Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

08.09.2012

10:34 Uhr

CDU-Politiker Börnsen

Der griechischen Kultur droht der Kollaps

Nach einem Griechenland-Besuch schlägt der CDU-Bundestagsabgeordnete Börnsen Alarm. Bei dem enormen Spardruck gerate die Kultur zunehmend unter die Räder. Gegenmaßnahmen müssten her.

CDU-Politiker Börnsen sieht griechische Kulturdenkmäler durch den harten Sparkurs des Landes bedroht. dapd

CDU-Politiker Börnsen sieht griechische Kulturdenkmäler durch den harten Sparkurs des Landes bedroht.

Berlin/AthenGriechenlands Sparkurs hat nach dem Eindruck des CDU-Bundestagsabgeordneten Wolfgang Börnsen inzwischen schlimme Auswirkungen auf den Kulturbereich. „Die Situation kann für Betroffene wie für die Kultur selbst als verheerend bis katastrophal bezeichnet werden“, schreibt Börnsen in einem Bericht an seine Fraktion, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Folgen der Einsparungen seien Entlassungen von Mitarbeitern, die Schließung von Museen oder auch der Verfall von Bauwerken. Es drohten zunehmend Raubgrabungen und Diebstähle.

Zuvor hatte der 70-Jährige einige Tage lang die südliche Ägäis mit Schwerpunkt Rhodos bereist. Er ist kulturpolitischer Sprecher der Unionsfraktion und absolvierte seinen Informationsbesuch Ende August in Absprache mit dem Griechenland-Beauftragten der Bundesregierung, Hans-Joachim Fuchtel. „Es ist dringend geboten, dass sich die Ständige Konferenz der europäischen Kulturminister mit der Lage der Kultur in Griechenland befasst“, drängt Börnsen. Außerdem gehöre die Thematik in die Fachgremien des Bundestages. „Im Mutterland der abendländischen Kultur geht diese einem Kollaps entgegen.“

Frustriert, ausgelaugt, erschöpft: Wie die Griechen die Krise erleben

Frustriert, ausgelaugt, erschöpft

Wie die Griechen die Krise erleben

Ein kleines Rahmengeschäft in Athen: Hier weiß der Besitzer nicht mehr, wie sein Leben weitergeht.

In diesem Jahr leiste Athen - verglichen mit 2010 - nur noch die Hälfte der Kulturförderung, berichtet Börnsen unter Berufung auf amtliche Zahlen. Der Gouverneur der Südägäis habe 200 seiner 700 Mitarbeiter entlassen. Weder gebe es Geld für die Instandsetzung der seit fünf Jahren geschlossenen Oper noch für die Altstadt, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählt. Viele Museen seien geschlossen, für die verbliebenen seien die Öffnungszeiten halbiert worden. Besonders prekär sei die Lage an den rund 20 000 Ausgrabungsstätten, für die nur noch 2000 Wächter zur Verfügung stünden.

Wolfgang Börnsen hat einige Tage die südliche Ägäis bereist. dpa

Wolfgang Börnsen hat einige Tage die südliche Ägäis bereist.

Nach Einschätzung der UN-Kulturorganisation Unesco indes ist das Weltkulturerbe Griechenlands noch nicht von der Sparpolitik bedroht. „Die einzige Stätte, die das Weltkulturerbe-Komitee derzeit mit Sorge betrachtet, ist der Berg Athos. Aber auch hier ist der Grund nicht in der Krise zu suchen“, sagte ein Unesco-Sprecher in Paris. Mitte August hatten Waldbrände in der griechischen Mönchsrepublik Athos gewütet. Dort befinden sich mehrere Klöster, die auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes stehen. Auf dieser Liste mit weltweit 962 Natur- und Kulturdenkmälern ist Griechenland mit 17 Stätten vertreten.

Von

dpa

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

SabineM

08.09.2012, 10:56 Uhr

Die dolve vita Kultur?! Also das Faulenzen bei höchster Bezahlung, die Fakelaki-Kultur? Das wäre aber zu schön, um wahr zu sein!

andiamo

08.09.2012, 11:12 Uhr

Die einzige Kultur, die von den "reichen" Zeiten der Philosophen, der griechischen Götter uvm übrig ist, ist das Steuern hinterziehen, dasitzen und Cafe bei blauem Himmel trinken, wenig arbeiten für viel Brutto weil steuerfrei...Griechenland steht jetzt, nur härter da, wo Deutschland im Jahr 2004 stand! Poseidon wird schlucken, was nicht rentabel arbeitet. Thatcher und Reagan wollten es so. [...] in Brüssel sind nur die röhrenden Hirsche der aktuellen Chefideologen in New York, London.

[+++Beitrag wurde von der Redaktion editiert+++]

DERRichter

08.09.2012, 11:50 Uhr

Deutschland stand 2004 im Vergleich zu Griechenland heute paradiesisch dar. Kein Vergleich! Die Entlassungen im griechischen Kulturbereich werfen darüber hinaus auch ein eindeutiges Licht auf das, woran Griechenland eigentlich krankt, nämlich an den Steuerhinterziehungen des obersten Einkommensdrittels in Höhe von 50 Milliarden Euro jährlich. Flösse dieses Geld dem griechischen Staat zu, wäre der Haushalt nicht nur in Ordnung, sondern es verbliebe auch noch reichlich Geld für Konjunkturprogramme. Aber die griechische Regierung ist -aus Gründen, die wir alle kennen, die aber an dieser Stelle wegen dem Handelsblattzensor nicht mehr genannt werden dürfen- bekanntlich in der Lebensrealität sehr gnädig gegenüber ihren neoliberalen Steuerhinterziehern. Deshalb werden sowohl die -auch touristisch gesehen- hoch wichtigen griechischen Kulturdenkmähler als auch der soziale Frieden in Griechenland ebenso wie die Entwicklung des griechischen Bruttoinlandsproduktes nachhaltigen Schaden nehmen. Das ist der zu zahlende Preis, wenn
Kaputtsparen statt anständig Steuereintreiben angesagt ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×