Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.09.2016

09:12 Uhr

Bürgerkrieg in Syrien

Sicherheitsrat berät über Angriffe auf Aleppo

Nach den schweren Luftangriffen auf Aleppo ist die Lage der Bevölkerung in der Stadt verheerend. Angesichts der ausufernden Bombardements ist der UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengerufen worden.

Gewalt in Syrien

Heftiger Schlagabtausch im UN-Sicherheitsrat

Gewalt in Syrien: Heftiger Schlagabtausch im UN-Sicherheitsrat

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

New York/DamaskusDer Sicherheitsrat der Vereinten Nationen in New York kommt noch am Sonntag zu Beratungen über die Luftangriffe in Aleppo zusammen. Nach UN-Informationen hatten Großbritannien, die USA und Frankreich das Treffen in der Nacht beantragt. Danach werden die 15 Mitglieder des höchsten UN-Entscheidungsgremiums am Sonntag um 17.00 Uhr MESZ (11.00 Uhr Ortszeit) über die verheerende Lage in der syrischen Stadt beraten.

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon hatte sich zuvor „erschüttert über die verheerende militärische Eskalation“ im Aleppo geäußert. Nach Worten seines Sprechers Stephane Dujarric sagte Ban am Samstag in New York, er sei alarmiert über Berichte von Luftangriffen mit Brandbomben und anderen Bomben, die selbst Bunker sprengen könnten. Aleppo sei der „anhaltendsten und schwersten Bombardierung“ seit Beginn der Syrienkrise 2011 ausgesetzt. Nach dem Abbruch der Waffenruhe in der vergangenen Woche hatte Damaskus die Angriffe auf die von Rebellen kontrollierten Teile der Stadt verschärft.

Wer kämpft gegen wen in Syrien?

Regime

Anhänger von Präsident Baschar al-Assad kontrollieren weiter die meisten großen Städte wie Damaskus, Homs, Teile Aleppos sowie den Küstenstreifen am Mittelmeer. Syriens Armee hat allerdings viele Soldaten verloren und wird vor allem durch russische Kampfjets, iranische Kämpfer und die Schiitenmiliz Hisbollah unterstützt. Auch Verbände aus Afghanistan und dem Irak sollen aufseiten des Regimes kämpfen.

Islamischer Staat (IS)

Die Terrormiliz hat in den vergangenen Monaten große Teile ihres Gebietes verloren, herrscht aber immer noch in vielen Städten entlang des Euphrats und in Zentralsyrien.

Rebellen

Unzählige Rebellengruppen kämpfen in Syrien - von moderaten Gruppen, die vom Westen unterstützt werden, bis zu radikalen Islamisten, wie der früheren Nusra-Front. Immer wieder gehen die verschiedenen Truppen zeitweise Zweckbündnisse ein.

Kurden

Kurdische Streitkräfte beherrschen mittlerweile den größten Teil der Grenze zur Türkei. Sie sind ein wichtiger Partner des Westens im Kampf gegen den IS. Sie kämpfen teilweise mit Rebellen zusammen, kooperieren aber auch mit dem Regime in Damaskus.

Die USA und der Westen

Washington führt den Kampf gegen den IS an der Spitze einer internationalen Koalition. Kampfjets fliegen täglich Angriffe. Beteiligt sind unter anderem Frankreich und Großbritannien. Deutschland stellt unter anderem sechs Tornados für Aufklärungsflüge.

Russland

Seit einem Jahr fliegt Russlands Luftwaffe Angriffe in Syrien und steht an der Seite von Machthaber Assad. Russland bekämpft offiziell den IS, greift aber den Angaben zufolge immer wieder auch moderate Rebellengruppen an, die Seite an Seite mit Dschihadisten kämpfen.

Iran

Teheran ist der treueste Unterstützer des Assad-Regimes. Nach Angaben Teherans sind Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden als militärische Berater der syrischen Armee im Einsatz.

Saudi-Arabien und die Türkei

Riad und Ankara sind wichtige Unterstützer von Rebellen. Sie fordern den Sturz Assads. Saudi-Arabien geht es darum, den iranischen Einfluss zurückzudrängen. Der Iran ist der saudische Erzrivale im Nahen Osten. Die Türkei will eine größere Selbstbestimmung der Kurden in Nordsyrien verhindern.

US-Außenminister John Kerry hatte sich am Samstag in Boston mit vier europäischen Außenministern ausgesprochen. In einer gemeinsamen Erklärung der Außenminister der USA, Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Italiens sowie der EU-Außenbeauftragten hieß es, es sei „an Russland zu beweisen, dass es willens und fähig ist, außergewöhnliche Schritte zu ergreifen, um die diplomatischen Bemühungen“ um eine Waffenruhe in Syrien zu retten.

Kerry verlangte von Syrien ein sofortiges Ende der Luftangriffe. „Was in Aleppo passiert, ist inakzeptabel. Das sprengt alle Dimensionen“, sagte Kerry. Zugleich rief er Russland auf, seinen Einfluss auf Syriens Machthaber Baschar al-Assad geltend zu machen.

In Aleppo sind seit Ende der Waffenruhe mehr als 180 Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien auch mindestens 26 Kinder, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Am Samstag erschütterten massive Luftangriffe der syrischen Armee und ihrer Verbündeten den dritten Tag in Folge den von Rebellen gehaltenen Ostteil der Stadt. Dort harren noch mehr als 250.000 Menschen unter widrigsten Umständen aus.

Die zwischen Russland und den USA vereinbarte Waffenruhe hatte nicht einmal eine Woche lang gehalten. Die schweren Bombardements bedeuten nach den Worten von UN-Syrienvermittler Staffan de Mistura „eine Rückkehr zum offenen Konflikt“. Aus seiner Sicht sei es die schlimmste humanitäre Tragödie seit dem Zweiten Weltkrieg, sagte de Mistura dem arabischen Sender „Al-Dschasira“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×