Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.01.2005

14:44 Uhr

Bundeswehr-Lazarett ab kommendem Mittwoch im Einsatz

Es bleibt bei rund 1 000 vermissten Deutschen

Bald zwei Wochen nach der Flutkatastrophe in Asien bleibt das Schicksal von rund 1 000 Deutschen weiter im Ungewissen. Immer noch würden etwa 1 000 Bundesbürger vermisst, sagte Staatssekretär Klaus Scharioth am Donnerstag nach der Sitzung des Krisenstabs im Auswärtigen Amt.

HB BERLIN. Insgesamt seien 751 polizeiliche Vermisstenanzeigen aufgegeben worden. Das bedeute aber keine Entwarnung oder Reduzierung. Es gebe noch zahlreiche Hinweise auf weitere Vermisste. „Ich fürchte, es wird bei ungefähr 1 000 Vermissten erst einmal bleiben.“

Außenminister Joschka Fischer bricht an diesem Freitag zu einer Reise in das Krisengebiet nach Thailand, Indonesien und Sri Lanka auf. Er wird am Mittwoch zur Sitzung des Kabinetts in Berlin zurück erwartet.

Eine gute Nachricht hatte Scharioth: 16 verletzte Deutsche seien am Mittwoch noch in Krankenhäusern in Bangkok und Umgebung gefunden worden. Sechs von ihnen würden mit privaten Fluglinien oder Rettungsdiensten nach Deutschland zurückgebracht. Die anderen zehn Deutschen wollten ihre Verletzungen in Thailand auskurieren. Insgesamt seien 64 Krankenhäuser in Phuket und Bangkok nach deutschen Verletzten durchsucht worden. Die Evakuierungsflüge nach Deutschland sind laut Scharioth weitgehend abgeschlossen.

Inzwischen sind auch einige deutsche Todesopfer zurückgebracht worden. Deren Zahl bewege sich allerdings „im niedrigen zweistelligen Bereich“, sagte der Staatssekretär. Es bleibe bei 60 bestätigten Todesfällen. Die deutsche Botschaft in Bangkok geht Berichten über anonyme Massengräber im thailändischen Khao Lak nach. Scharioth betonte, dass es bislang keine Hinweise gebe, dass deutsche Opfer in Massengräbern bestattet worden seien. Das Justizministerium gibt im Internet Hinweise für Angehörige zum Verschollenheitsgesetz und anderen rechtlichen Fragen.

In der indonesischen Provinz Aceh auf Sumatra kann das Bundeswehr-Lazarett nach Angaben Scharioths am kommenden Mittwoch seine Arbeit aufnehmen. Ebenfalls am Mittwoch werde dort vor der Küste auch das Versorgungsschiff „Berlin“ mit 45 Krankenbetten eintreffen. In Medan und Banda Aceh haben außerdem Außenposten der deutschen Botschaft die Arbeit aufgenommen.

Die Bundesregierung hatte ihre Finanzhilfe für den Wiederaufbau der von den Flutwellen getroffenen Regionen am Vortag auf 500 Mill. € aufgestockt und sich mit an die Spitze der Geberländer gestellt. Unionsfraktionsvize Wolfgang Schäuble (CDU) warnte vor Rivalitäten bei den Hilfsmaßnahmen. Man müsse alles tun, „um einen solchen Eindruck zu vermeiden“, sagte Schäuble im Deutschlandfunk. Mitmenschlichkeit dürfe nicht zu einer „Funktion von politischem Kalkül verkommen“. Schäuble rief dazu auf, bei der großen Hilfsbereitschaft für die Flutopfer andere Krisenregionen nicht zu vergessen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×