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02.04.2013

16:40 Uhr

Bundeswehr dabei

EU-Soldaten beginnen Ausbildungsmission in Mali

Der Norden Malis kommt nicht zur Ruhe, der Kampf gegen die Rebellen bleibt schwierig. Nun sollen europäische Militärausbilder die malische Armee trainieren. Auch die Bundeswehr beteiligt sich daran.

Soldaten in einem Armeestützpunkt in Mali: Hunderte Soldaten aus der EU haben ihre Ausbildungsmission begonnen. Reuters

Soldaten in einem Armeestützpunkt in Mali: Hunderte Soldaten aus der EU haben ihre Ausbildungsmission begonnen.

Bamako/BrüsselMehrere Hundert Soldaten aus der Europäischen Union haben in Mali ihre Ausbildungsmission für die Streitkräfte des westafrikanischen Krisenlandes aufgenommen. Die Bundeswehr beteiligt sich mit 80 Soldaten an dem Einsatz, vor allem mit Ausbildern einer Pioniereinheit und Sanitätssoldaten. Laut EU-Kommission machen 22 europäische Nationen mit.

Während des zunächst auf 15 Monate befristeten Einsatzes sollen knapp 3000 Soldaten trainiert werden, etwa die Hälfte der malischen Armee. Sie werden in vier Gruppen jeweils in einem Militärcamp in Koulikoro stationiert, rund 60 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako. Jedes Training dauert etwa zweieinhalb Monate, einige Zeit später wird dann bei einer Inspektion der Erfolg noch einmal überprüft. Das erste Bataillon umfasst 670 malische Soldaten und soll im Juli kampfbereit sein.

Was in Mali auf dem Spiel steht

Wieso schreitet die alte Kolonialmacht Frankreich erst jetzt ein?

Frankreich hat in den vergangenen Monaten wiederholt die USA und die UN zum Eingreifen im Norden Malis bewegen wollen, allerdings mit wenig Erfolg. Bei allen Handlungen muss Paris auch immer das Schicksal der französischen Geiseln in der Hand von Islamisten in Afrika berücksichtigen. Es geht auch um Wirtschaftsinteressen. Der Vormarsch der Islamisten auf die strategisch wichtige Stadt Mopti zwang Paris zum Handeln. Seit langem sieht Frankreich seinen Einfluss in der Sahelzone, drei Flugstunden südlich von Europa, in Gefahr. Der Terror dort könnte auf Frankreich selbst übergreifen, weil viele der Gotteskrieger französisch sprechen und Verwandte im Land haben.

Aus welchen Kräften setzt sich die Dreier-Allianz der islamistischen Rebellen im Norden Malis zusammen?

Die Kämpfer der Terrororganisation Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQM) gelten als Anführer. Sie sollen durch Drogenschmuggel und Lösegelder für entführte Ausländer über Dutzende Millionen Dollar verfügen. Geheimdiensten zufolge haben die Islamisten insgesamt 6000 ausgebildete Kämpfer in Nordmali, darunter Dschihadisten aus Ägypten, dem Sudan und anderen Staaten. In den Reihen der Islamisten kämpfen auch Männer des nordmalischen Volks der Tuareg. Sie nennen sich Ansar Dine. An ihrer Seite steht die „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (MUJAO), die ebenfalls die Scharia durchzusetzen will.

Wieso droht ausgerechnet Mali zum „zweiten Afghanistan“ werden?

Mali galt lange als einer der wenigen demokratischen Musterstaaten Afrikas. Nach einem Militärputsch in der im Süden gelegenen Hauptstadt Bamako im März 2012 eroberten Tuareg-Kämpfer gemeinsam mit Islamistengruppen den Norden Malis. In Timbuktu, wo Moscheen, Mausoleen und Friedhöfe zum Weltkulturerbe gehören, ließen die Islamisten mehrere historische Heiligtümer zerstören. Experten fürchten, dass der riesige Norden Malis ohne staatliche Kontrolle ebenso wie Afghanistan unter den Taliban zu einer Brutstätte für islamistische Terrornetzwerke wird. Auch in Afghanistan wurde die Weltöffentlichkeit erst durch die Zerstörung von Kulturgütern auf den Konflikt aufmerksam.

Afrika-Kenner schreiben, der Konflikt in Mali sei eine späte Rache des ermordeten libyschen Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi. Wie hängt das zusammen?

