Tage und Wochen rang der UN-Syrienbeauftragte in der Schweiz darum, Regierung und Opposition des Bürgerkriegslandes einander näherzubringen. Doch Staffan de Mistura gelang es trotz aller Diplomatenkunst nicht einmal, beide Seiten zu direkten Gesprächen in einen Raum zu bringen – am Ende blieben die Syrien-Friedensverhandlungen wieder einmal ohne Erfolg.

Am Montag soll es unter Vermittlung Russlands und der Türkei einen neuen Versuch geben, das riesige Misstrauen zu überwinden, das nach fast sechs Jahren Bürgerkrieg zwischen Regierung und Opposition herrscht. Auch wenn die Vertreter diesmal nicht in die Schweiz reisen, sondern in die kasachische Hauptstadt Astana, erinnert allerdings vieles an das Treffen im Januar 2016.

Warum Aleppo im Krieg so wichtig ist

Symbolwirkung

Aleppo hat sich zum Symbol für den verheerenden Konflikt entwickelt. Die Stadt war nahezu seit Beginn der Kämpfe zwischen Regime und Rebellengruppen geteilt und ist das am schwersten umkämpfte Schlachtfeld in dem Krieg. Wer hier siegt, hat auch einen immensen psychologischen Vorteil.

Letzte Hoffnung für Rebellen

Aleppo ist die letzte Großstadt, in der Aufständische noch Gebiete kontrollieren. Damaskus und Homs sind fest in der Hand der Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Den Rebellen blieben ohne die ehemals größte Stadt des Landes nur noch einige eher ländliche Gebiete wie die Provinz Idlib.

Strategisch wichtig

Nicht zu unterschätzen ist der militärische Spielraum, den die syrische Armee bei einer Eroberung gewinnen würde. Die Schlacht um die ehemalige Handelsmetropole bindet viele Kräfte. Diese könnten sich dann auf andere Rebellengebiete des Landes konzentrieren und das Ende des Bürgerkrieges erzwingen.

Einfluss Russlands

An der Entwicklung in der nordsyrischen Stadt lässt sich der Einfluss Russlands seit seinem Kriegseintritt vor mehr als einem Jahr sowie der des Irans ablesen. Ohne diese beiden Verbündeten wäre das geschwächte Regime nicht in der Lage gewesen, die Rebellen so in die Defensive zu drängen.

Verfehlte Politik des Westens

An Aleppo zeigt sich die Schwäche und die verfehlte Politik des Westens, allen voran der USA und seiner Verbündeten. Sie ließen ein Machtvakuum im Bürgerkrieg entstehen, in das Moskau zugunsten der syrischen Regierung vorstieß - und gucken nun ohnmächtig der zivilen Katastrophe zu.

Verhandlungsbasis

Die Eroberung Aleppos würde dem Regime eine starke Verhandlungsbasis für künftige Friedensgespräche geben – falls Assad diese angesichts seines Siegeszuges überhaupt für nötig halten sollte.

An der Spitze der Delegationen stehen wieder zwei Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Damaskus lässt sich erneut durch seinen UN-Botschafter Baschar al-Dschafari vertreten, der sich in Genf erfolgreich darum bemühte, die Gespräche mit Verfahrensfragen zu blockieren. Chefunterhändler der Regimegegner ist wieder Mohammed Allusch, führender Vertreter der islamistischen Miliz Dschaisch al-Islam, die von Syrien und seinen Verbündeten Russland und Iran als Terrororganisation eingestuft und bekämpft wird.

Schon diese Personalien legen den Schluss nahe, dass es in Astana ein mühsames Ringen um jeden Millimeter Fortschritt geben dürfte. Die Rebellen wollen ohnehin nur über die Feuerpause reden, die eigentlich landesweit seit dem 30. Dezember gilt, sich jedoch immer wieder als brüchig erweist. „Niemand erwartet, dass Astana ein vollständiges politisches Abkommen hervorbringt, sondern die Positionen für eine umfassendere Waffenruhe gefestigt werden“, sagt der türkische Experte Sinan Ülgen, der für die Carnegie-Stiftung tätig ist.

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