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02.10.2011

12:54 Uhr

„Bürokratischer Albtraum“

Dänemark führt Fettsteuer ein

Die Dänen müssen für gesundheitsschädliches Fett in ihren Lebensmitteln ab sofort tiefer in die Tasche greifen. Die Industrie klagt über Bürokratie, die Bürger reagierten mit Hamsterkäufen.

Der beherzte Biss in einen Hamburger ist für die Dänen ab sofort teurer. dpa

Der beherzte Biss in einen Hamburger ist für die Dänen ab sofort teurer.

KopenhagenAls erstes Land der Welt hat Dänemark eine Steuer auf Fette in Nahrungsmitteln eingeführt. Egal, ob sie in Butter, Milch, Fleisch, Pizzen oder Fertiggerichten stecken - seit Samstag werden pro Kilogramm gesättigte Fettsäuren 16 Kronen (2,15 Euro) fällig. Damit wird zum Beispiel ein Paket Butter um 2,60 Kronen und ein Kilo Schweinehackfleisch um 1,30 Kronen teurer. Die Maßnahme soll die Bevölkerung des Landes davon abhalten, zu viel der als ungesund verschrieenen Fette zu essen. Die Dänen reagierten mit Hamstereinkäufen, während der dänische Industrieverband einen „bürokratischen Albtraum“ beklagt.

„Wir mussten unsere Lager mit tonnenweise Butter und Margarine auffüllen, um unsere Kunden bedienen zu können“, sagte Sören Jörgensen vom Molkerei-Konzern Arla. Christian Jensen, Leiter eines Supermarktes in der Hauptstadt Kopenhagen, sprach von einer „chaotischen“ Woche: „Es gab viele leere Regale. Die Leute haben ihre Tiefkühltruhen gefüllt.“ Auswirkungen auf das Konsumentenverhalten durch die Steuer erwartet Jensen aber nicht. „Wenn die Leute einen Kuchen kaufen wollen, dann kaufen sie ihn.“

Eine Sprecherin des dänischen Industrieverbandes sprach von einem komplizierten System, das den Lebensmittelproduzenten viel Arbeit bereite. Zumal nicht nur das Fett in den Lebensmitteln selbst ermittelt werden müsse, sondern auch das bei der Zubereitung benutzte Fett, etwa Frittieröl. Für alle Lebensmittel müssten nun neue Preise berechnet werden, die Kosten trage letztlich der Verbraucher.

Die Verbraucher hatten in der letzten Septemberwoche mit Hamsterkäufen bei betroffenen Produkten aller Art, darunter vor allem Butter, reagiert. Die Zeitung „Politiken“ berichtete am Wochenende von überraschenden Umsatzsteigerungen um mehr als 60 Prozent bei Mürbeteig-Tortenböden.

Dänemarks Parlament hatte die Einführung der Fettsteuer auf Initiative einer Gesundheits-Kommission eingeführt, um die Bevölkerung zum Kauf weniger fetthaltiger Produkte zu animieren. Die betroffenen Produkte würden im Durchschnitt um zehn Prozent teurer werden, hieß es aus der Branche weiter. Für die leere dänische Staatskasse werden Mehreinnahmen von 1,5 Milliarden Kronen pro Jahr erwartet.

Auch in der EU hat die Politik Maßnahmen gegen die Fettleibigkeit beschlossen. Auf Verpackungen von Lebensmitteln und Getränken müssen ab 2014 Angaben zu Fett, Zucker, Salz, Kohlenhydraten sowie der Kaloriengehalt stehen. Die EU-Minister haben am Donnerstag in Brüssel einstimmig neue Regeln zur Kennzeichnung beschlossen - nach drei Jahren Debatten über das Thema.

Kommentare (3)

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Petra

02.10.2011, 13:18 Uhr

Politiker sind nie verlegen neue Steuern zu begründen. Letztendlich sollen doch nur die Staatseinnahmen vergrößert werden. Dies gilt natürlich auch für unsere Deutschen Politiker! Wann wurde zuletzt eine Steuer abgeschafft? Sogar die Steuer zur Finanzierung des Kaiser-Wilhelm-Kanals und der der kaiserlichen Kriegsflotte von 1902 gibt es noch - Die Sekt- oder Schaumweinsteuer!

markus88

02.10.2011, 13:30 Uhr

SEHR GUT ! was uns die Lebensmittelindustrie an MINDERwertigen Fetten (vor allem PALMOEL und Schweinefette = regelrechtes GIFT für die Herzkranzgefässe) in bald jedes Lebensmittel beimischt (Margarine, Kuchen, Brote, Schokolade, Kartoffelchips, gar Joghurt, usf.) ist schon fast kriminell.
Nur die massivste Besteuerung dieses Lebensmittelramsches bringt die Hersteller zur Vernunft!

Account gelöscht!

02.10.2011, 13:58 Uhr

>Wann wurde zuletzt eine Steuer abgeschafft?

Notopfer Berlin für natürliche Personen (30.09.1956) und für Körperschaften (31.12.1957); Baulandsteuer (31.12.1962); Wertpapiersteuer (31.12.1964); Süßstoffsteuer (31.12.1965); Beförderungsteuer (31.12.1967); Speiseeissteuer (31.12.1971); Kreditgewinnabgabe (31.12.1973); Ergänzungsabgabe zur Einkommensteuer (31.12.1974) und zur Körperschaftsteuer (31.12.1976); Vermögensabgabe (31.03.1979); Hypothekengewinnabgabe und Lohnsummensteuer (31.12.1979); Essigsäure-, Spielkarten- und Zündwarensteuer (31.12.1980); Zündwarenmonopol (15.01.1983); Kuponsteuer (31.07.1984); Börsenumsatzsteuer (31.12.1990); Gesellschaft- und Wechselsteuer (31.12.1991); Solidaritätszuschlag (30.06.1992); Leuchtmittel-, Salz-, Zucker- und Teesteuer (31.12.1992); Vermögensteuer (31.12.1996); Gewerbe(kapital)steuer (31.12.1997).

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