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01.11.2012

20:25 Uhr

CDU-Wirtschaftsrat

„Schuldenschnitt für Griechenland unvermeidlich“

ExklusivDer Präsident des CDU-Wirtschaftsrats, Kurt Lauk, fordert eine Abkehr von der Austeritätspolitik gegenüber Athen. Ein weiterer Schuldenschnitt sei beinahe unvermeidlich – auch wenn er schmerzlich wäre.

Der Präsident des Wirtschaftsrates, Kurt Lauk. dpa

Der Präsident des Wirtschaftsrates, Kurt Lauk.

BerlinIn der CDU wird der Ruf nach einem Schuldenschnitt für Griechenland laut. In einem Exklusivbeitrag für das Handelsblatt (Freitagausgabe) schreibt der Präsident des Wirtschaftsrats, Kurt Lauk: „Ein erneuter Schuldenschnitt für Griechenland ist nahezu unvermeidlich.“ Zwar  wäre es schmerzlich, einen Großteil der bisherigen Hilfsgelder abschreiben zu müssen. „Klar ist aber auch: Einfach immer weiter die Haftungsrisiken auszudehnen, hochzuhebeln oder zu verschleiern kann nicht die Lösung sein.“

Der Problemfall Griechenland zeige, dass eine „Austeritäts- und Rettungspolitik allein nicht zielführend“ sei. Diese Politik habe nur dazu geführt, dass sich viele Bürger von Europa abwenden. Die einen wollen sich nicht zu Tode sparen, die anderen nicht für Zechpreller bezahlen.

Lauk: „Wer glaubt noch an Absichtserklärungen, nachdem die Auflagen für Hilfen immer wieder ohne Konsequenzen aufgeweicht wurden? Mittlerweile werden auch bei unübersehbarer Nichterfüllung Hilfen gewährt. Der für den 12. November geplante Troika-Bericht zu Griechenland droht zur Farce zu verkommen.“

Die  gängige Schönrederei und die zunehmende Verunsicherung der Bürger müssten, so Lauk,  Realismus und Offenheit weichen: „Das würde einen ehrlichen Umgang mit der Situation signalisieren und der griechischen Bevölkerung Erleichterung verschaffen.“

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Kommentare (33)

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Ludwig500

01.11.2012, 20:47 Uhr

Wie wäre es mit "letztem" statt "weiterem" Schuldenschnitt? Soll den gerade abgeschreibenen Forderungen neues Geld hinterhergeworfen werden? Dann sollte man insolvente Bürger und Kleinunternehmer mal spasseshalber auffordern, 100.000 Euro bei ihrer Hausbank zu beantragen, und die Reaktionen öffentlich zu schildern.

KHD

01.11.2012, 21:14 Uhr

Natürlich ist ein Schuldenschnitt unvermeidbar. Genau das hätte aber schon 2010 passieren müssen, bevor man deutsche Steuergelder ins Feuer warf. Faktisch ist diese eine Bankrotterklärung der bis dato erfolgten Rettung. Die Konsequenz kann nur sein, dass man sämtliche Rettungspolitiker für diese für Normaldenker absehbare Fehlentscheidung zur Rechenschaft zieht und von der weiteren Rettung suspendiert.
Diese schlaue Erkenntnis eines CDU Politikers, der auch für die verbrannten Steuergelder
mitverantwortlich ist, sollte dann aber auch zu Ende gedacht werden.
Eine weitere Subventionierung Griechenlands mit deutschen Steuergeldern verbietet sich, nachdem schon reichlich deutsche Steuergelder von der CDU vernichtet wurden. Wie soll es dann nach Lauk weitergehen mit Griechenland ? Ein Primärüberschuss ist selbst nach 3 Jahren Rezession und IWF Sparmassnahmen in Griechenland nicht in Sicht und auch in den nächsten 3 Jahren nicht sehr wahrscheinlich. Wer finanziert also die Defizite in Griechenland weiter ohne Subvention aus der EURO Gruppe nach dem Schuldenschnitt ? Ist das das Startzeichen für den grossen Schuldenschnitt auf Null und den EURO Austritt Griechenlands ?

Charly

01.11.2012, 21:24 Uhr

@Ludwig500

Man hätte 2008 herum die Banken in den Bankrott schicken sollen.
Die Schrottpositionen wären damals noch dort gewesen wo sie entstanden sind und Investmentbanken wie die Goldmänner und andere würden heute nicht mehr existieren, - und das wäre gut so.

Heute geht das nicht mehr weil die Positionen heute von den Verursachern zu den Staaten gewechselt sind.

Nach meiner Ansicht ist Griechenland auch durch eine 100% Entschuldung nicht zu retten. Der "Friedensbringer" Euro hat einige Staaten an der Peripherie derartig zugrundegerichtet, dass diese Staaten selbst nach kompletter Entschuldung nicht überlebensfähig wären. Die alte Drachme beispielsweise hat vor der Euro-Zeit durch ständige Abwertungen ausgezeichnet funktioniert. Drachmen-Anleihen waren sogar unter Einbeziehung ständiger Abwertungen wegen der hohen Zinsen eine interessante Geldanlage. Einige werden sich hier sicher noch erinnern.

Wenn man heute die Drachme wieder einführen würde, kann das alte Wirtschaftssystem trotzdem kaum wieder reloaded werden.
Das ist nur eine Illusion spinnerter VWL'ler.

Der "Friedensbringer" Euro hat in Europa weit mehr Schaden angerichtet als heute schon sichtbar ist.

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