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26.08.2013

11:06 Uhr

Bundeswehr im Grenzgebiet

Angst vor „heißem Krieg“ in Syrien

Angesichts der Syrienkrise wächst in Deutschland die Angst vor einem Flächenbrand. Entscheidend könnten die Giftgaskontrollen der Vereinten Nationen sein. Präsident Assad warnt den Westen vor einem Militäreinsatz.

Syrische Soldaten: Droht ein Flächenbrand in der gesamten Region? dpa

Syrische Soldaten: Droht ein Flächenbrand in der gesamten Region?

BerlinSyrien beugt sich internationalem Druck und erlaubt vier Tage nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff von Damaskus mit hunderten Toten nun doch eine Untersuchung durch die Vereinten Nationen. Die USA und Großbritannien erklärten am Sonntag aber umgehend, das Einlenken komme zu spät, da inzwischen wohl viele Beweise zerstört wurden. Mittlerweile sind die Chemiewaffenexperten der Vereinten Nationen von Damaskus aus aufgebrochen, um die angeblich mit Giftgas bombardierten Gebiete in Augenschein zu nehmen.

Doch mehrere Staaten bereiteten sich bereits auf die Möglichkeit eines Militärschlags vor. Denn darüber, dass das Regime von Präsident Baschar al-Assad tatsächlich Chemiewaffen einsetzte, herrschen unter anderem im Weißen Haus „kaum noch Zweifel“. Die Regierung in Washington unterstrich ihre Position mit der Entsendung eines vierten Zerstörers ins östliche Mittelmeer, von wo aus Syrien mit Marschflugkörpern angegriffen werden könnte. Auch Großbritannien, Frankreich, die Türkei und Israel drangen auf ein rasches militärisches Vorgehen, sollten sich die Chemiewaffenvorwürfe bestätigen. „Alle Optionen stehen offen. Die einzige nicht vorstellbare Option wäre, nichts zu tun“, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius am Montag dem Radiosender Europe 1. Kanzlerin Angela Merkel lies am Montag über Regierungssprecher Steffen Seibert ausrichten, dass der vermutete Giftgasangriff Konsequenzen haben müsse. Zu einem möglichen militärischen Eingreifen des Westens sagte Seibert nichts.

Russland hat die USA mit Nachdruck vor einer militärischen Einmischung in den Syrienkonflikt gewarnt. Eine Intervention würde die Friedensbemühungen zerstören, sagte Außenminister Sergej Lawrow einer Mitteilung vom Montag zufolge in einem Telefonat mit seinem Amtskollegen John Kerry. China hat sich nach anfänglicher Zurückhaltung nun doch für eine Untersuchung der Vorwürfe über einen Giftgasangriff in Syrien durch UN-Inspektoren ausgesprochen. Die Volksrepublik habe die Berichte über einen Einsatz von Chemiewaffen innerhalb Syriens intensiv verfolgt, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums am Montag.

Chemiewaffen im syrischen Bürgerkrieg

23. Juli 2012

Die syrische Regierung bestätigt erstmals, über Chemiewaffen zu verfügen. Sie werde diese nur im Falle einer Militärintervention aus dem Ausland einsetzen, niemals aber gegen Syrer.

20. August 2012

US-Präsident Barack Obama warnt, der Einsatz von Chemiewaffen in Syrien – oder auch schon Vorbereitungen dafür – bedeuteten das Überschreiten einer „roten Linie“.

3. Dezember 2012

Die NATO und die Vereinigten Staaten drohen mit „einer unmittelbaren internationalen Antwort“, sollten diese Waffen eingesetzt werden. Ein US-Regierungsvertreter spricht von Erkenntnissen, dass die syrische Regierung alle Komponenten bereithält, um das hochtoxische Nervengas Sarin militärisch einzusetzen. Damaskus erklärt: „Sollten wir über solche Waffen verfügen, werden wir diese nicht gegen unser Volk einsetzen.“

19. März 2013

Regierung und Rebellen in Syrien beschuldigen sich gegenseitig, Chemiewaffen genutzt zu haben.

April/Mai 2013

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verkündet am 8. April, Inspekteure stünden bereit, um überall in Syrien den Einsatz geächteter Waffen zu untersuchen. Damaskus will die Inspektion geografisch begrenzen. Am 29. Mai informiert Großbritannien die UNO über neue Verdachtsfälle von Chemiewaffeneinsatz.

Juni 2013

„Das Laborergebnis ist eindeutig: Sarin-Gas wurde gefunden“, berichtet der französische Außenminister Laurent Fabius am 4. Juni, nachdem Proben untersucht wurden, die Zeitungsreporter von „Le Monde“ und eine weitere Quelle aus Syrien mitgebracht hatten. Das Weiße Haus beschuldigt die syrische Regierung neun Tage später, Chemiewaffen, darunter Sarin, eingesetzt zu haben, "eine rote Linie" sei damit überschritten. Moskau findet die Beschuldigungen „wenig überzeugend“ und Damaskus nennt sie „Lügen“.

