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10.05.2015

17:58 Uhr

Castro und Franziskus

Kubas Staatschef liebäugelt mit dem Papst

Eigentlich lässt die Kommunistische Partei Kubas christlichen Glauben nicht zu. Doch Staatschef Castro scheint Gefallen an Papst Franziskus gefunden zu haben: Er meint sogar, die beiden hätten viel gemeinsam.

Der Kubanische Präsident Raul Castro (rechts) mit Papst Franziskus: „Ich habe alle Reden des Papstes gelesen.“ Reuters

Raul Castro und Papst Franziskus

Der Kubanische Präsident Raul Castro (rechts) mit Papst Franziskus: „Ich habe alle Reden des Papstes gelesen.“

RomKubas Staatschef Raúl Castro präsentiert sich als großer Bewunderer von Papst Franziskus. „Ich habe alle Reden des Papstes gelesen, seine Kommentare, und wenn der Papst so weiter macht, werde ich wieder anfangen zu beten und wieder in die Kirche gehen - und das ist kein Witz“, sagte Castro am Sonntag nach einer Privataudienz beim Pontifex in Rom.

Wenn Franziskus im September nach Kuba reise, werde er alle Messen besuchen, versprach Castro bei einer Pressekonferenz mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi. „Ich komme aus der Kommunistischen Partei Kubas, die Gläubige nicht zulässt, aber jetzt erlauben wir es, und das ist ein wichtiger Schritt“, sagte Castro. Er zog eine Parallele zwischen sich und dem Papst: Dieser sei „Jesuit, und irgendwie bin ich das auch. Ich habe immer an Jesuitenschulen gelernt.“

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Kurz nach dem Treffen von Barack Obama mit Kubas Staatschef Raul Castro kündigt der US-Präsident an, er wolle die Karibikinsel von der Terrorliste streichen. Der Schritt könnte den Weg für neue Kooperationen frei machen.

Der Papst hatte zuvor fast eine Stunde lang mit Castro gesprochen. Er empfing den kubanischen Präsidenten - den Bruder des kommunistischen Revolutionsführers Fidel Castro - mit einem herzlichen „Bienvenido“. Castro verneigte sich und ergriff die Hand des Papstes mit beiden Händen. Beide konnten in ihrer Muttersprache Spanisch miteinander reden.

Danach dankte Castro dem Papst öffentlich für seine Vermittlungsarbeit bei der amerikanisch-kubanischen Annäherung. Franziskus hatte eine Schlüsselrolle bei der Aufnahme von Gesprächen zur Normalisierung der amerikanisch-kubanischen Beziehungen nach einer mehr als 50-jährigen Eiszeit gespielt. Castro sagte, er hoffe auf rasche positive Auswirkungen. „Vielleicht wird uns der (US-)Senat bald von der Liste der Terrorstaaten streichen“, ergänzte er nach dem Treffen mit Renzi.

Der Empfang beim Papst wurde vom Vatikan als strikt privat bezeichnet. Franziskus begrüßte Castro in einem Raum nahe der Audienzhalle anstatt in der Bibliothek des Apostolischen Palastes, in dem bei offiziellen Besuchen Staatsgäste empfangen werden.

Franziskus überreichte Castro eine Medaille mit dem heiligen Martin. „Mit seinem Mantel bedeckt er die Armen“, sagte der Papst und fügte hinzu, es müsse mehr für die Armutsbekämpfung getan werden. Fidel Castro hatte 1996 den damaligen Papst Johannes Paul II. im Vatikan besucht.

Von

ap

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