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09.07.2013

07:33 Uhr

China

Polizei greift Anhänger des Dalai Lama an

Die chinesische Regierung zeigt ungebrochene Härte: Bei Feiern zum Geburtstag des Dalai Lama eröffnet die Polizei das Feuer. Eine Lockerung der Politik gegenüber den Tibetern, die kürzlich im Raum stand, existiert nicht.

Gläubige Tibeter können als Anhänger des religiösen Oberhauptes Dalai Lama in China noch immer nicht frei ihren Glauben ausleben. Obwohl dies kürzlich vorübergehend im Raum stand, müssen Tibeter dafür weiter in aller Welt – wie hier zuletzt in Los Angeles – protestieren. ap

Gläubige Tibeter können als Anhänger des religiösen Oberhauptes Dalai Lama in China noch immer nicht frei ihren Glauben ausleben. Obwohl dies kürzlich vorübergehend im Raum stand, müssen Tibeter dafür weiter in aller Welt – wie hier zuletzt in Los Angeles – protestieren.

PekingBeim Vorgehen chinesischer Sicherheitskräfte gegen Gläubige, die den Geburtstag des tibetanischen religiösen Oberhaupts feiern wollten, sind mindestens acht Tibeter durch Schüsse schwer verletzt worden. Wie exiltibetische Organisationen und der US-Sender Radio Free Asia (RFA) am Dienstag unter Hinweis auf Augenzeugen berichteten, befinden sich zwei Opfer mit Kopfschüssen in einem lebensgefährlichen Zustand. Rund 20 Tibeter seien festgenommen worden.

Die Sicherheitskräfte hätten am Samstag im Kreis Daofu in der Provinz Sichuan das Feuer eröffnet, um eine Menge von rund 1000 Tibetern aufzulösen, die den 78. Geburtstag des Dalai Lama an einem heiligen Berghang mit Gebeten und Opfergaben vor seinem Foto begehen wollten. Chinas Behörden betrachten den Dalai Lama als Separatisten und verbieten jede Ehrerbietung für den Religionsführer.

Das harte Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte schwächt Hoffnungen, dass Chinas neue kommunistische Führung vielleicht eine eher zurückhaltende Politik gegenüber den Tibetern verfolgen könnte. Anlass waren unbestätigte Berichte über Diskussionen in Tibet, dass sein Foto wieder erlaubt werden könnte. Die Regierung in Peking dementierte die Angaben aber sofort und betonte, das Verbot seiner Bilder sei weiter in Kraft.

Knackpunkte der deutsch-chinesischen Beziehungen

Blühender Handel

Das Handelsvolumen zwischen China und Deutschland stieg im Jahr 2012 auf 161 Milliarden Dollar - ein Drittel des gesamten Handelsumfangs von China mit der EU. Aus China kommen verschiedenste Waren - von Kleidung und Schuhen bis zu Elektronik- und Metallwaren - nach Deutschland. Deutsche Unternehmen verkaufen auf dem prosperierenden chinesischen Markt Maschinen, Hightech-Komponenten und Autos.

Raues Investitionsklima

Deutsche Investoren klagen über Bürokratie und behördliche Willkür in China. Sie fordern gleiche Wettbewerbsbedingungen und mehr Rechtssicherheit - vor allem auch beim Urheberrechtsschutz. In Deutschland sieht mancher Firmenübernahmen wie die des Baumaschinenherstellers Putzmeister durch den chinesischen Sanyi-Konzern skeptisch. Bis zum Jahr 2020 könnten sich chinesische Investitionen hierzulande einer aktuellen Studie zufolge auf rund zwei Milliarden Dollar jährlich verdreifachen. Bislang gibt es keinen Grund für Angst vor einer chinesischen Firmeninvasion: Deren Investitionen machen gerade einmal 0,2 Prozent der Auslandsinvestitionen in Deutschland aus

Sorge um den Euro

Bei der Überwindung der Eurokrise setzt China vor allem auf Deutschland. Chinas Exporte sind als Folge der Schuldenkrise stark zurückgegangen, zudem sorgt sich die Regierung um ihre Devisenreserven. Nach Schätzung von Experten soll etwa ein Viertel der Rekordsumme von 3,3 Billionen Dollar in Euro angelegt sein. Im Zuge des Schuldenschnitts für Griechenland mussten im Jahr 2012 auch chinesische Staatsfonds herbe Verluste hinnehmen.

