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09.01.2015

07:28 Uhr

„Charlie-Hebdo“-Anschlag

Verdächtiger war im Terrorcamp von Al-Qaida

Mit einem Großaufgebot hetzt die französische Polizei die mutmaßlichen „Charlie-Hebdo“-Attentäter, bislang aber ohne Erfolg. Mittlerweile mehren sich die Hinweise, dass die Brüder Kontakt zu Al-Qaida hatten.

Licht aus in Paris

Frankreich schaltet Eiffelturm-Beleuchtung aus

Licht aus in Paris: Frankreich schaltet Eiffelturm-Beleuchtung aus

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ParisDie französische Polizei ist bei der Suche nach den beiden islamistischen Terroristen in der Nacht nicht vorangekommen. Am späten Donnerstagabend brachen die Sicherheitskräfte eine Suchaktion in einem Waldstück in Nordfrankreich, etwa 80 Kilometer von Paris entfernt, ergebnislos ab.

Wie mehrere französische Medien berichteten, blieben einige Polizeieinheiten aber in der Region. Sie kontrollierten weiter Straßen und Häuser. Auch Hubschrauber waren im Einsatz. Die verdächtigen Brüder Chérif (32) und Said K. (34) blieben aber knapp 40 Stunden nach der blutigen Terrorattacke auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ mit zwölf Toten unauffindbar.

Suche nach Terroristen von Paris

Nordfrankreich: Polizei durchsucht Haus für Haus

Suche nach Terroristen von Paris: Nordfrankreich: Polizei durchsucht Haus für Haus

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Die Regierung hatte landesweit 88.000 Einsatzkräfte mobilisiert, um die mit Kalaschnikow und Panzerfaust bewaffneten Attentäter zu fassen und weitere Terrorakte zu verhindern. Für Freitagmorgen (8.30 Uhr) hat Präsident François Hollande sein Krisenkabinett erneut zu einer Sondersitzung einberufen.

USA hatten die Attentäter im Visier

Unterdessen wurde Neues über den Hintergrund der Terrorverdächtigen bekannt. Einer der beiden soll zum Terrortraining im Jemen gewesen sein, wie der Fernsehsender CNN und die „New York Times“ berichteten. Die US-Zeitung schrieb unter Berufung auf einen hochrangigen US-Regierungsvertreter, Said K. habe 2011 einige Monate bei einer örtlichen Al-Qaida-Einheit den bewaffneten Kampf trainiert. Dies sei auch auf den Videos von der Attacke auf „Charlie Hebdo“ erkennbar.

Frankreichs Politik sucht Wege nach dem Terror

Bricht Frankreich auseinander?

Präsident François Hollande setzt auf die Karte nationale Einheit. Schon kurz nach dem blutigen Attentat rief er die Franzosen auf, in dieser Zeit zusammenzustehen. Unterstützung hat der 60-Jährige bitter nötig. Hollande ist bei den Franzosen unbeliebt wie kein Staatschef vor ihm in der Nachkriegszeit. Im lange verkrusteten Frankreich sind seine Reformen umstritten, vielen gehen sie auch nicht weit genug. Nach dem Mordanschlag setzt Hollande auf parteiübergreifende Absprachen. Am Mordtag empfing er die Spitzen der in Frankreich relevanten Religionen, zudem lud er seine politischen Gegner zu Gesprächen in den Élyséepalast ein. Unklar bleibt, ob sein Ziel verfängt.

Bekommt der Staatschef Unterstützung der Opposition?

Nicolas Sarkozy, Vorgänger auf dem Präsidentenposten, ist in seiner Reinkarnation als Chef der konservativen UMP wichtigster Widersacher Hollandes. Der 59-Jährige, dessen Streben nach einem Wiedereinzug in den Präsidentenpalast in Frankreich als ausgemachte Sache gilt, präsentierte sich staatstragend. Es sei seine Pflicht gewesen, auf die Einladung in den Élysée zu reagieren. Er habe damit ein Klima der nationalen Einheit bezeugen wollen, sagte Sarkozy. Bei Forderungen nach verbessertem Terrorschutz setzt der UMP-Chef nach eigenen Worten nicht auf einen Gegensatz von Rechts oder Links. Er sieht einen besseren Schutz des Landes im Mittelpunkt.

