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07.05.2017

18:11 Uhr

Bundespräsident in Israel

Steinmeiers kritischer Besuch

Bundespräsident Steinmeier muss in Israel dafür sorgen, dass die Beziehungen nicht noch schlechter werden. Trotzdem findet er auch kritische Worte. Von Außenminister Gabriel will er sich nicht distanzieren.

Der Bundespräsident ist im nahen Osten auf schwieriger Mission. dpa

Frank-Walter Steinmeier in Israel

Der Bundespräsident ist im nahen Osten auf schwieriger Mission.

JerusalemDas erste, das heitere Gesicht der deutsch-israelischen Beziehungen wird am späten Samstagabend sichtbar. Gemeinsam mit Präsident Reuven Rivlin läuft Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier über den Mahane Yehuda Markt in der Jerusalemer Altstadt. Eine Bar neben der anderen, wo tagsüber Obst und Gemüse verkauft werden prangt Graffiti-Kunst an Rollläden, deutsche und israelische Jugendliche in Partystimmung. Wer ist das, um den sich da die Kameras drängen? „Bestimmt irgendein Schauspieler“, sagt ein junger Typ mit Bierglas in der Hand.

Locker sollte das wirken, fast vergnügt, wie Steinmeier da zusammen mit seiner Frau Elke Büdenbender und seinem Gastgeber durch die engen Gassen geht. Was für ein Gegensatz zu den Spannungen, die das deutsch-israelische Verhältnis zuletzt vor allem ausgemacht haben. Doch davon später.

Am Sonntagvormittag erleben die Gäste aus Deutschland das dunkle, das beklemmende Gesicht der deutsch-israelischen Beziehung. In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem schreibt Steinmeier ins Gästebuch: „Unfassbare Schuld haben wir Deutsche auf uns geladen“. Die Delegation hat eben das Mahnmal für die ermordeten Kinder durchquert und einen Kranz niedergelegt.

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Dabei sind Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, die einmal in dieser Position war, Verlegerwitwe Friede Springer. Auch diejenigen, die nicht zum ersten Mal hier sind, kämpfen mit ihren Emotionen. Elke Büdenbender gelingt es nicht, ihre Tränen zurückzuhalten.

Dann kommen die politischen Gespräche; nach dem Eklat beim Besuch von Außenminister Sigmar Gabriel erscheint hier ein drittes, ziemlich kompliziertes Bild des Zustands der Beziehungen, die alle gerne „besonders“ nennen. Noch einmal trifft Steinmeier Rivlin, der gilt als jovialer Mann - zwar auch stramm konservativ, aber er hat gute, auch persönliche Beziehungen zu den Palästinensern. Mit ihm kann man offen reden.

Vorsichtig, aber unmissverständlich kritisiert Steinmeier die Gesprächsabsage von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, der Gabriel nach dessen Treffen mit zwei regierungskritischen Gruppen ausgeladen hatte. Solche Auflagen und Beschränkungen der Gesprächspartner gefährdeten das einzigartige Verhältnis beider Länder, sagt Steinmeier. Er selbst trifft Netanjahu später.

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