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14.01.2015

07:56 Uhr

„Charlie Hebdo“

Eine Redaktion besiegt den Todeskult der Terroristen

VonThomas Hanke

Der Schrecken des Attentates auf „Charlie Hebdo“ sitzt noch tief. Dennoch erscheint heute die erste Ausgabe nach dem Terroranschlag. Die Unterstützung ist enorm.

Charlie Hebdo

„Es tut mir leid, wir haben ihn wieder abgebildet“

Charlie Hebdo : „Es tut mir leid, wir haben ihn wieder abgebildet“

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ParisSie haben es geschafft: Die Redaktion von „Charlie Hebdo“ hat dem Todeskult der Terroristen eine Nase gedreht und eine „reguläre“ Ausgabe der satirischen Wochenzeitung produziert. Normal ist an dieser Nummer allerdings nichts, weder die Umstände, unter denen sie produziert wurde, noch die Redaktion, die nach der Ermordung von fünf Karikaturisten und zwei weiteren Mitarbeitern am Mittwoch vergangener Woche in Paris nur noch eine Rumpfmannschaft ist.

Aber gleichzeitig war Charlie noch nie so groß: „Die Solidarität der anderen Medien war großartig, bewegend“, sagt der Anwalt der Zeitung Christophe Thévenet. Die französischen Kollegen haben die Produktion ermöglicht, indem sie Räume (Libération), Computer (Le Monde) und sonstiges Material (viele andere) zur Verfügung stellten.

Zwei Seiten der neuesten Ausgabe der satirische Wochenzeitung „Charlie Hebdo“.

Zwei Seiten der neuesten Ausgabe der satirische Wochenzeitung „Charlie Hebdo“.

Und aus dem Ausland kam Hilfe: Zwei Innenseiten wurden von ausländischen Zeichnern gestaltet. Die Ausgabe vom Mittwoch wird in einer Auflage von drei Millionen gedruckt, rund 300.000 sollen ins Ausland gehen. Vorab wurden bereits zwei Seiten veröffentlicht (hier geht's zum Download).

Auf die Verkaufsstellen des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ gab es am Mittwochmorgen einen riesigen Ansturm. An etlichen Pariser Zeitungskiosken war die erste Ausgabe des Blattes seit dem Attentat auf die Redaktion innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Viele Stammkunden hätten sich schon im Vorfeld Exemplare reserviert, berichteten Verkäufer.

Auf der ganzen Welt ist der Slogan „Ich bin Charlie“ mittlerweile bekannt. Am Dienstag stellten sich zwanzig Besucher der amerikanischen Notenbank Fed vor der Banque de France auf mit einem großen Schild: „Ich bin Bernard“, eine Hommage an Bernard Maris, Mitglied des Aufsichtsrats der Banque de France und Kolumnist von Charlie Hebdo, der am vergangenen Mittwoch eines der Opfer der Terroristen wurde.

Die offenen Fragen zu den Paris-Anschlägen

Gehen noch mehr Anschläge auf das Konto der Islamisten?

Amédy Coulibaly (der Supermarkt-Geiselnehmer) verübte womöglich noch zwei weitere Anschläge: Am vergangenen Mittwochabend wurde in Fontenay-aux-Roses südlich von Paris ein Jogger durch Schüsse verletzt. Die Ermittler bringen eine im von ihm überfallenen jüdischen Supermarkt gefundene Pistole der Marke Tokarew mit den Schüssen auf den Jogger in Verbindung.

Am Donnerstag detonierte zudem in Villejuif bei Paris eine Autobombe, ohne dass es Verletzte gab. In einem mutmaßlichen Bekennervideo Coulibalys ist unter anderem von einem „Sprengsatz“ an einem Auto die Rede, laut Ermittlern gibt es bei der Tat noch mehr Hinweise für eine Verbindung zu dem Islamisten.

Hatten die Attentäter Komplizen?

