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07.01.2015

17:09 Uhr

„Charlie Hebdo“

Mit Spaß gegen die Islamisten

VonNiklas Dopheide

Der blutige Anschlag auf das Pariser Magazin „Charlie Hebdo“ erschüttert die Meinungsfreiheit. Das Satireblatt machte immer wieder mit teils derber Satire Schlagzeilen. Der Herausgeber stand zuletzt unter Polizeischutz.

"Charlie Hebdo"

Video zeigt Attentäter in Paris

"Charlie Hebdo": Video zeigt Attentäter in Paris

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DüsseldorfFrankreich steht unter Schock. Am heutigen Mittwoch sind mehrere bewaffnete Männer in die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ eingedrungen und haben nach Angaben der Staatsanwaltschaft mindestens zwölf Menschen erschossen. Darunter sind laut Staatsanwaltschaft der Herausgeber des Blatts, Stephane Charbonnier, genannt „Charb“, und die Zeichner Wolinski, Cabu und Tignous.

Warum „Charlie Hebdo“? Das Magazin ist dafür bekannt, neben Politik- und Wirtschaftsgrößen auch mit teilweise derber Kritik religiösen Fanatismus aufs Korn zu nehmen. Bis zuletzt nahm „Charlie Hebdo“ dabei kein Blatt vor den Mund. Der Name „Charlie“ ist an die bekannte Figur Charlie Brown aus der Serie „Peanuts“ angelehnt. „Hebdo“ ist die Kurzform von „hebdomadaire“, was übersetzt „Wochenzeitschrift“ bedeutet.

Das Wochenmagazin ist für seine linkspolitische Haltung und investigativen Journalismus bekannt. Nach Angaben des Verlags beträgt die wöchentliche Auflage etwa 75.000 Exemplare, in der Redaktion sind rund 20 Menschen beschäftigt. Der Inhalt ist am ehesten mit dem des deutschen Satiremagazins „Titanic“ zu vergleichen. Die Ausreizung von gesellschaftlichen Grenzen und Tabus liegt in der DNA der Zeitung.

Islamistischer Terror in Europa

Seit dem 11. September 2001

Seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 gab es auch in Europa eine Reihe islamistischer Attentate. Manche Pläne konnten gerade noch vereitelt werden. Beispiele:

März 2004

Bei Sprengstoffanschlägen auf Pendlerzüge in Madrid sterben 191 Menschen, etwa 1500 werden verletzt.

2. November 2004

Der Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh wird in Amsterdam auf offener Straße ermordet.

Juli 2005

Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Juli 2006

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Zügen Bomben gefunden, die wegen eines technischen Fehlers nicht explodierten. Der „Kofferbomber von Köln“ wird zu lebenslanger Haft erurteilt.

Januar 2010

Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ entkommt der dänische Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Attentat.

9. März 2010

Selbstmordanschläge auf die Moskauer Metro mit 40 Toten und 84 Verletzten. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich.

Dezember 2010

Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone stirbt der Attentäter. Hintergrund war vermutlich der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan.

März 2011

Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Dezember 2013

Bei Selbstmordanschlägen in der russischen Stadt Wolgograd sterben 34 Menschen im Bahnhof und in einem Bus. Islamisten aus dem Nordkaukasus bekennen sich zu den Attentaten.

Mai 2014

Im Jüdischen Museum in Brüssel erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird der Mann festgenommen.

7. Januar 2015

Mordanschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Zwölf Menschen fallen dem Anschlag zum Opfer.

13. November 2015

Bei mehreren Sprengstoffexplosionen im Pariser Stadtgebiet sterben 130 Menschen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekennt sich zu dem Anschlag.

„Charlie Hebdo“ war in den 70er Jahren aus dem Vorgängerblatt „Hara Kiri“ hervorgegangen. Im gaullistischen Frankreich sorgte „Hara Kiri“ mit einer Titelgeschichte, die Charles de Gaulle verunglimpfte, kurz nach dessen Tod für herbe Kritik. Das Magazin wurde von der Regierung daraufhin verboten. Die Geburtsstunde von „Charlie Hebdo“ war somit ein Skandal. Nicht wenige vermuten deshalb im Namen „Charlie“ einen letzten Abschiedsgruß an de Gaulle, weniger die Zeichentrickfigur Charlie Brown.

Auch „Charlie Hebdo“ steckte über die Jahre hinweg immer wieder in juristischen Auseinandersetzungen. Im Jahr 2006 ließ Herausgeber Charbonnier die dänische Karikatur des Propheten Mohammed in einer Sonderausgabe drucken. Daraufhin bekam er Morddrohungen, der Dachverband französischer Muslime CFCM klagte vor Gericht. Jedoch vergebens.

Kommentare (13)

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Herr Jens Muche

07.01.2015, 17:20 Uhr

Wann werden westliche Politiker begreifen, daß eine plurale, offene Gesellschaft, in der Frauen Rechte haben, in der die freie Meinung geschützt ist, einschließlich Kritik von Religionen, Präsidenten, Kanzlern etc. nicht mit dem Islam, welcher Form auch immer, zusammenpassen. Wer noch mehr Beweise benötigt, um endlich zu handeln und denen einen Stuhl vor die Tür setzen, setzt das Leben der Menschen seines Landes auf Spiel.

Herr Alexander Krima

07.01.2015, 17:29 Uhr

Mohammed-Karikaturen sollten morgen von allen westlichen Medien im Schulterschluss veröffentlicht werden. Und danach bitte regelmäßig, damit unsere Würde und die Pressefreiheit gewahrt wird.

Herr Peter Delli

07.01.2015, 17:35 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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