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04.05.2017

16:42 Uhr

Chaos in Venezuela

Caracas brennt, der Präsident tanzt

Droht Bürgerkrieg im einst so reichen Venezuela? Tränengas, Schüsse, ein Panzerwagen überfährt einen Demonstranten. Ein guter Kenner des Machtapparats warnt davor, Präsident Maduro zu unterschätzen.

Die blutigen Proteste gegen Präsident Maduro, bei denen bisher mehr als 30 Menschen starben, gehen weiter. dpa

Krise in Venezuela

Die blutigen Proteste gegen Präsident Maduro, bei denen bisher mehr als 30 Menschen starben, gehen weiter.

CaracasNicolás Maduro lässt sich neuerdings gerne dabei filmen, wie er mit seinem Auto durch Caracas kurvt. „Da, meine Arbeitskollegen“, sagt Venezuelas Präsident, als es an einer Busstation vorbeigeht – er war früher Busfahrer. Dann schimpft er am Steuer über diese „Terroristen der Opposition“. Ansonsten ist seine Welt ganz in Ordnung. Der Höhepunkt in dieser Woche: Er tanzt im Staatsfernsehen fröhlich zu Salsaklängen, während draußen seine Polizei Tränengas auf Demonstranten schießt.

Ein entsprechendes Video, das vom Fernseher auf die Straße schwenkt, sorgt für viel Wut. Von Diktatur, von der Banalität des Bösen ist in sozialen Netzwerken die Rede. Zumal wenig später noch ein Panzerwagen mitten in eine Menge hineinfährt und junge Menschen überrollt. Es gibt mehrere Schwerverletzte. Die Protestler hatten zuvor Molotowcocktails geworfen und so den Panzerwagen in Brand gesteckt.

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Das ölreichste Land der Welt versinkt im Chaos. Millionen haben diese Variante eines südamerikanischen Sozialismus satt, den Mangel an Lebensmitteln und Medizin. Sie glauben Maduro schon lange nicht mehr, dass nur der niedrige Ölpreis schuld sei. Es gibt viele Berichte über Bereicherungen und Verwicklungen hoher Amtsträger in Kokaingeschäfte.

Der Blutzoll seit Ausbruch der Proteste im April: 33 Tote. Hinzu kommen rund 1000 Verletzte und über 1300 Festnahmen. Der Mann mit dem markanten schwarzen Schnauzer versteht es, Parallelwelten zu erzeugen, abzulenken.

Als seine bisher größte Blendgranate sieht die Opposition den Versuch, eine Verfassungsgebende Versammlung einzuberufen. Da viele Mitglieder aus sozialen Bewegungen und Gewerkschaften kommen sollen, die den Sozialisten nahestehen, befürchten nicht wenige den Umbau zu einer Diktatur. Zumal Maduro das Parlament, in dem die Opposition die Mehrheit hält, in seiner jetzigen Form als „armselig“ bezeichnet.

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Der Präsident lässt 500.000 Milizen bewaffnen, „Colectivos“ genannte Motorradbanden attackieren Demonstranten, oft wird scharf geschossen. „Sie wissen nicht, was wir in der Lage sind zu tun“, warnte Maduro zuletzt. Neuwahlen lehnt er ab.

Wie fest sitzt er noch im Sattel? Treffen mit Nicmer Evans in Caracas. Er war in leitender Funktion im Bildungsministerium tätig, ein profunder Kenner des Machtapparats. Er hat mit Maduro gebrochen und ist heute der Kopf der Bewegung „Marea Socialista“, die einen neuen Weg der Mitte einschlagen, das Gute des Chavismo, des von Hugo Chávez begründeten Projekts eines „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ bewahren will. „Laut einer Umfrage sind 57 Prozent weder für die Chavistas noch für den MUD“, sagt Evans. MUD, das steht für „Mesa de Unidad Democratica“, das konservativ-liberale Oppositionsbündnis, das seit Wochen gegen Maduro auf die Straße geht.

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