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23.03.2014

16:08 Uhr

Bürgerkrieg

Türkei schießt syrisches Kampfflugzeug ab

Die türkische Luftabwehr hat an der Grenze zu Syrien ein syrisches Kampfflugzeug abgeschossen. Die Maschine soll den türkischen Luftraum verletzt haben. Ministerpräsident Erdogan beglückwünschte die Militärführung.

Im Zuge des Bürgerkriegs in Syrien ist es in den vergangenen Jahren im Grenzgebiet immer wieder – wie hier im Oktober 2012 – zu feindseligen Zwischenfällen gekommen. dpa

Im Zuge des Bürgerkriegs in Syrien ist es in den vergangenen Jahren im Grenzgebiet immer wieder – wie hier im Oktober 2012 – zu feindseligen Zwischenfällen gekommen.

IstanbulDas türkische Militär hat am Sonntag an der südlichen Grenze des Landes ein syrisches Kampfflugzeug abgeschossen. Das hat Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntag bestätigt. Nach Angaben türkischer Behörden ist die Maschine auf syrischem Gebiet westlich der Grenzstadt Kasab niedergegangen. Sie soll zuvor den türkischen Luftraum verletzt haben. „Wenn man meinen Luftraum verletzt, wird unser Schlag danach hart ausfallen“, sagte Erdogan während einer Wahlkampfveranstaltung vor den Kommunalwahlen. Er beglückwünschte die Militärführung.

Auch Präsident Abdullah Gül gratulierte Generalstabschef Necdet Özel in einem Telefonat. „Die Türkei habe ihre Entschlossenheit demonstriert, ihre Grenze zu schützen“, zitierten Medienberichte Gül. Parlamentspräsident Cemil Cicek erklärte, die Türkei habe von ihrem Recht gemäß internationalen Normen Gebrauch gemacht. Türkische Medien berichteten, die Armee habe die Piloten von zwei syrischen Kampfjets, die sich der Grenze genähert hätten, aufgefordert abzudrehen. Einer der Piloten habe die Warnung jedoch ignoriert. Daraufhin seien türkische F-16-Kampfjets aufgestiegen und es sei zu dem Abschuss gekommen.

Syrien sprach von einer „eklatanten Aggression“ der Türkei. Einem syrischen TV-Bericht zufolge konnte sich der Pilot mit dem Schleudersitz retten. Die Maschine habe Angriffe auf Rebellen in der syrischen Provinz Latakia geflogen, die einen Grenzposten hätten einnehmen wollen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit. „Die Maschine fing Feuer, bevor sie auf syrischem Gebiet niederging.“

Chemische Kampfstoffe

Was sind Chemiewaffen?

Chemische Waffen gehören zu der Kategorie der ABC-Waffen (Atomar, Biologisch, Chemisch). In der Regel sind Chemiewaffen künstlich produzierte Giftstoffe, die fest, flüssig oder gasförmig sein können. Nervengifte wie Sarin und Hautkampfstoffe wie Senfgas werden gezielt zur Tötung oder Verletzung von Menschen eingesetzt. Zumeist werden auch Reizstoffe wie Tränengas dazugezählt.

Chemiewaffenkonvention

Die Chemiewaffenkonvention (CWK) ist ein Übereinkommen von Staaten der Vereinten Nationen, um die Herstellung, Verbreitung und Verwendung chemischer Waffen zu verhindern. Die CWK verbietet den Unterzeichnern, Chemiewaffen herzustellen, zu besitzen und einzusetzen. Reizstoffe wie Tränengas werden allerdings nur geächtet. Die CWK steht in der Tradition des Genfer Protokolls, das bereits 1925 den Einsatz von Giftgas in Kriegen verhindern sollte.

Nicht-Mitglieder der CWK

Israel und Myanmar haben 1993 die Chemiewaffenkonvention zwar unterzeichnet, doch bislang nicht durch ihre Parlamente ratifiziert. Angola, Ägypten, Nordkorea, Südsudan und Syrien haben das Abkommen weder unterschrieben noch ratifiziert.

Die OPCW

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) überwacht die Einhaltung der Chemiewaffenkonvention. Die OPCW wird von den Mitgliedern der Uno finanziert. Der Hauptsitz ist in Den Haag.

Auf syrischer Seite hatten Rebellen in dem Gebiet in der vergangenen Woche den letzten Grenzübergang zur Türkei eingenommen, der noch von den Regierungstruppen kontrolliert worden war. Nach Berichten von Revolutionsaktivisten war an den Kämpfen in Kasab auch die Al-Nusra Front beteiligt, die von westlichen Geheimdiensten als Terrororganisation eingestuft wird.

Offenbar dauerten die Kämpfe zwischen syrischen Regierungstruppen und Rebellen um einen Grenzposten bei Kassab an der syrisch-türkischen Grenze am Sonntag an. Die Syrische Beobachtungsstelle stützt sich bei ihren Angaben auf ein Netzwerk von Informanten in Syriern; ihre Veröffentlichungen sind von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Im Zuge des Bürgerkriegs in Syrien war es in den vergangenen Jahren im Grenzgebiet immer wieder zu feindseligen Zwischenfällen zwischen der türkischen und der syrischen Luftwaffe gekommen. Mitte Oktober 2012 drängte ein türkisches Kampfflugzeug einen syrischen Kampfhubschrauber ab, der sich der Grenze genähert hatte, um Rebellenstellungen zu attackieren; im Juni desselben Jahres schoss Syrien einen türkischen Kampfjet im syrischen Luftraum über dem Mittelmeer ab.

Wegen einer möglichen Bedrohung durch Luftangriffe und Beschuss aus Syrien hat die Nato auf Bitten Ankaras Patriot-Luftabwehrsysteme in der Türkei stationiert. An dem Einsatz ist neben den USA und den Niederlanden auch Deutschland mit bis zu 400 Bundeswehrsoldaten beteiligt.

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