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01.09.2014

15:28 Uhr

Bürgerkrieg

Israel sähe syrische Grenze lieber in Assads Händen

Israel hält sich aus dem syrischen Bürgerkrieg heraus. Doch Islamisten an der Nordgrenze sorgen für Nervosität. Erzfeind Assad wäre Israel immer noch lieber als die selbsternannten Gotteskrieger.

Ein israelischer Jeep kontrolliert die Grenze zwischen Israel und Syrien. dpa

Ein israelischer Jeep kontrolliert die Grenze zwischen Israel und Syrien.

Madschdal Schams/GolanKaum hat er die ersten Sätze gesprochen, knallt es hinter ihm. Die Explosion hallt durch das Tal in den Golanhöhen, Rauch steigt auf. „Das sind Baschar al-Assads Truppen“, sagt Kobi Marom. Fast kann man sie vom israelischen Gebiet aus sehen, die Soldaten und die Waffen in Syrien, die Kämpfe sowieso. Bis zum Grenzzaun ist es kein Kilometer.

1967 hat Israel die Golanhöhen im Sechstagekrieg erobert und 1973 im Jom-Kippur-Krieg einen syrischen Wiedereroberungsversuch zurückgeschlagen. 1974 schlossen beide Länder einen Waffenstillstand, den UN-Truppen beobachten. Danach war es jahrzehntelang an der syrisch-israelischen Grenze weitgehend ruhig.

Der frühere syrische Machthaber Hafis al-Assad und seit dessen Tod 2000 sein Sohn Baschar forderten das Gebiet zwar zurück, wollten aber keinen weiteren Krieg mit dem hochgerüsteten Israel riskieren. Doch seit der Bürgerkrieg in Syrien tobt, blicken Israelis wie Marom wieder besorgt nach Osten.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Marom ist ehemaliger Oberst der israelischen Armee und Terrorismusexperte. Vergangenen Mittwoch nahmen Rebellen Kunaitra ein, den einzigen Grenzübergang zwischen Israel und Syrien. Er wird nun von der Al-Nusra-Front kontrolliert, einem Ableger des Terrornetzes Al-Kaida. Wenn Marom jetzt an der Grenze zu Syrien entlangfährt, passiert er nicht nur Weinstöcke und israelische Militärstützpunkte, sondern auch die Stellungen der Islamisten auf der anderen Seite des Zauns.

Wer die israelische Armee dieser Tage fragt, ob die Entwicklung das Militär beunruhige, erhält die immer gleiche Antwort: „Wir haben damit gerechnet, dass die Rebellen Kunaitra bald übernehmen - aber Israel ist sicher.“ Aber allen offiziellen Beschwichtigungen zum Trotz berichten israelische Medien, Israel habe die Sicherheitsstufe auf den Golanhöhen hochgesetzt. Die Erfolge der Aufständischen machen die Militärs offenbar nervöser, als sie zugeben.

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