Streit um billige Solaranlagen

Auch deutsche Unternehmen der Solarbranche gingen wegen Konkurrenz aus China pleite. Die EU-Kommission hat nun ein Anti-Dumping-Verfahren angestrengt - wenn bis zum 5. Juni kein Kompromiss gefunden ist, drohen chinesischen Billigherstellern milliardenschwere Strafzölle. China wirft der EU Protektionismus vor. Deutschland könnte in dem Streit eine Schlüsselrolle spielen, denn die Zölle sind hierzulande umstritten: Industrievertreter verweisen darauf, dass 70 Prozent der Wertschöpfung für die in China montierten Module in Deutschland entsteht und Strafzahlungen auch hiesige Firmen in Mitleidenschaft zögen.

Ungeliebte Menschenrechtsdebatte

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht Menschenrechtsfragen regelmäßig an, nimmt jedoch seit dem Eklat um den Besuch des Dalai Lama im Kanzleramt im Jahr 2007 auch Rücksicht auf chinesische Befindlichkeiten. Der sachliche Verlauf des jüngsten deutsch-chinesischen Menschenrechtsdialogs könnte als Hinweis auf eine größere Offenheit der neuen Führung in Peking gewertet werden. Sie will die umstrittenen Arbeitslager reformieren, in denen Hunderttausende ohne Prozess einsitzen. Was das Schicksal einzelner Dissidenten angeht, bleibt China unnachgiebig und verweist gerne darauf, dass in seiner Tradition das kollektive vor dem individuellen Wohl steht - eine Auffassung, die angesichts des teils brutalen Drucks auf Oppositionelle hierzulande auf wenig Verständnis stößt.

Schwieriger Kulturaustausch

Die chinesische Seite beklagt eine klischeehafte Darstellung ihres Landes in der deutschen Öffentlichkeit. Mehr Chinesischunterricht und mehr Jobs für China-Experten in Behörden forderte jüngst die Grünen-Abgeordnete Viola von Cramon mit Blick auf Politiker, die ohne Landeskenntnisse in Treffen mit bestens vorbereiteten chinesischen Kollegen gingen. Der Kulturaustausch entwickelte sich stark, wenn auch nicht gleichmäßig in beide Richtungen. So studierten zuletzt etwa 25.000 Chinesen hierzulande, umgekehrt zog es nur 6200 junge Deutsche in die Volksrepublik.

Die Polizisten hätten auch Tränengas eingesetzt, Tibeter verprügelt, mit Steinen beworfen und Scheiben von Fahrzeugen beschädigt, berichtete Radio Free Asia. Mönche und Nonnen aus den Klöstern Tawu Nyitso und Gedhen Choeling seien in einem Konvoi zu dem Machen Pomra genannten Berghang gefahren, als plötzlich mehrere hundert Polizisten aufmarschiert seien und sie umzingelt hätten.

Einer der Mönche habe versucht, die Polizeisperren mit dem Auto zu durchbrechen, berichtete die exiltibetische Webseite Phayul. Die Polizei habe das Feuer eröffnet. Der Mönch sei der jüngere Bruder einer Nonne, die sich im November 2011 aus Protest gegen die chinesische Herrschaft über die Tibeter selbst verbrannt habe. Er sei durch Schüsse auch schwer verletzt worden. Nach den Zwischenfällen wurde die Lage in den tibetischen Gebieten der Provinz als sehr angespannt beschrieben.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

09.07.2013, 12:40 Uhr

Die Besetzung Tibets durch China ist sicherlich illegitim und als brutale Besatzung gegen den Willen der Bevölkerung durch nichts zu rechtfertigen.

Allerdings fällt mir bei diesen Vorkommnissen auf, daß sie wieder perfekt getimed geschehen, um einen beschleunigten Kapitalabfluß ausländischen Kapitals aus China zu triggern, ganz ähnlich beim größeren Tibet-Aufstand 2008 (der zu einem massiven Kapitalabfluß aus China führte), im Vorfeld des Lehmann-Crashes. Ich habe massive Unruhen in China aus diesem Grund erwartet (auf einer viel höheren Skala allerdings, aber vielleicht ist dies ja erst der Anfang) - war aber mittlerweile zur Ansicht gelangt, daß vielleicht die Reports über das Platzen der chinesischen Kreditblase möglicherweise diesesmal diese Rolle übernommen haben.

Der Hintergrund ist, daß jetzt wohl das Kapital "zurückgeholt" werden soll, nach den USA, wo es gebraucht wird, um den Liqiditätskollaps ohne zusätzliches Gelddrucken zu mildern und die dramatisch gestiegenen Renditen der Trashuries wieder runterzubekommen - mit der schönen Nebenwirkung für "god's own country", daß die Konjunktur anderswo zuerst kollabiert.

Karim

09.07.2013, 13:47 Uhr

Und solange die Wirtschaft brummt, schaut die Welt tatenlos zu...

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