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03.02.2011

10:40 Uhr

Chaos in Kairo

„Selbst in Bagdad ist es sicherer als hier“

VonMathias Brüggmann , Martin Gehlen

In Kairo regiert das Chaos: Touristen müssen Schmiergeld zahlen um aus dem Hexenkessel auszufliegen, selbst Iraker verlassen das Land. Inzwischen ist klar: Mubarak hat seine Schläger gezielt auf das Volk gehetzt, um Angst und Terror zu verbreiten. Doch russische Touristen planschen weiter im Roten Meer.

Die Strassenschlachten zwischen Anhängern und Gegnern Mubaraks könnten heute noch zunehmen. dpa

Die Strassenschlachten zwischen Anhängern und Gegnern Mubaraks könnten heute noch zunehmen.

KAIRO. Die erbitterten Straßenschlachte in Kairo mit Molotow-Cocktails, Steinen, Stahlrohren und vereinzelt auch mit Jagdgewehren haben eine neue Dimension angenommen. Inzwischen kehren sogar Iraker in ihre Heimat zurück. "Selbst in Bagdad ist es jetzt sicherer als hier", sagte eine 36-jährige Irakerin, die mit ihrer Familie einen Flug ins nordirakische Basra nahm. "Vor allem die wachsenden Probleme mit der Benzinversorgung und sogar mit Brot" lässt sie Zuflucht in ihrer noch immer durch Selbstmordattentate und Entführungen erschütterten irakischen Heimat suchen. Die brutalen bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen haben in der Nacht nach offiziellen Angaben fünf Tote und weitere 600 zum Teil schwer Verletzte gefordert.

Noch immer sind nicht alle Menschen, die das Land verlassen wollen, ausgeflogen worden. Egypt Air musste drei Viertel seiner Flüge streichen, weil wegen Straßensperren und Ausgangssperre viel zu wenig Personal zur Verfügung steht. Immer wieder kommt es dabei nach Angaben von ausreisewilligen Touristen dazu, dass sie Schmiergeld zahlen müssten, um in ihr Flugzeug zu kommen.

Mittlerweile gibt es auch Belege dafür, dass die Regierung die Straßenschlachten gezielt inszeniert hat. Nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen am vergangenen Freitag, hatte das Regime Mubarak am Wochenende die gesamte Polizei von den Straßen geholt und stattdessen seine zivilen Schläger losgeschickt. Das Ganze war offenbar minutiös geplant, um die Bürger in Angst und Schrecken zu versetzen - wie ein von dem inzwischen untergetauchten Innenminister Habib Al-Adli unterzeichnetes Geheimpapier belegt.

Das als „hoch geheim“ klassifizierte Strategiepapier „gegen einen Volksaufstand“ war der Opposition in einer der geplünderten Polizeistationen die Hände gefallen. Danach sollte die Polizei der zu erwartenden Übermacht der Demonstranten zunächst Widerstand leisten, dann sich total zurückziehen und den Regierungsschlägern in Zivil das Feld überlassen.

Kommentare (4)

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aruba

03.02.2011, 11:54 Uhr

Guten Tag;.... Freunde ihr neigt zur Uebertreibung. besten Dank

hilde

03.02.2011, 13:33 Uhr

@ aruba

Fliegen Sie doch hin, um zu sehen, ob die "Freunde" übertreiben, anstatt von ihrer Couch in Deutsch-Schlaraffenland gemütlich Kommentare abzulassen

hilde

03.02.2011, 13:36 Uhr

@ aruba

Fliegen Sie doch hin, um zu sehen, ob die "Freunde" übertreiben, anstatt von ihrer Couch in Deutsch-Schlaraffenland gemütlich Kommentare abzulassen

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