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10.11.2015

19:10 Uhr

Bürgerkrieg in Syrien

Syrische Armee drängt IS bei Aleppo zurück

Seit zwei Jahren belagert die IS-Terrormiliz Aleppo. Regierungstruppen konnten die Extremisten nun zurückdrängen und die Militärbasis zurückerobern. Frankreich greift derweil Ölförderanlagen unter IS-Kontrolle an.

Aus Militärkreisen verlautete, die Sicherung der Militärbasis Kweires bei Aleppo im Norden des Landes dauere noch an. AFP

Soldaten von Präsident Baschar al-Assad

Aus Militärkreisen verlautete, die Sicherung der Militärbasis Kweires bei Aleppo im Norden des Landes dauere noch an.

BeirutIm Kampf um einen seit fast zwei Jahren von der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) belagerten Militärstützpunkt hat die syrische Armee dem Staatsfernsehen zufolge einen Etappensieg errungen. Die Soldaten von Präsident Baschar al-Assad drangen demnach am Dienstag zu den Eingeschlossenen vor. Aus Militärkreisen verlautete jedoch, die Sicherung der Basis Kweires bei Aleppo im Norden des Landes dauere noch an.

Unterdessen kamen bei zwei Anschlägen in der Stadt Latakia nach Angaben der Opposition mindestens 23 Menschen ums Leben. Mindestens eine der Explosionen in der Hochburg der Regierungstruppen sei durch eine Rakete ausgelöst worden, berichtete die Syrische Beobachterstelle für Menschenrechte.

Über die Rückeroberung des Militärstützpunktes gab es zunächst widersprüchliche Informationen. Während die Beobachterstelle früh erklärte, Regierungstruppen seien zu den Eingeschlossenen durchgedrungen, war dies in den staatlichen Medien vorerst dementiert worden.

Die Basis liegt östlich von Aleppo und damit in einem Teil des Landes, in dem das Militär mit Unterstützung der russischen Luftwaffe sowie von Kämpfern aus dem Iran und dem Libanon eine Offensive eingeleitet hat. Anfang des Monats hatte die Armee eine wichtige Straße in die Stadt zurückerobert.

Die Pariser Regierung teilte unterdessen mit, französische Kampfjets hätten Ölförderanlagen unter IS-Kontrolle in Ostsyrien angegriffen. So sollten die Extremisten finanziell geschwächt werden, weil sie die Ölvorkommen nicht mehr ausbeuten könnten. In Latakia gehe die zweite Detonation in einem anderen Stadtteil möglicherweise auf einen Sprengsatz zurück, erklärte die Beobachterstelle weiter. Die russische Luftwaffe fliegt von einem Stützpunkt in Latakia aus Angriffe auf Rebellenstellungen.

Sechs Gründe, warum der Bürgerkrieg in Syrien noch nicht beendet ist

Einmischung von außen

Das Regime von Baschar al-Assad hat mit Russland und dem schiitischen Iran mächtige Verbündete im Ausland. Teheran unterstützt Damaskus mit Geld und Kämpfern. Zudem kämpft die libanesische Schiiten-Miliz an der Seite Assads. Aber auch die Rebellen erhalten Geld und Waffen aus dem Ausland, unter anderem aus Saudi-Arabien. So wurde die Krise zu einem regionalen Konflikt. (Quelle: dpa)

Assads Unnachgiebigkeit

Der Präsident sagte am Anfang der Proteste Reformen zu - die nie kamen. Stattdessen brandmarkt sein Regime sämtliche Gegner als „Terroristen“, auch moderatere Oppositionelle. Viele Kritiker des Regimes sitzen in Gefängnissen. Im Kampf ums Überleben setzt die Armee zudem immer wieder sogenannte Fassbomben ein - Metallbehälter, die mit Sprengstoff und Metall gefüllt sind.

Zerstrittene Opposition

Den Regimegegnern ist es bis heute nicht gelungen, sich zu einen und eine gemeinsame Führung zu bilden. Die Exil-Opposition in Istanbul wird zwar international anerkannt, zeigt sich aber immer wieder zerstritten und hat in Syrien kaum Einfluss. Auch mit der Inlandsopposition aus Damaskus konnte sie sich noch immer nicht auf konkrete gemeinsame Ziele einigen.

Konfessionalismus

Längst ist der Bürgerkrieg auch zu einem Konflikt zwischen den Konfessionen geworden. Das Regime wird von Alawiten kontrolliert, einer Nebenlinie des schiitischen Islams. Die Alawiten befürchten blutige Rache, sollte Assad stürzen. Auch viele Christen sehen den Präsidenten als ihren Schutzpatron. In den Reihen der Rebellen kämpfen dagegen vor allem Sunniten.

Politik des Westens

Die USA und Europa lehnen eine militärische Intervention gegen das Assad-Regime ab. US-Präsident Barack Obama drohte zwar für den Fall des Einsatzes von Chemiewaffen durch das Regime in Syrien mit einem Eingreifen, nahm dann aber doch davon Abstand. Der Westen steht politisch zwar an der Seite der moderateren Rebellen, unterstützt diese aber kaum mit Waffen.


Stärke der Extremisten

Als die Krise in Syrien eskalierte, dehnte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus dem Irak ins Nachbarland aus. Jetzt kontrolliert sie dort ein Drittel der Fläche. Andere Teile Syriens stehen unter Herrschaft der Nusra-Front, Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida. Moderate Kräfte sind auf dem Rückzug. Die von den USA unterstützte Harakat Hasm löste sich kürzlich auf.

Russland trieb am Dienstag auch die Syrien-Diplomatie voran. So erklärte die Moskauer Regierung, Außenminister Sergej Lawrow habe mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier telefonisch über den Syrien-Konflikt beraten. Vize-Ressortchef Michail Bogdanow habe zudem in Moskau mit Vertretern der syrischen Opposition und der iranischen Regierung gesprochen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte unterdessen, die von seiner Regierung favorisierte Flugverbotszone in Syrien finde unter den Verbündeten im Kampf gegen den IS immer mehr Anhänger.

Von

rtr

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