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13.10.2016

16:24 Uhr

Bürgerkrieg in Syrien

Russland will Uno-Plan eine Chance geben

Neue Syrien-Gespräche sollen dem Bürgerkriegsland wenigstens etwas Entspannung bringen. Die Uno hofft auf eine kurze Feuerpause im umkämpften Aleppo. Direkt miteinander sprechen wollen die USA und Russland aber nicht.

Die Uno erhofft sich eine Feuerpause in der umkämpften Region. dpa

Syrische Regierungssoldaten in der Provinz Aleppo

Die Uno erhofft sich eine Feuerpause in der umkämpften Region.

Genf/MoskauKurz vor den neuen Syrien-Gesprächen an diesem Samstag in Lausanne unterstützt Russland einen Uno-Plan zur Entschärfung der Situation in Aleppo. Der Vorschlag des Uno-Sondergesandten Staffan de Mistura, Anhängern der radikalen Al-Nusra-Front den Abzug aus der umkämpften Stadt zu ermöglichen, verdiene eine neue Chance, sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow in einem Interview des US-TV-Senders CNN.

„Al-Nusra versucht, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu benutzen (...). Al-Nusra kann nicht toleriert werden“, betonte der Minister. Sollte die Rebellengruppe die Stadt verlassen, hofft die Uno auf ein Nachlassen der Kämpfe und eine deutliche Verbesserung der humanitären Situation.

Die Uno geben auch die Hoffnung auf eine zumindest kurze Feuerpause in Aleppo nicht auf, um die Schwerstverletzten aus der umkämpften Stadt bringen zu können. „Wir arbeiten an einem entsprechenden Plan und wollen das in allernächster Zeit möglich machen“, sagte der stellvertretende Uno-Sonderbeauftragte für Syrien, Ramzy Ezzeldin Ramzy, am Donnerstag in Genf. Nach den Bombardements seien die Krankenhäuser der Stadt kaum mehr in der Lage, Notfälle zu behandeln. Mehrere Hundert Menschen, darunter viele Kinder, seien in sehr kritischem Zustand, meinte Ramzy.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

Mit Blick auf die geplanten Gespräche Russlands, der USA und weiterer Staaten über den Syrienkrieg wollte der Uno-Diplomat keine konkreten Erwartungen formulieren. Der Uno-Sondergesandte de Mistura werden aber an den Beratungen teilnehmen, sagte Ramzy.

Bei jüngsten Gefechten in Aleppo sind Menschenrechtlern zufolge mindestens vier Kinder getötet worden. Rebellen hatten demnach den vom syrischen Regime kontrollierten Westteil der Stadt unter Feuer genommen. Dabei sei eine Granate in der Nähe einer Schule eingeschlagen, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag. Mindestens zehn Menschen seien verletzt worden.

Unterdessen gingen den Angaben zufolge auch die Angriffe der syrischen Luftwaffe auf die Rebellen weiter, mit russischer Unterstützung. Der Beobachtungsstelle zufolge kamen dabei sieben Menschen ums Leben. Seit dem Zusammenbruch der kurzen Waffenruhe im September seien bereits 630 Menschen getötet worden, darunter auch 123 Kinder.

Als mögliche Teilnehmer der geplanten Verhandlungen in der Schweiz sind neben den USA und Russland auch die Türkei, Saudi-Arabien, Katar und der Iran im Gespräch. „Wir wollen ein Treffen mit Ländern, die direkten Einfluss haben auf das Geschehen - entweder, weil sie vor Ort sind, oder durch Finanzierung oder Waffenlieferungen“, unterstrich Lawrow.

Der Sprecher des US-Außenministeriums John Kirby, machte ausdrücklich klar, dass keine bilateralen Gespräche zwischen Washington und Moskau geplant seien. Die USA hatten den Dialog mit Moskau über eine Waffenruhe in der Vorwoche beendet. Beide Seiten machten sich daraufhin gegenseitig für das Scheitern verantwortlich.

Russland unterstützt das syrische Regime seit einem Jahr militärisch. Der Westen wirft Moskau vor, dabei Zivilisten und unter anderem einen Uno-Konvoi getroffen zu haben. Russland weist dies zurück und fordert Beweise für Vorwürfe von Kriegsverbrechen.

Von

dpa

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