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14.06.2016

11:42 Uhr

Bundeswehr in Mali

Im Kampf gegen die Islamisten der Wüste

Der Norden Malis ist von Terroristen durchsetzt. Deutsche Soldaten sollen als Teil einer Uno-Mission deren Netzwerke zerschlagen und Anschläge verhindern. Es ist der gefährlichste Bundeswehreinsatz in Afrika.

Ein Konvoi deutscher Blauhelmsoldaten fährt mit gepanzerten Fahrzeugen in der Stadt Gao im Norden Malis Patrouille. dpa

Bundeswehr im Anti-Terror-Einsatz in Mali

Ein Konvoi deutscher Blauhelmsoldaten fährt mit gepanzerten Fahrzeugen in der Stadt Gao im Norden Malis Patrouille.

GaoGepanzerte Fahrzeuge rollen durch die staubigen Straßen der Stadt Gao im Norden Malis. Ihre Waffen sind schussbereit. Auf dem Dach weht neben der Uno-Flagge die deutsche Fahne. Trotz 50 Grad im Schatten tragen die Soldaten rund 20 Kilogramm Schutzausrüstung.

An einer kleinen Siedlung verwitterter Lehmhäuser kommt der Konvoi zum Stehen. Neugierige Kinder mit laufenden Nasen und staubigen Kleidern rennen herbei. Mit einem lauten „Bonjour“ steigen die Soldaten aus. Einer kommt mit den Einwohnern ins Gespräch. Die anderen stehen mit geladenen Maschinenpistolen Wache.

Islamistische Terrorgruppen

Islamischer Staat

Der sogenannte Islamische Staat ging aus einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida hervor. Im Irak-Krieg 2003 kämpfte die Gruppe gegen die US-Armee, 2013 setzte sie auf Expansion. Als „Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis)“ griff sie im syrischen Bürgerkrieg ein. Sie wurde stärker und lieferte sich Machtkämpfe mit anderen Islamisten, darunter Al-Kaida. In eroberten Gebieten in Syrien und im Irak riefen die Dschihadisten – nun als Islamischer Staat (IS) – ein Kalifat aus, in dem sie brutal gegen Gegner vorgehen. Dschihadisten in anderen Ländern schworen dem IS ihre Treue. Seit einiger Zeit verübt die Terrormiliz auch Anschläge außerhalb Syriens und des Irak.

Ansar Beit Al-Makdis

Die ägyptische Organisation ist eine der Gruppen, die sich dem IS angeschlossen haben. Seit Ende 2014 bezeichnet sich Ansar Beit al-Makdis („Unterstützer Jerusalems“) als „Provinz Sinai“ des IS. Laut ägyptischem Innenministerium gehören der Zelle rund 2000 Kämpfer an. Die Islamistentruppe verübt vor allem auf der Sinai-Halbinsel und in Kairo Anschläge.

Taliban

Die 2001 in Kabul gestürzten radikalislamischen Taliban haben weiterhin in großen Teilen Afghanistans Einfluss. Seit dem Auslaufen des Nato-Kampfeinsatzes bemüht sich die afghanische Führung verstärkt um Friedensgespräche mit ihnen. Weiterhin verüben die Taliban aber verheerende Anschläge in allen Teilen des Landes und nehmen Gebiete ein. Pakistans Grenzgebiet zu Afghanistan ist ein Rückzugsgebiet für die Taliban und Al-Kaida. Dort sind Gruppen wie die Tehrik-E-Taliban Pakisten (TTP) oder das Haqqani-Netzwerk aktiv. Auch die Gruppe Laschkar-E-Taiba („Armee der Reinen“) agiert von Pakistan aus auf dem Subkontinent.

Al-Kaida

1988 gründeten Dschihadisten in Afghanistan das Terrornetzwerk Al-Kaida („Die Basis“). Später richteten sich dessen Angriffe gegen die USA und Westeuropa. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 war Al-Kaida-Chef Osama bin Laden bis zu seinem Tod der meistgesuchte Terrorist der Welt. 2011 tötete eine US-Spezialeinheit Bin Laden im pakistanischen Abbottabad. Seit 2001 setzt das Terrornetzwerk zunehmend auf Regionalisierung.

AQAP

Zu den weitgehend unabhängig agierenden Al-Kaida-Ablegern zählt die 2008 aus der Vereinigung des jemenitischen mit dem saudi-arabischen Zweig entstandene Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Al-Qaeda in the Arabian Peninsula/AQAP). Die Terrorgruppe verübt seit Jahren immer wieder Anschläge. Der im Januar 2015 ermordete Redaktionsleiter des Satiremagazins „Charlie Hebdo“, Stéphane Charbonnier, stand auf einer „Fahndungsliste“ des Dschihad-Magazins „Inspire“, das von AQAP veröffentlicht wird. Die USA greifen im Jemen regelmäßig Lager der Gruppe mit Drohnen an.

