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01.05.2015

13:45 Uhr

Bürgerkrieg in Syrien

Schwere Kämpfe um Assads Heimatregion

Seit der Nacht zum Freitag liefern sich syrische Rebellen und die Armee schwere Gefechte – es geht um die Küstenprovinz Latakia im Nordwesten des Bürgerkriegslandes. Auf beiden Seiten gibt es viele Tote.

Vier Jahre dauert der Bürgerkrieg in Syrien bereits an, im ländlichen Damaskus sind die Bürger auf Hilfstransporte angewiesen. dpa

Warten auf Hilfstransporte

Vier Jahre dauert der Bürgerkrieg in Syrien bereits an, im ländlichen Damaskus sind die Bürger auf Hilfstransporte angewiesen.

Damaskus/Amman/BeirutDie islamistischen Aufständischen in Syrien und die Armee liefern sich heftige Kämpfe um die Heimatregion von Präsident Baschar al-Assad im Nordwesten des Landes. Nach Darstellung beider Seiten brachen in der Nacht zum Freitag weitere Kämpfe in der Küstenprovinz Latakia aus. Sie ist die Heimat der Minderheit der Alewiten, zu der auch Assad gehört. Ein Armee-Vertreter sagte der staatlichen Nachrichtenagentur SANA, Kampfflugzeuge hätten Dutzende Aufständische in der Region getötet. In Latakia liegt auch der größte Hafen des Landes.

Der Leiter der „Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte“ mit Sitz in London, Rami Abdulrahman, sagte, die Kämpfe in der Latakia-Provinz hätten am Donnerstag mit einer Offensive der syrischen Armee begonnen, die von lokalen Milizen unterstützt worden sei. Ziel sei es, die Aufständischen aus der Gegend zu vertreiben. Mindestens fünf Rebellen seien getötet worden, außerdem eine unbekannte Zahl von Regierungssoldaten.

In der Stadt Dschisr al-Schogur belagern islamistische Rebellen ein Krankenhaus, in dem sich laut Menschenrechtlern rund 150 Kämpfer der Regierung und Zivilisten aufhalten. Am Freitagmorgen sind nach einer Explosion an der Klinik ebenfalls schwere Gefechte ausgebrochen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Syrische Kampfflugzeuge hätten die Gegend um das Krankenhaus bombardiert. Angaben zu Opfern gab es zunächst nicht.

Sechs Gründe, warum der Bürgerkrieg in Syrien noch nicht beendet ist

Einmischung von außen

Das Regime von Baschar al-Assad hat mit Russland und dem schiitischen Iran mächtige Verbündete im Ausland. Teheran unterstützt Damaskus mit Geld und Kämpfern. Zudem kämpft die libanesische Schiiten-Miliz an der Seite Assads. Aber auch die Rebellen erhalten Geld und Waffen aus dem Ausland, unter anderem aus Saudi-Arabien. So wurde die Krise zu einem regionalen Konflikt. (Quelle: dpa)

Assads Unnachgiebigkeit

Der Präsident sagte am Anfang der Proteste Reformen zu - die nie kamen. Stattdessen brandmarkt sein Regime sämtliche Gegner als „Terroristen“, auch moderatere Oppositionelle. Viele Kritiker des Regimes sitzen in Gefängnissen. Im Kampf ums Überleben setzt die Armee zudem immer wieder sogenannte Fassbomben ein - Metallbehälter, die mit Sprengstoff und Metall gefüllt sind.

Zerstrittene Opposition

Den Regimegegnern ist es bis heute nicht gelungen, sich zu einen und eine gemeinsame Führung zu bilden. Die Exil-Opposition in Istanbul wird zwar international anerkannt, zeigt sich aber immer wieder zerstritten und hat in Syrien kaum Einfluss. Auch mit der Inlandsopposition aus Damaskus konnte sie sich noch immer nicht auf konkrete gemeinsame Ziele einigen.

Konfessionalismus

Längst ist der Bürgerkrieg auch zu einem Konflikt zwischen den Konfessionen geworden. Das Regime wird von Alawiten kontrolliert, einer Nebenlinie des schiitischen Islams. Die Alawiten befürchten blutige Rache, sollte Assad stürzen. Auch viele Christen sehen den Präsidenten als ihren Schutzpatron. In den Reihen der Rebellen kämpfen dagegen vor allem Sunniten.

Politik des Westens

Die USA und Europa lehnen eine militärische Intervention gegen das Assad-Regime ab. US-Präsident Barack Obama drohte zwar für den Fall des Einsatzes von Chemiewaffen durch das Regime in Syrien mit einem Eingreifen, nahm dann aber doch davon Abstand. Der Westen steht politisch zwar an der Seite der moderateren Rebellen, unterstützt diese aber kaum mit Waffen.


Stärke der Extremisten

Als die Krise in Syrien eskalierte, dehnte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus dem Irak ins Nachbarland aus. Jetzt kontrolliert sie dort ein Drittel der Fläche. Andere Teile Syriens stehen unter Herrschaft der Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Moderate Kräfte sind auf dem Rückzug. Die von den USA unterstützte Harakat Hasm löste sich kürzlich auf.

Die Islamistischen Milizen hatten Dschisr al-Schogur am vergangenen Wochenende eingenommen. Zu den Rebellengruppen gehört auch die Nusra-Front, der syrische Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Dschisr al-Schogur liegt an einer wichtigen Verbindungsstraße zur syrischen Mittelmeerküste. Dort hat die religiöse Minderheit der Alawiten ihre Hochburg, zu denen auch Präsident Baschar al-Assad gehört. Ende März hatte das Regime im Nordwesten Syriens bereits die Stadt Idlib an Rebellen verloren.

Der Bürgerkrieg in Syrien tobt seit 2011, mehr als 200.000 Menschen wurden bisher getötet. Millionen sind auf der Flucht.

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