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13.01.2005

08:30 Uhr

China ist größter Konkurrent im Wettstreit um ausländische Kapitalzuflüsse

USA kämpfen um Gunst der Investoren

VonJens Eckhardt

Die US-Wirtschaft setzt alles daran, ihre Führungsrolle als Standort für ausländische Direktinvestitionen zurückzuerobern. Im Jahr 2003 flossen mit 53 Mrd. Dollar zwar zum ersten Mal mehr Direktinvestitionen nach China als in die größte Volkswirtschaft der Welt. 2004 könnte aber schon wieder die Trendumkehr gebracht haben: Amerika übernimmt auch bei Direktinvestitionen offenbar wieder die Spitzenposition, schreibt die Unternehmensberatung A. T. Kearney.

PORTLAND. Den Berechnungen zufolge flossen in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres bereits 42,9 Mrd. Dollar Direktinvestitionen aus dem Ausland in die Vereinigten Staaten – mehr als im gesamten Jahr 2003. „Ausländer investieren in den USA aus anderen Gründen als in China“, begründet Roger Kubarych, Chefökonom der Hypo-Vereinsbank in New York, diese Entwicklung. China als globale Werkstatt ziehe vor allem Investoren an, die auf der Suche nach dem billigsten Produktionsstandort seien. Von einem US-Engagement versprächen sich ausländische Unternehmer dagegen Zugang zu einem riesigen Markt, zu modernster Technologie und intellektuellem Kapital.

Für Europäer sei der billige Dollar augenblicklich eine offene Einladung, so Kubarych, besonders interessant seien das Gesundheitswesen und die Pharmaindustrie. Die Aktienkurse mehrerer großer US- Arzneimittelhersteller seien im Keller und europäische Firmen verfügten über Expertise und eine starke Währung. Das könne eine neue Runde der globalen Konsolidierung in der Branche einläuten.

Für europäische Rüstungsfirmen sieht der Ökonom dagegen ungeachtet der Rekordausgaben des US-Verteidigungsministeriums weniger Chancen – trotz einer Reihe kleinerer Akquisitionen und der immer wieder erklärten Absicht von EADS, sich um einen Großauftrag zum Bau von Tankflugzeugen für die US-Luftwaffe zu bewerben: „Aus Gründen der nationalen Sicherheit sind der ausländischen Beteiligung an US-Rüstungsaufträgen enge Grenzen gesetzt.“ Von der vor Jahren beabsichtigten engeren Verzahnung der Rüstungsbeschaffung zwischen Europa und den USA sei unter Verteidigungsminister Donald Rumsfeld nicht viel übrig geblieben, sagt Kubarych.

Nach der Studie von A. T. Kearney hat die Weltwirtschaft nach den schwachen Jahren 2002 und 2003 wieder Tritt gefasst. Fast drei Viertel der befragten Firmenchefs äußerten sich optimistisch über die Wachstumsaussichten der globalen Wirtschaft. Soviel Optimismus gab es zuletzt im Jahr 2000, als ausländische Direktinvestitionen den bisher höchsten Stand von 1 400 Mrd. Dollar erreichten.

Während Experten damit rechnen, dass die US-Wirtschaft auch im laufenden Jahr solide weiter wachsen wird, gibt es im Hinblick auf den Kapitalzufluss aus dem Ausland Vorbehalte. Dazu gehört in erster Linie die Angst vor einer Dollarkrise – ausgelöst durch die Rekorddefizite im Staatshaushalt und in den Außenbilanzen, die nur mit massiven Kapitalimporten finanziert werden können. Hinzu kommen Bedenken im Zusammenhang mit der Verschärfung der US-Bestimmungen für Corporate Governance durch das Sarbanes-Oxley-Gesetz und dem damit verbundenen Anspruch der US-Behörden auf internationale Durchsetzung.

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