Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.08.2014

14:41 Uhr

Chaos in den Nachbarländern

Der syrische Bürgerkrieg greift um sich

Islamisten erobern Gebiete im Irak und kämpfen gegen die Armee im Libanon. Immer deutlicher greift der syrische Bürgerkrieg auf die Region über – Jordanien reagiert mit drastischen Mitteln.

Attentate, Grenzkämpfe, ausgewiesene Flüchtlinge. Der Bürgerkrieg in Syrien breitet sich auf die Nachbarländer aus. Längst brennt es buchstäblich an allen Fronten. dpa

Attentate, Grenzkämpfe, ausgewiesene Flüchtlinge. Der Bürgerkrieg in Syrien breitet sich auf die Nachbarländer aus. Längst brennt es buchstäblich an allen Fronten.

BeirutImmer deutlicher wirken sich die Schrecknisse des syrischen Bürgerkrieges auf die Nachbarländer aus. Nach den raschen Eroberungen großer Teile des Irak durch die in Syrien stationierte Islamistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) kämpfen nun auch im Libanon Extremisten aus Syrien gegen das dortige Militär. IS-Kämpfer selbst attackieren neben christlichen Dörfern im Irak erneut auch Militärbasen in Syrien.

In der an der Grenze zu Syrien gelegenen libanesischen Stadt Arsal bekämpfen sich seit einer knappen Woche das libanesische Militär und dschihadistische Extremisten. Bei den Dschihadisten handelt es sich nach Angaben eines Militärsprechers um Anhänger der Al-Kaida nahe stehenden Rebellenmiliz Al-Nusra-Front. Am Samstag hatten sie Stellungen in Arsal angegriffen und mehrere libanesische Polizisten als Geiseln genommen.

Nach Angaben der libanesischen Nachrichtenagentur NNA hat die Armee am Donnerstag sieben Polizisten aus der Gewalt der Extremisten befreien können. Die Polizisten seien beim Sturm auf ein von den Extremisten besetztes Krankenhaus befreit worden. 20 Soldaten befänden sich hingegen noch in Geiselhaft, sagte ein Armeesprecher der dpa. Mindestens 16 Soldaten wurden bei den Gefechten bisher getötet.

Der Assad-Clan in Syrien

Maher al-Assad

Der jüngere Bruder des Präsidenten befehligt Eliteeinheiten der Armee. Er gilt als aufbrausend und skrupellos und soll bei der blutigen Niederschlagung der Proteste das Kommando führen.

Assef Schawkat

Der Ehemann von Buschra al-Assad, der einzigen Schwester des Präsidenten, machte Karriere im Geheimdienst und war Vize-Kommandeur der Armee. Nach EU-Angaben ist er inzwischen stellvertretender Stabschef für Sicherheit und Aufklärung. Assads Schwager gilt als der „Mann fürs Grobe“.

Rami Machluf

Der Cousin des Machthabers ist ein einflussreicher Geschäftsmann und einer der reichsten Männer Syriens. Er unterstützt das Regime finanziell.

Hafis Machluf

Der Cousin hat eine führende Position in der Geheimdienstzentrale in Damaskus inne. Ihm wird eine Beteiligung am gewaltsamen Vorgehen gegen Demonstranten vorgeworfen.

Dhu al-Himma Schalisch

Der Cousin leitet die Schutzeinheit des Präsidenten. Er soll sich am brutalen Vorgehen gegen die Demonstranten beteiligt haben.

Die Kämpfe in Arsal waren am Mittwoch von einer mehrstündigen Waffenruhe unterbrochen worden. Muslimische Geistliche aus der libanesischen Hafenstadt Tripolis hatten die Feuerpause vermittelt. Ein Sprecher sagte, bei den Dschihadisten handele es sich um mehrere verschiedenen Gruppen.

Nach Schätzungen libanesischer Medien sind rund 40 000 Bürger und 120 000 syrische Flüchtlinge in der Region um Arsal eingeschlossen. Ali Hudschairi, der Bürgermeister von Arsal, sagte der dpa in einem Telefongespräch, es gebe bereits eine Vielzahl ziviler Verletzter. Vor Ort habe man jedoch nur ein Krankenhaus und fast keine Medikamente mehr.

Auch in Syrien sprengten sich am Donnerstag drei Selbstmordattentäter an einer Militärbasis im syrischen Al-Rakka in die Luft. Mindestens 27 Soldaten seien dabei ums Leben gekommen. Insgesamt kontrolliert die IS fast ein Drittel Syriens, vor allem die Provinzen Al-Rakka und Dair as-Saur im Osten des Landes.

In Jordanien haben die Behörden ein Einreiseverbot für palästinensisch-stämmige Syrer erteilt. Das berichtet die Organisation Human Rights Watch. Demnach wird nicht nur Flüchtlingen kein Asyl gewährt - auch bereits nach Jordanien geflohene syrische Palästinenser seien nach Syrien zurück gebracht worden. Syrisch-stämmige Flüchtlinge - in Jordanien sind seit Beginn des Bürgerkrieges rund 607 000 untergekommen - würden hingegen nicht belangt. Human Rights Watch gründet seinen Report auf Interviews mit über 30 Flüchtlingen.

Von

dpa

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Wolfgang Trantow

07.08.2014, 15:55 Uhr

Genau diese Leute will unser Bundespräsident hier haben: Terroristen, faule Sozialschmarotzer und Leute, die sich weigern mit den Nachbar in Frieden zu leben!

Herr Ralf Uhlhorn

07.08.2014, 16:28 Uhr

@Trantow
Wen meinen Sie jetzt genau?! Wissen Sie wohl selbst nicht. Ist ja auch so unübersichtlich geworden, diese moderne Welt. Ich empfehle einen einwöchigen Aufenthalt in einem jordanischen Flüchtlingslager. Dann können Sie mitreden. Danach lieber drei Wochen Badeurlaub am Roten Meer. Jordanien hat ganz selbstverständlich über 600.000 Flüchtlinge aufgenommen, die grad nichts besseres zu tun hatten, als ihre Heimat in Syrien fluchtartig zu verlassen. 10% der Einwohnerzahl. Das wären 8 Mio in Deutschland. Wir sollten zumindest 1% aufnehmen. Könnten wir uns absolut leisten und wär doch sicher aus Nächstenliwbe auch in Ihrem Sinne.

Frau Lisa Walter

07.08.2014, 17:58 Uhr

Es wird Zeit, dass die Welt die wachsende Gefahr des religiösen Faschismus erkennt. Seit Jahren schaut die Weltgemeinschaft den religiösen Säuberungen z.B. im Irak und Nigeria schweigend zu. Der ex-Präsident von Ägypten bezeichnete Juden als Schweine und Affen und forderte die Ägypter auf ihre Kinder zum Hass gegen Juden zu erziehen. Haben Sie jemals davon was in unseren Nachrichten gehört? In zahlreichen Ländern (wie z.B. Pakistan) kann einem die freie Religionswahl das Leben kosten. Und unsere Medien schweigen. Wer interessiert sich schon für die Christen in Nigeria, die fast täglich Opfer von Angriffen werden. Wo bleiben die Lichterketten? Wir leben wirklich in seltsamen Zeiten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×