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10.09.2014

07:38 Uhr

Camerons Appell an die Schotten

Bitte bleibt im Königreich!

Unmittelbar vor einem Besuch in Schottland hat der britische Premierminister David Cameron erneut für einen Erhalt des Vereinigten Königreichs geworben. Eine Abspaltung wäre ein „Sprung ins Ungewisse“ für die Schotten.

Panik in London: Der britische Premierminister David Cameron warnt vor Abschottung. dpa

Panik in London: Der britische Premierminister David Cameron warnt vor Abschottung.

Der britische Premierminister David Cameron hat erneut für einen Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich geworben. Eine Loslösung Schottlands sei ein „Sprung ins Ungewisse“, schrieb Cameron in einem Gasbeitrag für die Zeitung „Daily Mail“ (Mittwochsausgabe). Großbritannien sei „ein wertvolles und besonderes Land“. Der Rest des Königreichs wünsche sich inständig, dass Schottland sich nicht abspalte. „Wenn das Vereinigte Königreich auseinanderbricht, ist es für immer zerbrochen“, mahnte der Regierungschef.

Cameron reist am Mittwoch gemeinsam mit seinem liberaldemokratischen Stellvertreter Nick Clegg und Oppositionsführer Ed Miliband nach Schottland, um die Wähler von den Vorzügen eines Verbleibs in Großbritannien zu überzeugen. Die Schotten stimmen am 18. September per Referendum über die Loslösung von Großbritannien ab. Zuletzt lagen Gegner und Befürworter der Unabhängigkeit in den Umfragen nahezu gleichauf.

Schottlands Streben nach Unabhängigkeit

September 1997

Bei einem Referendum stimmt eine Mehrheit für ein schottisches Regionalparlament mit begrenzten Kompetenzen innerhalb des Vereinigten Königreichs.

Mai 1999

Erstmals nach fast 300 Jahren wird wieder ein schottisches Parlament gewählt.

Mai 2007

Der Vorsitzende der linksliberalen Schottischen Nationalpartei SNP, Alex Salmond, wird neuer Ministerpräsident. Schottland hat erstmals eine Regierung, die für die Abspaltung vom Vereinigten Königreich eintritt.

Mai 2011

Die SNP gewinnt die absolute Mehrheit im Regionalparlament. Salmond kündigt an, über eine Unabhängigkeit solle in den kommenden fünf Jahren abgestimmt werden.

Januar 2012

Salmond kündigt das Referendum für Herbst 2014 an. Der britische Schottland-Minister Michael Moore erklärt, die Regionalregierung könne aus rechtlichen Gründen nicht im Alleingang ohne das Ja aus London zu einem Volksentscheid über die Unabhängigkeit aufrufen.

Mai 2012

Die maßgeblich von der SNP getragene schottische Unabhängigkeitsbewegung startet ihre Wahlkampagne „Yes Scotland“. Die Regierung in London, die strikt gegen eine Abspaltung Schottlands ist, startet eine Gegenkampagne.

Oktober 2012

Der britische Premier David Cameron und Salmond unterzeichnen ein Abkommen, das der Regionalregierung die Befugnis gibt, eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit abzuhalten.

März 2013

Der Termin für das Referendum wird auf den 18. September 2014 festgelegt.

November 2013

Salmond legt detaillierte Pläne für eine eigenständige Nation vor. Bei einem erfolgreichen Referendum soll Schottland im März 2016 unabhängig werden.

Der Buckingham-Palast stellte unterdessen klar, dass sich Königin Elizabeth II. nicht in die Debatte einschalten werde. Die Queen sei der Ansicht, dass die Abstimmung Sache des schottischen Volkes sei, teilte der Palast mit. Ein Sprecher verwies auch auf die Rolle der Königin als unparteiische Instanz. Britische Medien hatten zuvor berichtet, dass die Queen sehr besorgt sei angesichts des möglichen Auseinanderbrechens des Königreichs.

Der Vorsitzende der Schottischen Nationalpartei, Alex Salmond, nannte die kurzfristig angekündigten Reisen ein Zeichen von Panik. Umfragen sagen derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Unabhängigkeitsbewegung mit dem Lager der Unionisten voraus.


Kommentare (3)

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Herr Peter Windhoek

10.09.2014, 08:53 Uhr

Ein Sprung ins Ungewisse - das dürfte dann eher für Cameron und England werden.

Beim Besuch einer schottischen Destillerie wurden mir die jährlich abzuführenden Steuerzahlungen an England erläutert, dagegen sind die Solizahlungen die reinste Liebhaberei. Ähnlich verhält es sich mit dem vor Schottland geförderten Öl
Davon profitieren ausschließlich die Regionen um London , deren nadelstreifende Finanzstrukturen du natürlich immer noch die "Windsors". In London gibt es drei Regierungen, die offizielle, die Queen und die Finanzwelt. Sie Alle leben mehr oder minder von schottischen Zuwendungen.

Herr Theo Gantenbein

10.09.2014, 09:10 Uhr

Wenigstens fragt man die Schotten. Das ist Basisdemokratie.

Uns fragt keiner, ob wir in der EUdSSR bleiben wollen.

... obwohl: In ein paar Tagen können zumindest Brandenburger und Thüringer ein Zeichen gegen den EU-Wahn setzen und entsprechende Alternativen wählen.

Herr Rene Weiß

10.09.2014, 11:45 Uhr

In Deutschland leben alle von den Bayern. Und da in Europa alle von den Deutschen leben, leben auch in Europa alle von den Bayern.
Die Bayern sollten sich überlegen, ob sie den Länderfinanzausgleich und Solidarpakt II nicht ersatzlos auslaufen lassen. Dann können sie das Geld für ihre eigenes Bundesland und eine noch stärkere Wirtschaft ausgeben. Und die schmarotzenden Bundesländer können lernen mit ihrem eigenen Geld auszukommen als das Geld anderer auszugeben.

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