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15.01.2015

16:01 Uhr

Charlie Hebdo

Türkei rüttelt wegen Mohammed-Satire an Pressefreiheit

Die Mohammed-Karikatur von Charlie Hebdo hat in muslimischen Ländern für scharfe Kritik gesorgt – auch in der Türkei. Der SPD-Staatsminister Michael Roth mahnte, die Pressefreiheit zu achten.

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BerlinDer Europa-Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Roth, hat die Türkei zur Achtung der Pressefreiheit aufgefordert. Hintergrund ist die Haltung des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu zur Pressefreiheit im Zusammenhang mit den Abdruck von Mohammed-Karikaturen.
Roth sagte dazu dem Handelsblatt (Online-Ausgabe): „Ich habe dazu eine klare Position: Wer frei leben möchte, muss die Freiheit des Anderen aushalten können – auch wenn sie manchmal schwer erträglich erscheint.“ Zugleich begrüßte der SPD-Politiker, „dass die furchtbaren Ereignisse in Paris eine bislang mit großem Ernst geführte Debatte über die Presse- und Meinungsfreiheit nicht nur in Europa, sondern weltweit ausgelöst haben“.

Kritik äußerte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Michael Konken. Die Presse- und Meinungsfreiheit sei ein „universelles Grundrecht“, das in allen Ländern der Erde gelten müsse. „Auch wenn gläubige Moslems ein Problem mit der Darstellung ihres Propheten in Karikaturen haben, gibt das keiner Regierung das Recht, die Pressefreiheit einzuschränken“, sagte Konken dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Das gilt auch für die Türkei.“

Nach der Veröffentlichung des „Charlie Hebdo“-Titelbilds in der Türkei hatte Davutoglu den Abdruck von Mohammed-Karikaturen verurteilt und erklärt: „Pressefreiheit bedeutet nicht die Freiheit zur Beleidigung.“ Insbesondere wenn es den Propheten betreffe, könne man das nicht als Pressefreiheit betrachten. „In diesem Land erlauben wir keine Beleidigung des heiligen Propheten. Das ist eine sehr klare und grundsätzliche Haltung.“

Davutoglu erklärte weiter, in der Türkei herrsche eine große Sensibilität bezüglich des Themas. Unter diesen Umständen eine den Propheten beleidigende Karikatur zu veröffentlichen, sei eine Provokation.

Der Grünen-Europaexperte Manuel Sarrazin erklärte die Äußerungen Davutoglus seien für ein Land, das in die Europäische Union wolle, inakzeptabel. Erst Anfang der Woche habe er während seines Deutschlandbesuchs bekräftigt, dass die Türkei die EU-Mitgliedschaft anstrebe. „Davutoglu muss sich im Klaren darüber sein, dass seine Haltung nicht mit den Grundwerten der Europäischen Union vereinbar ist“, sagte Sarrazin dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Zur EU gehöre neben der Einhaltung der Menschenrechte auch die uneingeschränkte Ausübung von Meinungs- und Pressefreiheit. „Als gläubiger Muslim müssen die Mohammed-Karikaturen Davutoglu nicht gefallen, als Premierminister in einem der Verfassung nach laizistischen Land, muss er sie jedoch zulassen.“

Die linksnationalistische Zeitung „Cumhuriyet“ hatte am Mittwoch in ihrer Druckausgabe unter anderem das „Charlie Hebdo“-Titelbild, das einen weinenden Mohammed zeigt, klein über zwei Kolumnen abgedruckt.

Journalisten und Zeichner als Ziel von Anschlägen

Februar 2013

Der 70 Jahre alte dänische Journalist Lars Hedegaard übersteht in Kopenhagen ein Attentat unverletzt und kann den unbekannten Täter selbst in die Flucht schlagen. Zuvor hatte eine Pistolenkugel den Kopf des Islamkritikers knapp verfehlt.

November 2011

Unbekannte verüben einen Brandanschlag auf die Redaktion des französischen Satireblattes „Charlie Hebdo“. Es brachte am gleichen Tag ein Sonderheft zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien heraus und hatte sich dazu in „Scharia Hebdo“ umbenannt. Als Chefredakteur war „Mohammed“ benannt worden.

Mai 2011

Ein Kopenhagener Gericht verurteilt den Tschetschenen Lors Dukajew für einen versuchten Anschlag auf die Zeitung „Jyllands-Posten“ zu zwölf Jahren Haft. Der 25-Jährige hatte sich 2010 in Kopenhagen bei der Explosion seines Sprengstoffes verletzt. Er wollte eine Briefbombe an die Redaktion der Zeitung schicken.

Mai 2010

Zwei Männer werfen Benzinflaschen durch ein Fenster in das Haus des schwedischen Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks. Auf den Zeichner wurde bereits 2007 im Internet von einem El-Kaida-Ableger im Irak ein Kopfgeld von 150.000 Dollar (108.000 Euro) ausgesetzt.

Januar 2010

Der dänische Zeichner Kurt Westergaard, von dem die Mohammed-Karikaturen in „Jyllands-Posten“ stammen, entkommt nur knapp einem Attentat. Bereits 2008 hatten die dänischen Behörden Mordpläne gegen ihn aufgedeckt. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen.

November 2004

Der niederländische Islamkritiker Theo van Gogh bezahlt einen Film über die Unterdrückung der Frauen im Islam mit dem Leben. Er wird in Amsterdam von einem muslimischen Extremisten ermordet. Auf der Leiche hinterließ der Täter einen Brief mit Morddrohungen gegen weitere Niederländer.

Ein Gericht ordnete am Mittwoch zudem die Sperrung von vier Internetseiten an, auf denen das Titelbild abrufbar war. Der Gerichtsbeschluss betrifft unter anderem das unabhängige Internetportal T24. Am Donnerstagmorgen konnten Nutzer in der Türkei die betreffende Seite jedoch noch immer abrufen.

Kommentare (21)

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Herr Bjoern Ackermann

15.01.2015, 14:35 Uhr

"Türkei rüttelt wegen Mohammed-Satire an Pressefreiheit"

Diese Überschrift soll wohl ein Witz sein!?

Pressefreiheit gibt es in der Türkei unter Sultan Erdogan schon lange nicht mehr.

Herr Josef Blomenkamp

15.01.2015, 14:36 Uhr

"Türkei rüttelt wegen Mohammed-Satire an Pressefreiheit"

Daher schnellstens in die EU aufnehmen, denn:

"hier werden Sie geholfen"

Herr Ha Ho

15.01.2015, 14:40 Uhr

Jaja der liebe liebe Islam. So nett, tolerant und freundlich. Deutsche werdet toleranter, demonstriert gegen Pegida und für die uneingeschränkte Verherrlichung Mohammeds.

Wie alt wurde der Typ nochmal 27? Davon hat er wie lange gekämpft? 2 Monate? Großer Krieger...

Armes Deutschland, armes Europa.

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