30. Juni 2013

Die israelische Luftwaffe bombardiert laut Angaben aus US-Regierungskreisen eine Stellung mit Boden-Luft-Raketen und eine militärische Anlage nahe Damaskus. Hintergrund sei die israelische Befürchtung, hochentwickelte Waffen sollten an die libanesische Hisbollah geliefert werden, die auf Seiten der Regierung in Syrien kämpft. Die „New York Times“ berichtet, bei dem Angriff sei das wichtigste Forschungszentrum für biologische und chemische Waffen getroffen worden.

Juli 2013

Der russische UNO-Botschafter berichtet am 9. Juli über Beweise, dass die oppositionellen Rebellen das Nervengas Sarin eingesetzt hätten. Washington kommentiert, „noch keinen Beweis zu kennen, der diese Behauptung stützt“. Die Vereinten Nationen wurden am 23. Juli nach eigenen Angaben über 13 mutmaßliche Angriffe mit Chemiewaffen unterrichtet. UN-Chefinspektor Ake Sellström und die UN-Abrüstungsbeauftragte Angela Kane erzielen in Damaskus eine Einigung über das weitere Vorgehen: Die Inspektoren sollen sich demnach auf drei Orte konzentrieren, an denen gemäß früheren Anschuldigungen Chemiewaffen eingesetzt worden seien.

August 2013

Die UNO informiert, dass „die syrische Regierung die grundlegenden Modalitäten akzeptiert“ habe, um die Sicherheit und Effizienz der Inspektion zu gewährleisten. Am 19. August beginnen die am Vorabend in Damaskus eingetroffenen UNO-Experten unter größter Geheimhaltung ihre Suche nach Beweisen für den erfolgten Einsatz von chemischen Waffen. Am 21. August werden nach Oppositionsangaben in von Rebellen beherrschten Ortschaften bei Damaskus bis zu 1300 Zivilisten durch Gaseinsätze getötet. Westliche Regierungen fordern, die UNO-Inspektoren im Lande sollten sofort diesen Fall untersuchen.

Der syrische Präsident Baschar al-Assad warnte in einem Interview einer russischen Zeitung den Westen vor einer Militäroffensive in seinem Land. Das Szenario der arabischen Revolutionen habe sich überholt, sagte Assad der kremlnahen Zeitung „Iswestija“ (Montag). „Was in Syrien passiert, ist keine Volksrevolution und keine Forderung nach Reform. Das ist Terrorismus“, betonte der Machthaber. Assad wies Vorwürfe zurück, dass er Chemiewaffen gegen seine Gegner einsetze. „Das ist Nonsens“, meinte er.

Zugleich wies er darauf hin, dass Russland seine Rüstungsverträge mit Syrien erfülle. Auch die Türkei ist bereit, sich an einer militärischen Koalition für ein internationales Vorgehen gegen das Assad-Regime zu beteiligen. Sein Land sei zwar dafür, auf Grundlage von UN-Entscheidungen zu handeln, zitierten türkische Medien am Montag Außenminister Ahmet Davutoglu. Wenn es im Weltsicherheitsrat aber keine Entscheidung gebe, kämen Alternativen auf den Tisch.


Kommentare (46)

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J_J_

26.08.2013, 07:02 Uhr

Die Amis werden bald zuschlagen und den von Katar sowie von den Saudis unterstützen AL-Kaida Truppen zum Sieg über Assad verhelfen.

Novaris

26.08.2013, 07:25 Uhr

Artikel 2 des 2+4-Vertrages :

"Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik bekräftigen ihre Erklärungen, daß von deutschem Boden nur Frieden ausgehen wird. Nach der Verfassung des vereinten Deutschland sind Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, verfassungswidrig und strafbar (§ 81 StGB - Hochverrat) . Die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik erklären, daß das vereinte Deutschland keine seiner Waffen jemals einsetzen wird, es sei denn in Übereinstimmung mit seiner Verfassung und der Charta der Vereinten Nationen."

Ein Vertragspartner war die Sowjetunion, deren Nachfolgestaat Russland ist !!

Deutschlabnd ist es nach diesem Vertrag verboten !! ohne UN-Mandat an kriegerischen Auseinandersetzungen teilzunehmen.
Die Patriotraketen müssen aus der Türkei zurückgezogen werden; denn die Stationierung dieser Waffe kann bereits unter Berücksichtigung des jetzigen Krisenszenarios als "Vorbereitung zur Führung eines Angriffskrieges" gedeutet werden.

spicy

26.08.2013, 08:18 Uhr

Ein "heißer Krieg" in Syrien wäre den sogenannten "Rebellen" hochwillkommen: zum einen würde "der Westen", oder was diese Träumer dafür halten, wirtschaftlich vollkommen in die Knie gehen und zum anderen dürften sich diese "Rebellen", die in jedem anderen Staat der Welt als betrachtet werden würden, als was sie sind: Terroristen nämlich, in dem wundervollen Gefühl sonnen müssen, ganz nahe bei ihren 999 Jungfrauen, mit zum WW3 beigetragen zu haben.
Und so etwas mag der "Rebell" ja: Blut - ganz viel Blut.
Und wo viel Blut nicht ausreichen will, soll es, folgt man ihnen, noch mehr Blut richten.

Ein Volk, das unter solchen "Rebellen" zu leben haben wird, dürfte wahrlich nicht beneidenswert sein.

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