AQMI

Die ursprünglich algerische Gruppe Alk-Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) versucht, Tunesien, Marokko, Algerien, Mauretanien, Niger und Mali durch Anschläge und Entführungen zu destabilisieren. Sie hat auch Rückzugsgebiete in Libyen. Auch die aus Libyen stammende Organisation Ansar al-Scharia („Unterstützer des islamischen Rechts“) verübt Anschläge in Tunesien.

Ansar Dine

Anhänger der Gruppe besetzten 2012 gemeinsam mit Tuareg-Rebellen den Norden Malis. Ihr werden Verbindungen zu Al-Kaida im islamischen Maghreb nachgesagt. Dem Terrorregime der Ansar Dine fielen viele Menschen mit westlichem Lebensstil zum Opfer. Französische und afrikanische Truppen vertrieben die Extremisten weitgehend aus der Region. Es kommt aber weiterhin zu Gefechten und Anschlägen auf Sicherheitskräfte in Mali.

Boko Haram

Die islamistische Terrorgruppe führt in Nigeria einen blutigen Feldzug zur Errichtung eines sogenannten Gottesstaats. Boko Haram heißt so viel wie: „Westliche Bildung ist verboten“. Die sunnitischen Dschihadisten werden für viele Attentate und Angriffe verantwortlich gemacht. Schätzungen zufolge wurden seit 2009 mehr als 14.000 Menschen getötet. Die selbst ernannten „Gotteskrieger“ kontrollieren Teile Nordostnigerias und versuchen auch, Gebiete in den Nachbarländern Kamerun und Niger zu erobern. Die Gruppe schwor der IS-Miliz Gefolgschaft.

Al-Shabaab

Die radikale Miliz verbreitet in Somalia Angst und Schrecken und verübt auch in Nachbarländern wie Kenia Anschläge. Zwar vertrieben Regierungstruppen und Soldaten der Afrikanischen Union die Extremisten 2011 aus der Hauptstadt Mogadischu, Al-Shabaab beherrscht aber noch weite Teile Mittel- und Südsomalias. Die Organisation hat Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida und kooperiert mit den Extremisten von Boko Haram in Nigeria.

Jemaah Islamiyah

Die Anfang der 1990er Jahre von Indonesiern in Malaysia gegründete Terrorgruppe war bisher in Indonesien, Malaysia und im Süden der Philippinen aktiv. Sie will ein Kalifat in Südostasien errichten und steht Al-Kaida nahe. 2002 ermordeten Jemaah Islamiya-Terroristen bei Bombenanschlägen auf der indonesischen Ferieninsel Bali 202 Menschen, darunter mehr als 150 ausländische Touristen. Weitere Anschläge folgten.

Kapitänleutnant Sebastian R. spricht mit zwei Jugendlichen über Fußball und die Schule. Zum Abschluss stellt er die Frage, um die es eigentlich geht: „Wie sieht es mit der Sicherheit aus?“ Die Jungs zucken mit den Schultern, schauen verlegen auf den Boden. Momentan sei alles ruhig, sagen sie.

Gao, mit seinen 100.000 Einwohnern, war 2012 die Hauptstadt des Rebellenstaates Azawad, der zu einem großen Teil von islamistischen Gruppierungen beherrscht wurde. Ihr Einflussgebiet wurde immer größer. Aufgehalten werden konnten die Aufständischen nur durch eine französische Intervention Anfang 2013. Seitdem suchen die Regierung in Bamako und zahlreiche Rebellengruppen nach einer Friedenslösung, die aber immer wieder von Extremisten torpediert wird.

Die deutsche Patrouille gehört zu einer Blauhelm-Truppe der Vereinten Nationen, die zur Friedenssicherung in der Wüstenregion beitragen soll. Es ist der größte und gefährlichste Uno-Einsatz in Afrika. Mehr als 70 Blauhelm-Soldaten kamen in den vergangenen drei Jahren bei Angriffen oder Anschlägen ums Leben.

Die bald 650 deutschen Soldaten des Kontingents werden in Mali für unabsehbare Zeit vor allem aufklären, etwa mit Spähpanzern oder Drohnen. Die offensive Bekämpfung der Terroristen überlässt die Uno den Franzosen, die dafür 3500 Soldaten in der Sahelzone stationiert hat. Aber in Gefechte können natürlich auch die Deutschen verwickelt werden.

Nach einer knappen halben Stunde fährt die Patrouille weiter, vorbei an Frauen in farbenfrohen Gewändern, Motorradfahrern, Gemüseständen, Ziegen und Esel-Karren. Viele Einwohner winken den Soldaten zu. Der Konvoi hält immer wieder, an einem Tante-Emma-Laden, gegenüber einer Schule. Vor einer großen Moschee tauschen die Soldaten mit Oumar, dem Wächter, Handy-Nummern aus. Er könnte ein guter Kontakt sein.

Doch es gibt auch andere Vorkommnisse. In einer Siedlung mit neuen, teuren Häusern kursieren Gerüchte über Drogenhandel. Dann fährt ein Kleintransporter mit Männern der Tuareg-Volksgruppe dem deutschen Konvoi entgegen. Einer der mit Turbanen und langen Gewändern bekleideten Männer auf der Ladefläche trägt eine Kalaschnikow.

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