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21.01.2005

08:03 Uhr

Bundespräsident hofft auf langfristige Hilfsbereitschaft

Schmucklos nüchterne Gedenkstunde

VonRüdiger Scheidges

Ein leerer schwarzer Stuhl geschmückt mit einem Strauß Gerbera und weißen Rosen. Zwischen dem Bundespräsidenten und dem Bundeskanzler steht er im Plenum und symbolisiert die Tausenden von Toten und Vermissten. Angehörige von deutschen Opfern wandeln in Trauerflor durch die Gänge des Reichstags. Serenaden von Richard Strauß und Wolfgang Amadeus Mozart erklingen.

HB BERLIN.Das Parlament hält für eine Stunde seine Routine an. Es vergisst den Zank, um die Nebentätigkeiten und die Energiepolitik. Gemeinsam mit den Botschaftern der vom Seebeben im Dezember heimgesuchten Länder gedenkt das Parlament der Opfer der Flutkatastrophe, des Tsunami in Asien.

Bundespräsident Horst Köhler spricht den Familien und Freunden der Opfer sein Mitgefühl und das der Deutschen aus. Mit leisen Worten spricht er, Pathos vermeidet er. Nur das hektische Klicken der Kameras durchschneidet die getragene Atmosphäre im Reichstag.

„Wenn es darauf ankommt, helfen die Menschen in Deutschland“, sagt der Bundespräsident, erinnert an die Sturmflut in Hamburg 1962, an das Elbhochwasser 2002 und an die Zeiten des Bürgerkriegs in Polen 1981/82, als viele Deutsche Hilfspakete über den Eisernen Vorhang schickten. Köhler beschwört die „eine“ Welt, in der alle nun leben. Die mache abhängig. „Wichtig erscheint mir vor allem das Ergebnis – das tätige Zusammenstehen der Menschen aus allen Nationen. Wir sehen unsere Welt neu, wir entdecken Partnerschaften mit entfernten Regionen, wir schöpfen so neue Kraft zum Handeln.“

Schmucklos nüchtern zieht die Gedenkstunde vorbei. Sie soll ein Staatsakt sein. Die Anwesenheit der Verfassungsorgane, der Bundesminister und Ministerpräsidenten der Länder, der Bundeswehr und zahlreicher Diplomaten aus dem Ausland bestätigt das. Es ist ein kleines Gedenken angesichts einer gigantischen Katastrophe, der weit mehr als 220 000 Menschen zum Opfer fielen.

Bewusst klein, ja demütig soll der Staatsakt daherkommen. Auch wenn noch 581 Deutsche vermisst werden und nur 60 identifiziert sind: Die Deutschen sind nicht die Hauptbetroffenen, und sie sollen jetzt, hier im Reichstag, nicht künstlich in den Vordergrund gestellt werden. „Überall auf der Welt gibt es Menschen in Not – sei es durch Naturkatastrophen wie jetzt im Indischen Ozean, sei es durch Armut, Krieg und Aids wie in Afrika. Wann, wenn nicht jetzt, werden wir die Kraft finden, unser Handeln als Weltinnenpolitik zu verstehen?“ fragt der Bundespräsident.

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