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03.01.2014

07:12 Uhr

Bürgerkrieg

In zwei Wochen startet C-Waffen-Zerstörer

Assad hatte der Zerstörung seiner C-Waffen-Bestände zugestimmt. Die Frist zur Entfernung hat er nicht eingehalten. Sorgfalt gehe in dieser heiklen Angelegenheit vor Geschwindigkeit, betonten die USA.

Opfer von Assads Giftgasattacken. In zwei Wochen soll mit der endgültigen Zerstörung der Chemiewaffen begonnen werden. dpa

Opfer von Assads Giftgasattacken. In zwei Wochen soll mit der endgültigen Zerstörung der Chemiewaffen begonnen werden.

PortsmouthDer von den USA zur Zerstörung syrischer Chemiewaffen bereitgestellte Spezialfrachter wird in etwa zwei Wochen Kurs auf das Mittelmeer nehmen. Nach Angaben von US-Regierungsvertretern vom Donnerstag, wird die „MV Cape Ray“ derzeit im Hafen von Portsmouth im US-Bundesstaat Virginia beladen und für die heikle Mission umgebaut.

Das Schiff soll die besonders gefährlichen Bestandteile des syrischen Chemiewaffenarsenals aufnehmen und auf hoher See neutralisieren. Neben den USA beteiligen sich zahlreiche weitere Staaten an dem bislang beispiellosen Vorhaben. Russland stellt Lastwagen und gepanzerte Fahrzeuge, um die 3000 Fässer mit den Kampfstoffen aus allen Teilen Syriens zum Hafen in Latakia zu transportieren. Die Giftstoffe werden dann auf dänischen und norwegischen Schiffen nach Italien gebracht, wo sie auf die „Cape Ray“ umgeladen werden sollen. Wo der US-Frachter während der Vernichtungsarbeiten genau ankern soll, ist noch nicht bekannt. Während der Vernichtung der C-Waffen soll der Frachter von einem chinesischen Kriegsschiff geschützt werden.

Chemische Kampfstoffe

Was sind Chemiewaffen?

Chemische Waffen gehören zu der Kategorie der ABC-Waffen (Atomar, Biologisch, Chemisch). In der Regel sind Chemiewaffen künstlich produzierte Giftstoffe, die fest, flüssig oder gasförmig sein können. Nervengifte wie Sarin und Hautkampfstoffe wie Senfgas werden gezielt zur Tötung oder Verletzung von Menschen eingesetzt. Zumeist werden auch Reizstoffe wie Tränengas dazugezählt.

Chemiewaffenkonvention

Die Chemiewaffenkonvention (CWK) ist ein Übereinkommen von Staaten der Vereinten Nationen, um die Herstellung, Verbreitung und Verwendung chemischer Waffen zu verhindern. Die CWK verbietet den Unterzeichnern, Chemiewaffen herzustellen, zu besitzen und einzusetzen. Reizstoffe wie Tränengas werden allerdings nur geächtet. Die CWK steht in der Tradition des Genfer Protokolls, das bereits 1925 den Einsatz von Giftgas in Kriegen verhindern sollte.

Nicht-Mitglieder der CWK

Israel und Myanmar haben 1993 die Chemiewaffenkonvention zwar unterzeichnet, doch bislang nicht durch ihre Parlamente ratifiziert. Angola, Ägypten, Nordkorea, Südsudan und Syrien haben das Abkommen weder unterschrieben noch ratifiziert.

Die OPCW

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) überwacht die Einhaltung der Chemiewaffenkonvention. Die OPCW wird von den Mitgliedern der Uno finanziert. Der Hauptsitz ist in Den Haag.

Bei der Zerstörung der 1300 Tonnen Kampfstoffe werden bis zu 7,7 Millionen Liter giftiger Substanzen und 800 Tonnen anderer Chemikalien anfallen. Sie sollen von kommerziellen Firmen aufbereitet werden. Insgesamt soll die Zerstörung der syrischen Chemiewaffen bis zum 30. Juni abgeschlossen sein.

Im syrischen Bürgerkrieg wurden nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens fünf Mal Chemiewaffen eingesetzt. Die Regierung in Damaskus hat angesichts der Drohung mit einem US-Militärschlag der Zerstörung seiner Bestände zugestimmt. Allerdings hat sie eine Frist zur Entfernung aller chemischen Kampfstoffe aus den Depots bis zum Jahreswechsel nicht eingehalten. Experten und Regierungsvertreter der USA betonten aber, darüber nicht zu sehr besorgt zu sein. Sorgfalt gehe in dieser heiklen Angelegenheit vor Geschwindigkeit, wurde betont. Der Zeitplan sei sehr ambitioniert.

Von

rtr

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