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06.01.2006

13:14 Uhr

Bulgarien wehrt sich

Gazprom bricht neuen Konflikt vom Zaun

Nur wenige Tage nach Beilegung des russisch-ukrainischen Gas-Streits steht in Osteuropa ein neuer Konflikt über von Russland geforderte Preisanhebungen an. Bulgarien weigert sich, die Preisvorstellungen des russischen Versorgers Gazprom zu akzeptieren, und hat dafür einen ähnlichen Joker in der Hinterhand wie Kiew.

Gazprom-Zentrale in Moskau. Foto: dpa

Gazprom-Zentrale in Moskau. Foto: dpa

HB SOFIA/MOSKAU. Die von Gazprom verlangte Vertrags-Änderung sei für Bulgarien nicht akzeptabel, sagte eine Sprecherin des Energieministeriums in Sofia. Zwischen beiden Ländern gibt es nach bulgarischen Angaben einen bis 2010 gültigen Liefer-Vertrag.

Bulgarien bezieht einen Großteil seines Gases vom weltgrößten Gasversorger Gazprom. Durch das Land laufen auch die Leitungen, die die Türkei, Griechenland und Mazedonien mit russischem Erdgas versorgen. Gazprom verrechnet dafür eigentlich zu zahlende Durchleitungsgebühren mit der Gas-Rechnung an Bulgarien und berechnet Sofia einen Sonderpreis. Nun will Gazprom nach bulgarischen Angaben die Preise auf „marktübliches Niveau“ anheben und im Gegenzug die Gebühr für die Durchleitung in Bar bezahlen.

Nach Angaben des bulgarischen Energieministeriums kostet unter den derzeitigen Bedingungen geliefertes Gas etwa 83 Dollar pro 1000 Kubikmeter. Außerhalb dieses Vertrages zugekauftes Gas koste indes 257 Dollar. Bulgarien deckt seinen Energiebedarf zum Großteil über Atomkraft und Kohlekraftwerke ab und hat deshalb zwischen Januar und November 2005 nur moderate 2,73 Milliarden Kubikmeter Erdgas verbraucht. Durch die Leitungen über bulgarisches Gebiet strömen aber 14 Milliarden Kubikmeter in die Nachbarländer, wobei Griechenland darüber 50 Prozent, die Türkei 60 Prozent und Mazedonien seinen kompletten Gas-Bedarf deckt.

Erst am Mittwoch hatten Russland und die Ukraine auch unter internationalem Druck ihren Streit um höhere Preise beigelegt. Zuvor hatte Gazprom der Ukraine zeitweise das Gas abgedreht, was auch in vielen Ländern Europas zu Lieferausfällen geführt hatte.

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