Wie ist die Lage für Muslime und Ausländer im Land?

Die Integration von Ausländern, das Nebeneinander der Ethnien ist ein heißes Eisen in Frankreich. Das Verhältnis zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen gilt als angespannt wie lange nicht. In Frankreich leben nach Schätzungen bis zu fünf Millionen Muslime, viele von ihnen in den vernachlässigten Vorstädten. Dort ist fast die Hälfte der Menschen arbeitslos. Der Frust lässt junge Muslime nach Alternativen suchen. Angeblich haben sich etwa 1000 junge Franzosen der Terrormiliz Islamischer Staat angeschlossen.

Kann die Rechtsextreme auf Zulauf hoffen?

Die Chefin der rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, kann nicht nur auf eine Reihe von Erfolgen zurückblicken. Bei der Europawahl war die eurokritische FN sogar stärkste Kraft in Frankreich noch vor Konservativen und Sozialisten. Dabei setzt sie auch auf islam- und ausländerfeindliche Argumente. Der Anschlag von Paris und die Angst vor Gewalt von Islamisten könnte den Rechtsextremen weiter Auftrieb geben. Le Pen betonte als eine der ersten, islamische Fundamentalisten hätten den Anschlag verübt. Für den Fall ihrer Wahl zur Staatspräsidentin 2017 schlägt sie bereits noch schärfere Töne an: Sie will eine Abstimmung über die Wiedereinführung der Todesstrafe.

Einer der beiden mutmaßlichen Attentäter von Paris war nach Angaben des US-Senders CNN außerdem im vergangenen Jahr in Syrien. Welcher der beiden Männer nach Syrien gereist sei, sei allerdings unklar, berichtete der Sender unter Berufung auf französische Sicherheitskreise. Bei dem Angriff sollen die Attentäter angeblich gesagt haben, sie seien von Al-Qaida. Manche Augenzeugen erklärten, die Männer hätten gerufen, sie seien von Al-Qaida im Jemen.

Zugleich hieß es bei CNN und der „New York Times“, auch die USA hätten die beiden Attentäter im Visier gehabt. So hätten die beiden terrorverdächtigen Franzosen unter anderen auf einer No-Fly-Liste gestanden, was ihnen Flüge in die USA untersagte. US-Geheimdienste versuchten derzeit herauszufinden, ob der Al-Qaida-Ableger im Jemen den Anschlag in Paris befohlen hat. Bisher gebe es aber keine Hinweise darauf.

Nach dem Fund von Molotow-Cocktails und einer Islamistenflagge in einem Fluchtauto in Paris gehen die französischen Ermittler davon aus, dass das Duo weitere Anschläge geplant hatte. Die Polizei nahm neun Personen aus dem Umfeld der mutmaßlichen Terroristen in Gewahrsam, wie Innenminister Bernard Cazeneuve am Donnerstagabend bekanntgab.

Die Polizei soll nach Medienberichten in Nordfrankreich auch das zweite Fluchtauto der mutmaßlichen Attentäter gefunden haben. Laut „Le Monde“ bestätigte die Polizei dies jedoch nicht. Nach Informationen der Zeitung hatten am Donnerstagmorgen gegen 9.30 Uhr zwei Männer eine Tankstelle bei Villers-Cotterêt überfallen. Es sollen nach Darstellung des Besitzers die mutmaßlichen Attentäter gewesen sein. Seitdem gebe es aber keinen Hinweis darauf, wo sich die Brüder befinden.

Kommentare (10)

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Herr Kurt Küttel

09.01.2015, 08:39 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Vittorio Queri

09.01.2015, 09:14 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Erik Wikinger

09.01.2015, 09:15 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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