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16.08.2011

20:10 Uhr

Chancen der Trannsaktionssteuer

Die alte Dame kehrt zurück

VonAnja Müller, Oliver Stock

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy haben schon mehrmals Vorstöße in Richtung Transaktionssteuer angekündigt. Passiert ist bisher nichts, was gute Gründe hat.

Der mittlerweile verstorbene Nobelpreisträger James Tobin gilt als geistiger Vater der Transaktionssteuer. Quelle: Associated Press

Der mittlerweile verstorbene Nobelpreisträger James Tobin gilt als geistiger Vater der Transaktionssteuer.

Thorsten Beck bezeichnete gegenüber dem Handelsblatt die Finanztransaktionssteuer einmal als eine "in Ehren ergraute alte Dame". Der Professor für Finanzwesen im niederländischen Tilburg und Leiter des European Banking Centers meint damit, dass diese Steuer immer mal wieder in den Blick von Wissenschaftlern, Politikern und gesellschaftlichen Gruppen gerückt sei. In Zeiten der aktuellen Krisenbewältigung soll sie nicht nur die Spekulationen begrenzen, sondern auch noch Geld in die öffentlichen Haushalte spülen und die Banken in die Verantwortung nehmen. Doch bislang ist die gute alte Dame noch in keinem Land angekommen.

Die Transaktionssteuer geht auf den US-Ökonomen James Tobin zurück. 1972 hatte er sie entworfen. Die Idee: Mit einer sehr niedrigen Steuer von zum Beispiel 0,05 Prozent auf alle internationalen Devisentransaktionen wollte Tobin kurzfristige Spekulationen auf Währungsschwankungen unattraktiver machen. Um Einnahmen ging es dem inzwischen verstorbenen Nobelpreisträger von 1981 nicht. Seit fast vierzig Jahren aber taucht die Transaktionssteuer immer wieder in der öffentlichen Diskussion auf.

Mit schöner Regelmäßigkeit erscheinen wirtschaftswissenschaftliche Studien, mehrere haben gezeigt, dass durch höhere Transaktionskosten, also auch durch eine Besteuerung der Transaktionen die Liquidität in den Märkten sinkt. Dieser Verlust an Geschäftsvolumen aber führt dazu, dass die besteuerten Transaktionen eher stärker schwanken, der Markt also volatiler wird und somit anfälliger für Spekulationen. Wissenschaftler haben dies bereits 2006 empirisch an der Pariser Börse ermittelt.

Harald Hau zum Beispiel macht keinen Hehl daraus, wie falsch er das Gerede von "dem bösen Treiben auf den Finanzmärkten" findet. Der Professor für Finanzwirtschaft an der Business School Insead im französischen Fontainebleau drückte sich im vergangenen Jahr im Gespräch mit dem Handelsblatt allerdings etwas akademischer aus, und sprach von einer "tiefgreifenden intellektuellen Verwirrung".

Für weitere Verwirrung sorgt aber noch ein anderer Umstand rund um die Transaktionssteuer. Während Tobin nur Devisentransaktionen besteuern wollte, haben es Merkel und Sakozy voraussichtlich auf alle Finanzmarkttransaktionen, also auch Aktien, Anleihekäufe und Derivate abgesehen.

"Ein viel zu komplexes Unterfangen", findet Paul Bernd Spahn. Der mittlerweile emeritierte Professor hatte 2002 im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung eine Machbarkeitsstudie über die Tobin-Steuer verfasst und dabei eine eigene nach ihm benannte Spahn-Steuer entwickelt, die international viel beachtet wurde.

Kommentare (10)

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Krtiker

16.08.2011, 20:29 Uhr

Guter, informativer und seriöser Beitrag. Wieso nicht immer so?

SeriousSam

16.08.2011, 20:49 Uhr

"Wenn die EU zum Beispiel die Steuer einführen würde, verlören die Europäer langfristig Umsatz an ihren Börsen"

Und was soll daran schlecht sein?

Account gelöscht!

16.08.2011, 21:00 Uhr

Keine Eurobonds. Kein Auflösen der EU. Nein, wir eperimentieren mit einer Transaktionssteuer, deren Ausgang nur schwer abschätzbar ist. Schwankende Kurse, Verlust von Umsatz an Börsen, wenig lequide Märkte werden noch mehr benachteiligt. Außerdem, großer Aufwand, noch mehr Bürokratie und wann bitte soll das los gehen, wenn die Börsen bereits alle geschlossen sind, wir ohne Strom in Strohhäusern leben? Danke!

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