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06.12.2016

15:16 Uhr

China und die USA

Trump fordert den Drachen heraus

Donald Trump hat als erster neu gewählter US-Präsident seit 1979 mit Taiwans Präsidentin telefoniert. Dahinter steckt ein wohl überlegter Plan. Peking muss sich auf eine härtere Gangart im Weißen Haus gefasst machen.

Der neugewählte US-Präsident Donald Trump und die taiwanesische Präsidentin Tsai Ing-wen: Ein Telefonat zwischen den beiden erzürnt China. AP

Donald Trump, Tsai Ing-wen

Der neugewählte US-Präsident Donald Trump und die taiwanesische Präsidentin Tsai Ing-wen: Ein Telefonat zwischen den beiden erzürnt China.

PekingDer Bruch mit dem vier Jahrzehnte alten Protokoll im Umgang mit Taiwan war beabsichtigt und wochenlang vorbereitet. Donald Trump nahm den Hörer auf, sprach mit Taiwans demokratisch gewählter Präsidentin Tsai Ing-wen am anderen Ende der Leitung – als erster neu gewählter US-Präsident seit 1979. Das historische Telefonat wird zwar als Höflichkeitsgeste heruntergespielt, signalisiert aber den Beginn einer Neuausrichtung amerikanischer Asien-Politik unter Trump, die niemanden überraschen dürfte, der seine außenpolitischen Berater und die republikanische Wahlkampfplattform 2016 kennt.

„Es war definitiv kein Zufall“, sagt Christopher Balding, Professor an der HSBC Business School im südchinesischen Shenzhen. „Es war ein wohl überlegter Plan.“ Noch ist die neue China-Strategie Trumps zwar unklar, aber sie kann über die Zukunft der Beziehungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaft und die Stabilität in Ostasien entscheiden. Ein Anruf genügte, um den trügerischen Status quo um Taiwan ins Wanken zu bringen und den jahrzehntealten Konfliktherd wieder auf die Tagesordnung der Weltpolitik zu bringen.

Auch sieben Jahrzehnte nach dem Ende des Bürgerkrieges betrachtet die kommunistische Führung die Insel nur als abtrünnige Provinz. Peking droht mit einer gewaltsamen Rückeroberung, was die USA in einen Krieg ziehen würde, da sie sich 1979 der Sicherheit der heute 23 Millionen Taiwanesen verpflichtet haben. Mit seiner Ein-China-Politik zwingt Peking andere Staaten, die heute freiheitliche Demokratie in Taiwan diplomatisch zu isolieren, wenn sie wirtschaftlich profitable Beziehungen mit dem mächtigen China unterhalten wollen.

Im Beraterteam von Trump hocken aber reihenweise Experten, die aus ihrer Abneigung gegenüber China und ihren Sympathien gegenüber Taiwan keinen Hehl machen. Professor Peter Navarro hat 2011 ein Buch mit dem Titel „Tod durch China – Den Drachen herausfordern, ein weltweiter Aufruf zum Handeln“ über die Bedrohung durch China geschrieben. Er kritisiert die Regierung von Barack Obama für ihren „ungeheuerlichen“ Umgang mit dem „Leuchtturm der Demokratie“ in Taiwan.

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