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05.03.2012

15:22 Uhr

China

Der Volkskongress der Milliardäre

VonFinn Mayer-Kuckuk

Seit heute tagt das chinesische Parlament und unter den Delegierten sitzen reihenweise Milliardäre. Bei den einfachen Chinesen wächst darüber mehr und mehr der Ärger. Im Netz wird bereits eine neue Revolution gefordert.

Die Militärkapelle spielt bei der Eröffnung des Nationalen Volkskongresses. dpa

Die Militärkapelle spielt bei der Eröffnung des Nationalen Volkskongresses.

PekingBei der Grundsatzrede von Chinas Premier Wen Jiabao vor dem Parlament seines Landes lauschten ihm nicht etwa Vertreter der Arbeiter und Bauern des Landes, wie sich das für ein kommunistisches System gehören würde. Im Volkskongress sitzen vielmehr einige der reichsten Personen des Landes – darunter die geheimnisvolle Immobilienkönigin Wu Yajun oder der Chef des Getränkeimperiums Wahaha, Zong Qinghou. Denn es sind gerade die wohlhabenden Unternehmer, die sich mit ihren Kontakten in das Gremium drängen können - und sie haben ein großes Interesse an einem Mandat, um ihre Stellung in der Gesellschaft zu zementieren.

Bei der Masse der einfachen Chinesen wächst dagegen der Ärger darüber, dass in der Volksvertretung eines Schwellenlands mit einer Wirtschaftskraft pro Kopf unter 4000 Euro im Jahr so viele Milliardäre sitzen. Allein das Vermögen der 70 reichsten Mitglieder des Nationalen Volkskongresses übertrifft 65 Milliarden Euro, wie aus einer Studie des Reichenmagazins Hurun aus Shanghai hervorgeht. Dazu komme vermutlich eine noch einmal so hohe Dunkelziffer, sagt Hurun-Chef Rupert Hoogewerf. Seine Publikation könne nur die Millionäre erfassen, über die öffentlich verfügbare Daten vorliegen.

Der Reichtum der oberen zwei Prozent der NVK-Mitglieder ist zudem seit dem vergangenem Jahr um 13 Prozent gestiegen. Kein Wunder, denn die Geschäfte laufen glänzend. Beispiel Wa Yajun, die mit einem Immobiliengeschäft von ihrer Heimatstadt Chongqing aus ein geschätztes Vermögen von knapp vier Milliarden Euro angehäuft hat. Damit ist sie derzeit vermutlich die reichste Selfmade-Frau der Welt. 

Wa Yajuns Firma Longfor Properties hat nun mit sinkenden Preisen zu kämpfen, denn die Regierung reguliert den Markt derzeit streng und will die Macht der Spekulanten weiter einschränken – fragt sich nur, ob das nicht am Widerstand der neuen Fürsten in den höchsten Rängen der kommunistischen Politik scheitert. Wa selbst lebt zurückgezogen und gibt keine Interviews - über das Privatleben der Milliardärin ist praktisch nichts bekannt.

Kommentare (2)

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WHornung

05.03.2012, 16:37 Uhr

Die identischen(!) Meldungen findet man auch von 2007 und sicher auch noch früher


05.03.2007 · Mit dem raschen wirtschaftlichen Aufstieg wird in China die Kluft zwischen Habenichtsen und Wohlhabenden immer tiefer. Die politische Glaubwürdigkeit der kommunistischen Partei steht auf dem Spiel.

:)

SackReis

06.03.2012, 08:20 Uhr

jetzt wissen wir auch, warum der chinesische staatsapparat massiv gelder in die aufrüstung steckt. nicht gegen andere länder, sondern um mögliche revolten im inneren schnell und effektiv zu unterdrücken.

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