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30.12.2013

13:57 Uhr

Bulgaren und Rumänen

Die Völkerwanderung fällt aus

Bulgaren und Rumänen brauchen ab 1. Januar keine Arbeitserlaubnis mehr für Deutschland. Nun sorgen sich Städte und CSU vor einem Ansturm von Armutszuwanderern. Doch noch ist keine größere Auswanderungswelle erkennbar.

Ein polnischer Arbeiter auf eine Baustelle in Hessen: Befürchtungen über massenhafte Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme bei der ersten Freizügigkeitsregelung für die acht mittel- und osteuropäische Mitgliedstaaten haben sich nicht bewahrheitet. dpa

Ein polnischer Arbeiter auf eine Baustelle in Hessen: Befürchtungen über massenhafte Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme bei der ersten Freizügigkeitsregelung für die acht mittel- und osteuropäische Mitgliedstaaten haben sich nicht bewahrheitet.

BerlinZum Jahreswechsel fallen für Bulgaren und Rumänen die letzten Job-Schranken in der EU: Dann öffnet sich der deutsche Arbeitsmarkt auch für sie. Eine Arbeitserlaubnis ist dann nicht mehr nötig, um nach Deutschland kommen zu können. Noch ist unklar, wie viele das sein werden. Experten erwarten keine Völkerwanderung, wohl aber Zuzug im sechsstelligen Bereich. Die CSU macht im Vorfeld bereits Front gegen Armutszuwanderung.

Bulgarien und Rumänien sind seit 2007 EU-Mitglieder. Seitdem steigt in Deutschland kontinuierlich der Zuzug aus diesen Ländern. Im September arbeiteten schon 160.000 Bulgaren und Rumänen in Deutschland, 126.000 davon in sozialversicherten Jobs. Von 2014 an werden jährlich zwischen 100.000 und 180.000 Zuwanderer aus den beiden Ländern erwartet, schätzen die Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

Risiken sehen sie in der geringen Qualifikation der Zugewanderten aus den beiden Ländern. So haben nach einer gerade veröffentlichten IAB-Studie zwar 21 Prozent einen Hochschulabschluss und 33 Prozent eine Berufsausbildung, aber zugleich 46 Prozent keine Qualifikation. Rumänen und Bulgaren finden denn auch häufig Jobs nur im weniger attraktiven Dienstleistungssektor, in der Gastronomie zum Beispiel oder als Erntehelfer.

Reiche in Deutschland

Ab wann gilt man als reich?

Eine Definition für Reichtum gibt es nicht. Auch ist dies - wie so vieles - relativ. Der Durchschnittsverdienst eines Arbeitnehmers liegt in Deutschland bei rund 30.000 Euro. Die Hälfte der 26,6 Millionen Steuerpflichtigen hatte nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2007 Einkünfte von bis zu 29.000 Euro, 10 Prozent erhielten mehr als rund 73.400 Euro, aber nur ein Prozent mehr als 206.000 Euro.

Wie ist die Vermögensverteilung?

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht von einem Nettovermögen in Deutschland von 9,3 Billionen Euro. Das umfasst Immobilien, Geldvermögen, Versicherungen, Betriebsvermögen oder auch Vermögen in Form wertvoller Sammlungen. Dieses Vermögen ist in Deutschland ungleich verteilt. So besitzen 10 Prozent der Bevölkerung nach Angaben des DIW gut 66 Prozent des Gesamtvermögens. Ein Prozent der Bevölkerung verfügt über mehr als ein Drittel des gesamten Vermögens.

Wie viele Millionäre und Milliardäre gibt es in Deutschland?

Nach Angaben des „Manager Magazins“ gibt es in Deutschland gut 100 Milliardäre - sowohl Einzelpersonen als auch Familien. Angeführt wird die Liste der Superreichen von Aldi-Gründer Karl Albrecht.

Trotz Wirtschaftskrise und Börsenturbulenzen ist auch die Zahl der Deutschen, die über ein Nettovermögen von einer Million Euro und mehr verfügen deutlich gestiegen. Der D.A.CH-Vermögensreport 2012 gibt die Zahl der Euro-Millionäre in Deutschland mit 826.000 an.

Wie sieht es mit „Einkommensmillionären“ aus?

Laut Statistischem Bundesamt gab es im Jahr 2007 insgesamt 16.681 Steuerzahler mit Einkünften von einer Million Euro oder mehr. Die meisten kamen aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg.

Wer zahlt Steuern?

Auf das oberste Zehntel der Einkommensbezieher entfielen 2007 fast 55 Prozent des gesamten Steueraufkommens. Fast ein Viertel (23,9) des Aufkommens ging auf die 1 Prozent Einkommensreichsten zurück. Dagegen zahlt die untere Hälfte nur sieben Prozent des Steueraufkommens.

Werden Reiche künftig stärker besteuert?

