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19.01.2010

10:55 Uhr

Chile

Milliardär macht die Rechte wieder hoffähig

VonAlexander Busch

Der neue chilenische Präsident Sebastián Piñera beendet die 20 Jahre währende Ära von Mitte-links-Regierungen in dem Andenstaat. Doch in Chiles Politik und Wirtschaft wird sich wenig ändern - denn die Konservativen haben nur wenig Spielraum.

Rechts vor links: Der neue chilenische Präsident Sebastian Piñera setzt vor allem auf Kontinuität. dpa

Rechts vor links: Der neue chilenische Präsident Sebastian Piñera setzt vor allem auf Kontinuität.

SAO PAULO. Dass der 60-jährige Milliardär nach den Stichwahlen vom Sonntag nun als neuer Präsident Chiles feststeht, das klingt nach dem Beginn einer neuen Epoche im Andenland: Nach dem Ende der Pinochet-Diktatur vor zwanzig Jahren begann die Epoche der Links-Mitte-Koalition Concertación, die vier Präsidenten in Folge stellte, zuletzt Michelle Bachelet. Ihr folgt nun Piñera – und doch bedeutet seine Wahl vor allem eines: Kontinuität.

In Chiles Politik und Wirtschaft wird sich wenig ändern, wenn er in zwei Monaten sein Amt antritt. Das liegt einerseits daran, dass die Vorgängerregierung mit ihren vorsichtigen Rezepten erfolgreich der Wirtschaftskrise trotzen konnte. Piñera wurde im Wahlkampf nicht müde, darauf hinzuweisen, dass er den erfolgreichen Kurs seiner Vorgängerin fortsetzen wolle. Doch es liegt auch daran, dass die Konservativen nur noch wenig politischen Spielraum in Chile haben.

Wie wenig, zeigte sich im Wahlkampf, als Piñera sich auf die Mitte zubewegte und die Rolle des aufgeklärten Konservativen – nach eigener Einschätzung sogar „Liberalen“ – einnahm. So wollte der dem konservativen katholischen Orden Opus Dei nahestehende Piñera im Wahlkampf sogar zivile Lebensgemeinschaften von Homosexuellen und die „Pille danach“ für Vergewaltigungsopfer akzeptieren – lehnt aber Homoehen wie auch Abtreibungen persönlich weiter strikt ab.

Nur wenig unterscheidet auch Piñeras Biografie von der seines nur knapp unterlegenen Gegenkandidaten Eduardo Frei: Beide stammen sie aus traditionellen Politikerfamilien der Oberschicht. Ihre Väter waren eng befreundete Christdemokraten. Vater Frei als Präsident schickte Vater Piñera als Botschafter Chiles sowohl nach Belgien als auch zur Uno nach New York.

Sebastián wuchs im Ausland auf, studierte jedoch in Chile Volkswirtschaft, das er als bester Student seines Jahrgangs abschloss, und später setzte er noch in Harvard eine Post-Graduation drauf – also der traditionelle akademische Weg der südamerikanischen Elite. Dazu passt auch die Politkarriere, die Piñera 1990 als jüngster Senator des Landes begann.

Unternehmerisches Gespür bewies Piñera, als er in den achtziger Jahren das erste Kreditkartenunternehmen Chiles aufbaute und damit den Grundstein für seinen Reichtum legte: Heute gehören ihm 26 Prozent der Fluglinie Lan, der TV-Sender Chilevisión sowie 14 Prozent des Fußballvereins Colo-Colo. Kritiker, die ihn im Wahlkampf als den „Berlusconi Chiles“ schmähten, liegen jedoch falsch. Die Kapriolen des Italieners würden in Chile niemals toleriert werden. Seine größte Herausforderung wird sein, das gravierende Wohlstandsgefälle über verbesserte Bildung und ein stärkeres soziales Netz zu reduzieren. Die Einkommensgegensätze haben sich erst in den letzten Jahren zwar reduziert, zählen aber immer noch zu den höchsten der Welt.

Kommentare (2)

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Joachim

20.01.2010, 12:41 Uhr

Dem Handelsblatt als renommierter Wirtschafts- und Tageszeitung scheint entgangen zu sein, dass SAO PAULO die Hauptstadt von brasilien ist. Demgegenüber heißt die Hauptstadt von Chile SANTiAGO.

Wie peinlich...

Georg W.

20.01.2010, 13:27 Uhr

@Joachim Na ja, erstens ist brasilia die Hauptstadt von brasilien, nicht Sao Paulo. Und die Tatsache, dass die brasilianische Hauptstadt als Ortsmarke für den bericht über Chile genannt wird geht auf die gute alte Tradition zurück, dass Medien so anzeigen, wo der Text geschrieben wurde. Und Hb-Korrespondent busch residiert nun mal in Sao Paulo.

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