Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.10.2016

12:00 Uhr

Ceta-Gegner

„Die Wallonen sehnen sich nach Identität“

Die Wallonie hält Europa in Atem. Die belgische Region könnte das Freihandelsabkommen mit Kanada platzen lassen – und damit die Europäische Union blamieren. Wie der Widerstand in der Provinz funktioniert.

Ceta-Endspurt

Ceta: Warum kann Wallonien die ganze EU blockieren?

Ceta-Endspurt: Ceta: Warum kann Wallonien die ganze EU blockieren?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

CharleroiDie Wallonie, das gallische Dorf: Die 3,6 Millionen französischsprechenden Belgier gelten manchem als ebenso liebenswert aufmüpfig wie einst Asterix und Obelix. Weil sie bislang das EU-Kanada-Freihandelsabkommen blockieren, sind die Wallonen für Ceta-Gegner die letzten Kämpfer, die noch Widerstand gegen eine Übermacht leisten.

Viele Menschen mögen den Außenseiter, der mit Raffinesse und Chuzpe den Großen zum Stolpern bringt. Das ist nicht nur beim Fußball so. Wer Ceta-Gegner sucht, kann in der größten wallonischen Stadt, in Charleroi, welche finden. Der Ort ist die Heimat des sozialistischen Regierungschefs der Wallonie, Paul Magnette. Der Mann ist auch Bürgermeister der Stadt.

„Es ist das erste Mal, dass ich Magnette zustimme“, sagte eine Frau in einem Café in der Innenstadt. Sie unterstütze ihn eigentlich nicht, aber diesmal eben doch. „Ceta ist schlecht für Belgien“, wiederholt sie immer wieder. Auch ihre Tochter, die in Brüssel Medizin studiert, sehe das so, betont die 48-Jährige.

Ceta-Verhandlungen: Ein „Weiter so“ darf es nicht geben

Ceta-Verhandlungen

Ein „Weiter so“ darf es nicht geben

Das Hin und Her bis zur Unterzeichnung des kanadisch-europäischen Freihandelsabkommens Ceta sollte ein Weckruf für die Europäische Union und ihre Mitgliedsstaaten sein. Es muss sich etwas ändern. Ein Kommentar.

Sie arbeitet als Labortechnikerin und ist auf einem Bauernhof in der Wallonie aufgewachsen. Die kanadischen Farmer könnten günstiger produzieren und würden die belgische Landwirtschaft zerstören, erklärt die Frau. Und: „Ich will lokale Sachen essen.“ Ähnliches sagen Viele in Charleroi, das rund fünfzig Kilometer südlich von Brüssel liegt. Mitten in der Wallonie.

In Charleroi sagt man: Die Niederländer machen Witze über flämische Belgier, die Flamen machen Witze über die Wallonen, und der Rest der Wallonie macht sich über Charleroi lustig. Leser der niederländischen Zeitung „Volkskrant“ wählten es einmal zu „hässlichsten Stadt der Welt“. Das Selbstwertgefühl einer Stadt könnte gepflegter sein. Symbol der Traurigkeit ist eine seit vielen Jahren nie genutzte U-Bahn-Strecke.

Rund 200.000 Menschen leben in der Industriestadt, die leidet. Fast jeder Vierte hat keinen Job. Und bald schließt ein amerikanischer Baumaschinen-Hersteller ein Werk.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×