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19.01.2016

08:15 Uhr

China

Der Wachstumsmotor stottert

VonStephan Scheuer

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist so langsam gewachsen wie seit 25 Jahren nicht mehr. China steckt im Strukturwandel. Die Industrie leidet. Der Konsum aber zeigt sich robust – und Präsident Xi zuversichtlich.

Chinas Wirtschaft

Regierung unter Druck: Kann die Konjunktur noch gestärkt werden?

Chinas Wirtschaft: Regierung unter Druck: Kann die Konjunktur noch gestärkt werden?

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HongkongWang Baoan gibt sich ernst. Der Chef von Chinas Statistikamt bringt düstere Nachrichten. Die Wirtschaft des bevölkerungsreichsten Landes ist im vergangenen Jahr mit 6,9 Prozent so schwach wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr gewachsen. „Wir sehen ein kompliziertes, internationales Umfeld und einen steigenden Abwärtsdruck“, sagte Wang am Dienstag.

Allerdings hatte Chinas Führung die Abkühlung der Wirtschaft erwartet. Das Wachstum lag im unteren Bereich der erst am Wochenende von Ministerpräsident Li Keqiang betonten Zielmarke von „etwa sieben Prozent“.

Nach 7,0 Prozent in den ersten beiden Quartalen 2015 und 6,9 Prozent im dritten Quartal betrug das chinesische Wirtschaftswachstum im vierten Quartal nur noch 6,8 Prozent, wie die Statistikbehörde weiter mitteilte. So wenig war Exportweltmeister China seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr in einem Quartal gewachsen.

Die Börsen reagierten positiv auf die Nachricht. Die wichtigen chinesischen Indizes legten etwa drei Prozent zu. Und auch in Europa sollten die Börsen zum Handelsbeginn zulegen. Vorbörslich lag der Dax etwa ein Prozent im Plus.

Nach dem China-Beben: Was Anleger jetzt wissen sollten

Wie weit kann der Dax noch fallen?

Tiefer als auf 8 500 Punkte sollte der deutsche Leitindex in diesem Jahr nicht abrutschen. So zumindest lautet die pessimistischste Prognose von 35 Banken, die das Handelsblatt kürzlich zu ihren Erwartungen befragt hat. Im Schnitt sehen die Experten der Finanzhäuser den Dax-Tiefpunkt 2016 bei 9 710 Zählern. Positiv: Zum Jahresende rechnen die Strategen im Schnitt mit einem Stand von 10 706 Punkten. Das wäre ein Plus von acht Prozent.

Steigt die Gefahr für weitere Verluste?

Am ersten Januar-Handelstag brach der Dax um 4,3 Prozent ein. Eine vermeintliche Börsenregel sorgt nun für Verunsicherung: Demnach gebe der Jahresstart den Trend bis Dezember vor. Doch stimmt das? Zwar verbuchte der Dax seit 2003 mit einer Wahrscheinlichkeit von 77 Prozent tatsächlich eine positive Jahresrendite, wenn der erste Handelstag im Plus endete – und umgekehrt. Verdoppelt man den Betrachtungszeitraum aber, sinkt die Trefferquote auf nur 57 Prozent. Und auch in den vergangenen beiden Jahren bewahrheitete sich die Börsenregel nicht.

Welche Anlageregionen sollten Investoren bevorzugen?

Anlageprofis raten derzeit bevorzugt zu Aktien der Euro-Zone, gefolgt von solchen aus den USA und den Schwellenländern. Hintergrund: Wegen der Staatschuldenkrise hängt die konjunkturelle Erholung in Europa anderen wirtschaftlich führenden Regionen deutlich hinterher. Entsprechend höher wird das Aufholpotenzial bei den Unternehmensgewinnen gesehen. Auch seien europäische Aktien im Schnitt niedriger bewertet. Stützend wirke zudem die weiterhin lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die den Euro schwächt.

Wie lässt sich ein Aktiendepot gegen größere Einbrüche absichern?

Mit speziellen Finanzinstrumenten können erfahrene Investoren ihr Portfolio schützen. Zu den gängigsten zählen Put-Optionsscheine. Diese Derivate gewinnen an Wert, wenn eine Aktie oder ein Börsenindex an Wert einbüßt und umgekehrt. Die Kosten für die Puts stellen eine Art Versicherungsprämie dar für den Schutz des Portfolios. Denn sie werden wertlos, wenn der befürchtete Börseneinbruch ausbleibt.

Welche schwankungsärmeren Alternativen gibt es zu Aktien und Indexfonds?

Mit defensiven Anlagezertifikaten können Investoren nervenschonender auf Dax & Co. setzen. Dazu gehören zum Beispiel sogenannte Discountzertifikate. Geht es an den Börsen abwärts wie momentan , dann fällt der Verlust im eigenen Depot bei diesen Wertpapieren stets geringer aus. Im Gegenzug für den Schutzmechanismus ist der maximal erzielbare Gewinn begrenzt.

Aber Ängste vor einem Ende der chinesischen Wachstumsgeschichte seien übertrieben, betonte der Chefökonom des Hongkonger Vermögensverwalters Mizuho Securities (Asia) Limited, Shen Jianguang. „Ein langsameres Wachstum ist die normale Reaktion auf den Strukturwandel“, sagte Shen dem Handelsblatt.

Hervorzuheben sei hingegen, dass der Dienstleistungssektor mit 50,5 Prozent (Vorjahr: 48,1) zu mehr als der Hälfte der Wirtschaftsleistung beigesteuert habe. „Die Umstrukturierung weg von Investitionen und Exporten zu mehr Binnennachfrage scheint schneller zu funktionierten als erwartet“, sagte Shen.

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Erst am Montag hatte Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping seine höchste Führungsriege zu einer Sondersitzung zum Thema Wirtschaft zusammengerufen. Insgesamt sei er optimistisch über die zugrundeliegenden Daten der Ökonomie, sagte Xi laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Kommentare (1)

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Herr Holger Narrog

19.01.2016, 09:50 Uhr

Ich finde es immer wieder bewundernswert wie schnell die Chinesen ihre Wirtschaftszahlen ihrer sehr grossen und komplexen Wirtschaft ermitteln können.

Der Import von Rohstoffen ist rückläufig. Damit sind die Grundstoffindustrien geschrumpft. Die Industrieproduktion hat stagniert. Der Stromverbrauch stagniert. Wo kommt denn dieses Wachtum genau her?

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