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05.01.2005

08:44 Uhr

Bush will Altersvorsorge stärker privatisieren

US-Rentner müssen mit Einschnitten rechnen

Die US-Regierung will offenbar mit Rentenkürzungen Haushaltslöcher stopfen. Präsident George W. Bush bastele derzeit an einer neuen Rentenformel, zitierte die „Washington Post“ am Dienstag hochrangige Republikaner mit engem Draht zum Weißen Haus.

bac WASHINGTON. Demnach soll die jährliche Anpassung der Altersbezüge künftig nicht mehr an den durchschnittlichen Lohnsteigerungen bemessen werden, sondern an der Entwicklung der Inflationsrate. Auf diese Weise könne der Staat, der die Renten über Steuern finanziert, langfristig Billionen Dollar einsparen, hieß es. Allein im Haushaltsjahr 2004 stand die öffentliche Hand mit 413 Mrd. Dollar in der Kreide.

Die Einschnitte wären zunächst noch minimal. So würde ein Arbeitnehmer, der 2012 mit 65 Jahren in den Ruhestand geht, 1 194 Dollar Rente kassieren – 0,9 Prozent weniger, als ihm nach dem heutigen System zustände. Aber im Jahr 2042 würde das Minus bereits 25,7 Prozent und 2075 gar 45,9 Prozent betragen. Ein Neu-Rentner kann derzeit im Schnitt mit 42 Prozent des letzten Monatslohns rechnen. Dieser Anteil würde durch die Umstellung auf bis zu 20 Prozent sinken.

Experten haben keinen Zweifel, dass der Präsident die Inflationsrate zum Maß aller Dinge erheben wird. Ein früherer Spitzenbeamter, der kürzlich die Reform der Rentenversicherung mit Bushs Stab diskutierte, bezeichnete diese Option als „Teil des Gesamtpakets“. Und selbst John Rother, politischer Direktor der einflussreichen Senioren-Organisation AARP, hat sich bereits damit abgefunden: „An dem Inflationsindex führt kein Weg vorbei.“

Im Dezember hatte Bushs Chef-Wirtschaftsberater Gregory Mankiw die lohnbezogenen Rentensteigerungen als „hauptsächlichen Sündenbock“ für die Probleme der staatlichen Altersvorsorge bezeichnet. Derzeit ist die Rentenkasse zwar noch im Plus. Aber ab dem Jahr 2027 kippt das System, weil die geburtenstarken Jahrgänge bald aus dem Erwerbsleben ausscheiden.

Der Treuhandfonds der Sozialversicherung rechnet für die nächsten 75 Jahre mit einem Defizit in Höhe von 3,7 Billionen Dollar. Bliebe die Regierung passiv, würden die von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gemeinsam finanzierten Rentenbeiträge von jetzt 12,4 Prozent des Bruttoeinkommens auf 19 Prozent anwachsen.

Das will die Administration in Washington vermeiden – nicht zuletzt, um der Wirtschaft einen Anstieg der Lohnnebenkosten zu ersparen. Das neue Zauberwort lautet nun „Teilprivatisierung der Rentenversicherung“. Bush will den Angestellten künftig die Möglichkeit geben, bis zu einem Drittel ihres Rentenbeitrages privat anzulegen – in Aktien, Fonds oder Wertpapieren. Ende Februar oder Anfang März soll die Reform präsentiert werden, die als innenpolitisches Mammutprojekt für die zweite Amtszeit des Präsidenten gilt.

Die Administration wirbt mit dem Argument, dass die Teilprivatisierung durch höhere Renditen Einschnitte im staatlichen System kompensiere. Rückendeckung erhält sie dabei durch konservative Experten: „Unterm Strich kommen die Leute auf mindestens genauso viel Geld wie in der rein staatlichen Altersvorsorge“, betont David John von der Heritage Foundation, einer regierungsnahen Denkfabrik in Washington. Größere Abstürze an der Börse sind hier allerdings nicht mit eingerechnet.

Quelle: Handelsblatt

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