Wenn es nach SPD, Grünen, Linken und Gewerkschaften geht: Ja. Es geht vor allem um einen höheren Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer und eine Rückkehr zur Vermögensteuer, die Ende 1996 in Deutschland ausgesetzt wurde. Zurzeit liegt der Spitzensteuersatz bei 42 Prozent, er gilt ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.882 Euro. Hinzu kommt die „Reichensteuer“ von 45 Prozent ab 250.001 Euro (Ledige). Die Sätze könnten angehoben werden oder früher greifen.

Die Arbeitslosenquoten der bislang zugewanderten Bulgaren und Rumänen liegen freilich durchweg unter jenen der anderen Ausländergruppen. Vor Ausbruch der Wirtschaftskrise zog es 80 Prozent der bulgarischen und rumänischen Auswanderer nach Spanien und Italien. Seit es dort bergab geht, wird Deutschland für sie attraktiver. Experten sprechen von einem „Umlenkungseffekt“.

Doch in Bulgarien selbst ist keine größere Auswanderungswelle erkennbar – Arbeitnehmerfreizügigkeit hin oder her. Im Fernsehen und im Rundfunk des Balkanlandes gibt es weder Werbespots für Arbeitsvermittler noch Tipps für künftige Arbeitnehmer im Ausland. Soziologen ermittelten aber, dass „in naher Zukunft“ etwa 200.000 Bulgaren einen besser bezahlten Job in anderen EU-Ländern suchen könnten. Bevorzugte Ziele für mögliche Arbeitsmigranten sind Deutschland und Großbritannien.

Laut einer Umfrage vom Dezember interessieren sich 6,7 Prozent der volljährigen Bulgaren dafür, ab 1. Januar in einem anderen EU-Land zu arbeiten. Etwa die Hälfte werden ihre Absicht voraussichtlich auch verwirklichen, erwartet das Forschungsinstitut Alpha Research in Sofia. Hintergrund sei demnach das „ungünstige Umfeld und das Fehlen von persönlichen Perspektiven“ in Bulgarien.

Die Gewerkschaften riefen die Arbeitgeber auf, die Gehälter von hoch qualifizieren Mitarbeitern zu erhöhen, damit diese nach der kompletten Öffnung des EU-Arbeitsmarktes in Bulgarien bleiben. In dem ärmsten EU-Land sind die Gehälter etwa von Ärzten oder Ingenieuren deutlich niedriger als in den alten EU-Staaten.

Arbeitsminister Hassan Ademow sieht dennoch „keine Gefahr, dass Bulgaren den Arbeitsmarkt der alten EU-Staaten überfluten werden“. „Wir teilen nicht die Befürchtungen, dass es eine derart gewaltige (Immigrations-)Welle geben wird, wie auf der Insel (Großbritannien) befürchtet wird“, erklärte Regierungschef Plamen Orescharski im Parlament in Sofia. Ex-König Simeon II. schrieb auf seiner Webseite: „Die Hysterie stützt sich auf Spekulationen und willkürlichen Analysen.“ Die apokalyptischen Szenarien hätten eine „politische Färbung und rein populistische Ziele“.

Kommentare (55)

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30.12.2013, 14:26 Uhr

Zitat : Experten erwarten keine Völkerwanderung, wohl aber Zuzug im sechsstelligen Bereich.

- auch die Zahl 999.999 ist eine Zahl im sechsstelligen Bereich.

Account gelöscht!

30.12.2013, 14:34 Uhr


Zitat : So haben nach einer gerade veröffentlichten IAB-Studie zwar 21 Prozent einen Hochschulabschluss und 33 Prozent eine Berufsausbildung

diese Fachkräfte mit Hochschul- bzw. Berufsausbildung sind OHNE DEUTSCHKENNTNISSE genau so viel Wert,

wie die nutzlosen Windmühlen bei Windstille bei der Energiewende !

Ich will mich bei keinem rumänischen Arzt verarzten lassen, der mich nicht versteht !

Abscheulich, diese Irreführung mit diesen Fachkräften !




Account gelöscht!

30.12.2013, 14:38 Uhr

Völkerwanderung fällt aus!
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Es gibt Bulgaren und Rumänen, die sind durchaus hoch qualifiziert. Es sind Ärzte, Anwälte, Ingenieure, etc.
ABER: Es gibt auch die Sinti und Roma. Diese leben in Clans, sind nicht integrationswillig und selbst in ihrer Heimat unbeliebt. Sie sind bildungsfern und schicken ihre Kinder auch nicht in die Schule.

Letztere haben schon den Koffer gepackt, um ins "gelobte Land" einzureisen.

Erstere gehen, wenn überhaupt, eher nach GB, NE, S, USA, Kanada, etc. Auch in ihrer Heimat führen sie ein gutes Leben.

Jetzt aber kommen Letztgenannte zu 100.000te ins Land.
Ihre einschlägigen "Qualifikationen" kennen wir. Es aber zu schreiben wäre "politically incorrect".
Und was sagen unsere Eurokraten dazu? Das ist eine "Kulturbereicherung" und ein Plus für die Völkerverständigung.
Als Vorbild wird hier "La Grande Nation", Italien, Spanien, die Schweiz und England genannt!

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