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25.06.2013

10:40 Uhr

Cannabis-Legalisierung in den USA

Kiffen gegen die Staatsschulden

VonNils Rüdel

Die Bürger in Colorado und Washington haben Ende 2012 dafür gestimmt, Marihuana zu legalisieren. Die beiden Staaten erwarten Milliarden an Steuern, Unternehmer wittern das große Geschäft. Doch die Obama-Regierung bremst.

Noch ist unklar, ob in den USA mit dem Verkauf von Marihuana Geld verdient werden darf. ap

Noch ist unklar, ob in den USA mit dem Verkauf von Marihuana Geld verdient werden darf.

WashingtonDer 6. November vergangenen Jahres war ein großer Tag. Für die Anhänger von US-Präsident Barack Obama zum Beispiel, der an jenem Tag wiedergewählt wurde. Freude gab es aber auch bei den Freunden von Cannabis: In den Bundesstaaten Colorado und Washington stimmten die Wähler per Referendum dafür, das benebelnde Kraut für den Privatgebrauch zu legalisieren.

Doch ob der Mittlere Westen und der Nordwesten Amerikas demnächst zu Kifferparadiesen werden, ist auch knapp acht Monate nach der historischen Abstimmung noch lange nicht entschieden. Denn die Referenden werfen kniffelige Probleme auf, die die Politik erst noch lösen muss: So ist es zum Beispiel in Washington nun nach Landesrecht erlaubt, Marihuana zu besitzen. Anbau und Verkauf allerdings bleiben nach Bundesrecht strafbar.

Dan Satterberg, Staatsanwalt aus der Gegend um Seattle, brachte den Widerspruch auf den Punkt: Er wisse nicht, wie man überhaupt legal an den Stoff gelangen könne, sagte der Jurist im vergangenen Jahr. „Wenn man auf der Straße darüber stolpert oder wenn er vom Himmel fällt, darf man ihn behalten. Andernfalls ist man Teil einer kriminellen Verwertungskette“.

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In den Bundesstaten standen insgesamt zusätzlich über 170 Volksentscheide an.

Ein Gesetzeskonflikt, der dringend gelöst werden muss. Doch der wenig begeisterte US-Justizminister Eric Holder lässt sich Zeit, noch immer warten die beiden Staaten auf eine Antwort, wie sich die Bundesregierung zu verhalten gedenkt. Gleichwohl haben sie sich daran gemacht, den Wählerwillen umzusetzen und Gesetze ausgearbeitet, die den Marihuana-Verkauf regeln. Auch Unternehmer suchen nach Wegen, das große Geld mit dem Gras zu verdienen.

Allerdings mit gebremster Zuversicht: Zwar erwarten die beiden Staaten einen dringend benötigten Geldregen von bis zu 2,1 Milliarden Dollar an Steuereinnahmen über fünf Jahre. Doch am Ende könnten sie trotzdem leer ausgehen – sollte die Bundesregierung weiter der Auffassung bleiben, dass sich jeder strafbar macht, der mit Marihuana Geld verdient. Nur Menschen, die den Stoff aus medizinischen Gründen brauchen, werden in Ruhe gelassen.

Experten sehen deshalb noch keinen baldigen Geldrausch in Washington oder Colorado. „Die Voraussagen sind sehr vorschnell, weil wir nicht wissen, was die Bundesregierung tun wird“, sagte Harvard-Ökonom Jeffrey Miron der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Wegen der Unsicherheit und des juristischen Risikos wird es wohl zunächst eine Schattenwirtschaft bleiben.“ Die Folge: Colorado plant die erhofften Einnahmen in den nächsten beiden Haushalten erst gar nicht ein.

Kommentare (19)

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Account gelöscht!

25.06.2013, 11:17 Uhr

Man, hier gibts private Pflanzenzucht im Blumentopf. Für den privaten Gebrauch völlig ausreichend.
Marihuana wurde aus politischen Gründen verboten, um der Papierindustrie ihre Umsätze mit Bäumen zu lassen.
Diese Pflanze hat viel mehr zu bieten als nur den Joint nach Feierabend. Papier, Stoffe, Seile - wächst anspruchslos und schnell.
Es ging nie um die Gesundheit der Bevölkerung, es ging um die Pharmaindustrie und die Papierindustrie.
Marihuana ist eine pflanzliche Arznei die Schmerzen lindert, Appetit fördert und besonders bei Chemopatienten gut wirkt. Ist also deutlich gesünder als Alkohol und billiger als Pillen.
Das mit diesem Stoff überhaupt eine Mafia entstehen konnte, haben sich diese Industrien auf den Bauch zu schreiben. Diese sind mit daran Schuld das den Volkswirtschaften diese Folge-Kosten aufgelastet werden, und das weltweit.
Streng genommen sind damit auch diese Lobbybosse für die vielen Drogentoten mit verantwortlich.

Bullshitdetector

25.06.2013, 11:55 Uhr

Ich hoffe das es auch hier bald Legalisiert wird.
Grundsätzlich sollte man sämtliche Drogen Legalisieren,
Aber bestimmte gibt es dann nur über rezept bei der Aphotheke.
WQürde der MAFIA die Geschäftgrundlage entziehen [...] Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Account gelöscht!

25.06.2013, 12:22 Uhr

Ich glaube,noch nie konnte ich mich sämtlichen Kommentaren so vorbehaltlos anschließen,wie bei diesem Thema.
Hätte ich nicht erwartet.Freut mich außerordentlich.Und nein,ich bin selbst kein Kiffer,aber die Drogenpolitik,die von fast allen Regierungen dieser Welt praktiziert wird,strotznur so von Lobbyinteressen und Bigotterie.
Das muss anders werden.Kaffee war auch mal verboten.

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