Premierminister Manuel Valls sprach am Montag von vermutlich mindestens einem Komplizen. Coulibaly habe "wahrscheinlich einen Komplizen" gehabt, sagte der Regierungschef. Darauf deutet auch das Bekennervideo des Islamisten hin: Dort ist von der Geiselnahme im jüdischen Supermarkt die Rede, bei der Coulibaly am Freitagnachmittag von Elite-Einheiten erschossen wurde. Das Video wurde also von einem Dritten angefertigt. Möglich ist auch, dass ein Komplize mit der später bei Coulibaly gefundenen Tokarew-Pistole auf den Jogger in Fontenay-aux-Roses schoss.

Auch bei den Kouachi-Brüdern war immer wieder die Rede von einem möglichen dritten Beteiligten beim Anschlag auf „Charlie Hebdo“. Ein junger Mann, der zwischenzeitlich als Fahrer verdächtigt wurde, wurde aber entlastet.

Woher hatten die Attentäter Geld und Waffen?

Die Islamisten hatten ein wahres Arsenal an Waffen und Sprengstoff bei sich. Ein Experte schätzt den Schwarzmarkt-Preis der bei den Kouachi-Brüdern gefundenen Waffen auf 7000 Euro, bei Coulibaly auf 6000 Euro. Unklar ist, woher das Geld kam und wie die Attentäter sich die Waffen besorgten. Zumindest Coulibaly war als Wiederholungstäter bei Straftaten wie Diebstahl, Raub und Drogenhandel bekannt.

Bildeten die Attentäter eine Terrorzelle?

Die Ermittler gehen der Frage nach, ob die Islamisten eine durchorganisierte Terrorzelle bildeten - und ob sie womöglich sogenannte Schläfer waren, die von Al-Kaida aktiviert wurden. Chérif Kouachi gab an, von Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) beauftragt worden zu sein. Coulibaly bezeichnete sich als Mitglied des IS. Weder Al-Kaida noch der Islamische Staat haben sich aber zu der Anschlagsserie von Paris bekannt. Die Ermittler untersuchen auch die Verbindungen, die die Kouachi-Brüder und Coulibaly mit anderen Islamisten in Frankreich hatten.

Wie oft reisten die Attentäter ins Ausland?

Chérif und Said Kouachi reisten 2011 beide in den Jemen, zumindest Said wurde dort offenbar von Al-Kaida im Umgang mit Waffen ausgebildet. Said soll auch 2009 und 2013 in dem Land gewesen sein, das als Hochburg von Islamisten bekannt ist. Bestätigt ist dies aber nicht. Bei Coulibaly sind dagegen keine Auslandsreisen in gefährliche Gebiete bekannt, wie Premier Valls sagte.

Die Nachfrage nach der neuen Nummer ist gewaltig: Die französischen Kioskbesitzer nahmen schon am Dienstag keine Vorbestellungen mehr entgegen. „Ich weiß nicht genau, wie viele Exemplare ich bekomme, da mache ich lieber keine Versprechungen“, sagte einer, „ich bin jetzt bei 182, da will ich Sie lieber nicht enttäuschen“, ein anderer. Nicht nur dank dieser Nachfrage ist die wirtschaftliche Zukunft der Zeitung erst einmal gesichert, sie hat außerdem Spenden in Höhe von 950.000 Euro erhalten, berichtet Thévenet. Das reiche, um eine neue Redaktion aufzubauen.

Kommentare (2)

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Herr Edmund Stoiber

14.01.2015, 08:58 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

14.01.2015, 09:06 Uhr

Die Politik in EU-Deutschland verkriecht sich hinter ihrer Angst vor dem Terror anstatt, vor Ort, zu handeln.
Wer den Terror besiegen will, der muss an der Wurzel und damit in den Stammländern des Terrors ansetzen. Gesetze, Trauer, Empörung und Image-Pflegende Politiker nützen und schützen uns nicht vor dem Terror, dessen Stammsitz in der Islamischen Welt ist.
Und wenn die detusche Regierung soweiter macht mit ihren Verständnis für den Islam und keine klare Kante und Regeln mitdem Islam mehr in Detuschland vorgibt, dann wird der Islam und damit unweigerlich der Terror in Deutschland einen Standort erhalten.

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