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29.10.2015

15:31 Uhr

China und Airbus

Der Milliarden-Deal

VonStephan Scheuer

Flugzeuge, Turbinen, Finanzen: Verträge im Wert von 18,6 Milliarden Euro schmücken die Chinareise der Kanzlerin Angela Merkel. Für Airbus und Boeing ist China der entscheidende Zukunftsmarkt im Luftverkehr.

Angela Merkel besucht China. ap

Angela Merkel & Xi Jinping

Angela Merkel besucht China.

PekingDie Blitzlichter der Fotografen tauchen den golden verzierten Raum in ein grelles Licht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kneift kurz die Augen zusammen. Dann lächelt sie. Chinas Ministerpräsident Li Keqiang schüttelt mit freundlichem Blick der Kanzlerin in der Großen Halle des Volkes in Peking die Hand und legte nach: „Wir werden mehr Vitalität in die Weltmärkte pumpen. Wir werden weiter Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft sein.“ Merkel entgegnet, sie habe weiterhin „Vertrauen in die chinesische Wirtschaft“, auch wenn die Volksrepublik durch verschiedene Entwicklungsphasen gehe.

Es gibt Grund zur Freude, gerade aus deutscher Sicht. Zum achten Besuch der Kanzlerin in China konnte die mitreisende Wirtschaftsdelegation trotz langsamer Wachstumsraten in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt Verträge in Milliardenhöhe abschließen. Airbus-Chef Fabrice Brégier gab den Verkauf von 30 Flugzeugen der A330-Reihe sowie von 100 Flugzeugen der A320-Familie mit einem Listenpreis von insgesamt 15,4 Milliarden Euro bekannt. „Das ist eine der größten Bestellungen unserer Firmengeschichte“, sagte ein Airbussprecher dem Handelsblatt in Peking.

Chinas Verhältnis zu den Akteuren im Syrien-Konflikt

Russland

China und Russland pflegen gute Beziehungen, vor allem um ein strategisches Gegengewicht zur Supermacht USA zu bilden. Im UN-Sicherheitsrat stimmen beide Veto-Mächte häufig ähnlich ab. Intensiv ist die Zusammenarbeit im Energiebereich. China kauft große Mengen Öl und Gas aus Russland. Trotz der nach außen demonstrierten Partnerschaft herrscht aber Misstrauen auf beiden Seiten.

Syrien

Chinas Interessen und Einfluss in Syrien sind begrenzt. Kritiker werfen China vor, neben Russland und dem Iran das alte Assad-Regime bewaffnet zu haben. Mit Russland hat China sein Veto gegen sechs UN-Resolutionen eingelegt. China unterstützt den Kampf gegen die IS-Terrormiliz, plädiert aber für den Einsatz friedlicher Mittel und für eine internationale politische Lösung.

Irak

China fürchtet eine Ausdehnung des Einflusses des IS im Irak, wo seine großen Energieinteressen bedroht wären. Der Irak ist nach Saudi-Arabien die zweitwichtigste Quelle für Chinas Ölimporte. Mit der Entwicklung der Ölfelder im Irak ist China der größte ausländische Investor des Landes geworden und nimmt mehr als die Hälfte der irakischen Ölproduktion ab.

Iran

Chinas Einfluss auf Teheran half beim Kompromiss im Atomstreit mit dem Iran. Peking verfolgt auch im Iran starke Energieinteressen. Chinesische Ölkonzerne entwickeln Öl- und Gasfelder. China hilft dem Iran bei Infrastrukturprojekten, liefert Gebrauchswaren, aber auch Rüstungsgüter. Mit der Zusammenarbeit will China dem Einfluss der USA in der Region begegnen.

Pakistan

China ist der engste Verbündete Pakistans, sein größter Handelspartner und Rüstungslieferant. Ihre Beziehungen, die auch von der Rivalität mit Indien getragen werden, gehen bis in die 60er Jahre zurück. China hilft Pakistan bei großen Infrastrukturprojekten.

Afghanistan

China spielt wirtschaftlich eine wachsende Rolle in Afghanistan, ist durch den Konflikt nicht vorbelastet und könnte Lücken nach dem Rückzug der USA und anderer Länder füllen. Es fürchtet selber Instabilität in Afghanistan, die militanten, muslimischen Uiguren helfen und sich auf die benachbarte chinesische Unruheregion Xinjiang auswirken könnte.

Chinas staatliche Luftverkehrsfirma China Aviation Supplies Holding Company (CAS) stockte mit der Airbus-Bestellung eine Absichtserklärung aus dem Juni deutlich auf. Mit der jüngsten Bestellung summierten sich die Order des A330-Widebody aus China in diesem Jahr auf insgesamt 75 Flugzeuge.

Es ist ein wichtiger Vorstoß für den europäischen Flugzeugbauer im Wettkampf mit Boeing auf dem chinesischen Markt. Der US-Flugzeughersteller hatte erst vier Wochen zuvor während der USA-Reise von Chinas Staatschef Xi Jinping einen Auftrag aus China über 300 Flugzeuge bekannt gegeben.

Airbus und Boeing sehen in China den entscheidenden Zukunftsmarkt im Luftverkehr. In keinem Land der Welt wächst das Passagieraufkommen so stark wie in der Volksrepublik, rechnet Airbus vor. Innerhalb der nächsten zehn Jahre soll China demnach zur weltweiten Nummer eins im Inlandsflugverkehr aufsteigen. Der Boeing-Rivale prognostiziert einen Bedarf an rund 5400 neuen Passagier- und Frachtflugzeugen in China in den kommenden 20 Jahren.

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