Der libysche Diktator hatte kampferprobte Tuareg-Männer aus dem benachbarten Nordmali für seine Streitkräfte rekrutiert. Nach Gaddafis Sturz kehrten viele mit modernen Waffen in die Heimat zurück. Dort verschafften sie den Aufständischen die entscheidende Schlagkraft im Kampf gegen die Zentralregierung im Süden.

Hat die internationale Staatengemeinschaft zu lange die Entwicklungen in Mali ignoriert?

Die dramatische Entwicklung ist eine Katastrophe mit Ankündigung. Über Monate warnten Frankreich, die USA und auch die Vereinten Nationen wechselseitig vor den Gotteskriegern aus Nordmali. Doch aus Sicht der Interimsregierung passierte viel zu wenig. Alarmiert von den jüngsten Vorstößen der Islamisten rief der Weltsicherheitsrat am Freitag dazu auf, die afrikanisch geführte Unterstützungsmission Afisma müsse schneller in Gang gesetzt werden. Dabei war die Entsendung schon Wochen vorher beschlossen worden. Ein Hindernis war bislang, dass es in Mali Vorbehalte gegen den Einmarsch von Soldaten aus Nachbarstaaten gab. Zudem wurde befürchtet, dass der Konflikt sich auch auf andere Länder der Region ausweiten könnte.

Kann es sein, dass deutsche Soldaten bald Seite an Seite mit den Franzosen in Mali kämpfen werden?

Deutschland schließt einen Kampfeinsatz der Bundeswehr in dem westafrikanischen Krisenstaat derzeit aus. Die Europäische Union plant seit längerem, etwa 200 Militärberater zu entsenden. Sie sollen malische Soldaten auf den Kampf gegen Rebellen vorbereiten. Auch Bundeswehrsoldaten dürften bei der Ausbildung mit dabei sein. Bisher war geplant, die Ausbilder innerhalb der ersten drei Monate dieses Jahres nach Mali zu schicken. Nach den jüngsten Entwicklungen hat die EU angekündigt, die Militärausbilder schneller zu entsenden. Quelle: dpa

Die Mission habe am Morgen wie geplant begonnen, bestätigte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton am Dienstag in Brüssel. „Das Ziel lautet, die malischen Truppen auszubilden, damit sie in Zukunft ihr eigenes Land verteidigen können.“ Zudem solle die Armee zur politischen Versöhnung beitragen. Im Juli sind in Mali Wahlen geplant, die im vergangenen Jahr wegen eines Militärputsches im März 2012 verschoben werden mussten.

Die EU-Militärausbilder sollen die afrikanischen Soldaten schulen und für den Kampf gegen islamistische Extremisten im Norden des Landes ausbilden. Neben technischen Kursen über den Umgang mit Waffen und die Ausführung von Militärmanövern geht es auch um Themen wie humanitäres Völkerrecht und Schutz der Zivilbevölkerung. Insgesamt schickt die EU rund 550 Soldaten - davon etwa 250 Ausbilder, die von weiteren Einheiten geschützt werden. Die europäischen Truppen haben keinen Kampfauftrag.

De Maizière sichert Mali Unterstützung zu

Video: De Maizière sichert Mali Unterstützung zu

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Die EU-Außenminister hatten Mitte Februar die Trainingsmission (EUTM Mali) beschlossen. Die Kosten belaufen sich nach EU-Angaben auf 12,3 Millionen Euro. Kommandeur der Mission ist der französische General François Lecointre. Er hatte in der vergangenen Woche gesagt, dass sich die malische Armee in einem extrem schlechten Zustand befinde: „Sie ist unstrukturiert und in sich selbst zusammengebrochen, weil sie seit 20 Jahren systematisch unterfinanziert war.(...) Alles muss wieder aufgebaut werden.“

Die Mission umfasst vorerst keine Soldaten der Tuareg, denen vorgeworfen wird, gemeinsame Sache mit den Islamisten gemacht zu haben, um die Unabhängigkeit im Norden Malis zu erreichen. Zur Vorbereitung des Einsatzes war bislang bereits ein EU-Vorauskommando in der malischen Hauptstadt Bamako vor Ort.

Am Wochenende hatten die Dschihadisten erneut die historische Wüstenstadt Timbuktu angegriffen, die Ende Januar aus der Hand der radikalen Islamisten befreit worden war.

Von

dpa

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