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18.09.2013

13:20 Uhr

China

Urteil gegen gefallenen Polit-Star Bo am Sonntag

Im Prozess gegen den einstigen chinesischen Politstar Bo Xilai wird am Sonntag das Urteil verkündet. In den parteitreuen Staatsmedien wird eine Verurteilung faktisch vorweggenommen. Bo wird vermutlich Berufung einlegen.

Bo war Parteichef in der Millionenmetropole Chongqing und galt als aussichtsreicher Kandidat für höchste Ämter im Staat. Am Sonntag soll er wegen Bestechlichkeit verurteilt werden. ap

Bo war Parteichef in der Millionenmetropole Chongqing und galt als aussichtsreicher Kandidat für höchste Ämter im Staat. Am Sonntag soll er wegen Bestechlichkeit verurteilt werden.

PekingIm Prozess gegen den einstigen chinesischen Politstar Bo Xilai wird am Sonntag das Urteil verkündet. Dies gab am Mittwoch das Volksgericht in der Shandong-Provinz im Internet bekannt. Da die Gerichte von der Kommunistischen Partei kontrolliert werden, gilt ein Schuldspruch in dem Verfahren um Korruption und Amtsmissbrauch als sicher. In den parteitreuen Staatsmedien wird eine Verurteilung faktisch vorweggenommen. Die Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“ berichtete unter Berufung auf Insider, Bo werde vermutlich Berufung einlegen. Damit könnte sich das Verfahren in die Länge ziehen.

Während der fünftägigen Verhandlung hatte Bo die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Er räumte jedoch ein, einige falsche Entscheidungen getroffen zu haben.

Die Akteure des Politkrimis in China

Bo Xilai

Der charismatische Spitzenpolitiker galt als aufsteigender Star in der neuen Führung. Als Sohn des legendären Revolutionärs Bo Yibo – einer der „acht Unsterblichen“ der Partei – hatte der heute 63-Jährige eine steile Karriere gemacht. Er stieg vom Bürgermeister der Hafenstadt Dalian über den Posten des Gouverneurs zum Handelsminister auf. Seit 2007 war Bo Xilai Parteichef der Metropole Chongqing. Seine soziale Politik und revolutionären Kampagnen machten ihn zur Galionsfigur der Linken. Der Skandal brachte das einflussreiche Politbüromitglied im März zu Fall.

Gu Kailai

Die Ehefrau von Bo Xilai war eine erfolgreiche Anwältin und Geschäftsfrau. Die heute 53-Jährige ist Tochter von General Gu Jingsheng, einem berühmten Revolutionär. Nach dem Jurastudium machte sich Gu Kailai einen Namen als erste Anwältin, die eine Klage gegen eine amerikanische Firma gewann. Mit Bo Xilai hat sie den Sohn Bo Guagua. Sie soll sich in der Familie um geschäftliche Dinge gekümmert und angeblich ein Vermögen ins Ausland geschafft haben.

Neil Heywood

Der britische Geschäftsmann war seit den 90er Jahren eng befreundet mit dem Politikerpaar. Er war mit einer Chinesin verheiratet und hatte zwei Kinder. Als Unternehmensberater half der Brite der Familie von Bo Xilai bei privaten Geschäften. Im November wurde der 41-Jährige tot in einem Hotelzimmer gefunden. Erst soll exzessiver Alkoholkonsum die Todesursache gewesen sein. Doch nach den Enthüllungen von Polizeichef Wang Lijun wurde Gu Kailai des Giftmordes angeklagt. Das Motiv war wohl ein geschäftlicher Streit. Im August erhielt Gu Kailai ein Todesurteil auf Bewährung.

Wang Lijun

Der frühere Polizeichef war seit den 90er Jahren ein enger Vertrauter von Bo Xilai, als dieser noch Gouverneur von Liaoning war. Wang Lijun folgte dem Spitzenpolitiker in die Metropole Chongqing. Die Propaganda pries beide als gnadenlose Kämpfer gegen das organisierte Verbrechen. Wang Lijun bekam den Spitznamen „Super-Bulle“. Allerdings sahen Kritiker in dem teils rechtswidrigen Vorgehen eher eine Kampagne, um alte Machtstrukturen in Chongqing auszumerzen und selbst die Kontrolle zu übernehmen. Ende 2011 scheinen sich die Freunde überworfen zu haben.

Bo war Parteichef in der Millionenmetropole Chongqing und galt als aussichtsreicher Kandidat für höchste Ämter im Staat. Sein Aufstieg wurde durch einen Skandal um seine Ehefrau Gu Kailai gestoppt, die des Mordes an einem britischen Geschäftsmann schuldig gesprochen wurde. Bos Anhänger vermuten dagegen, dass er einen innerparteilichen Machtkampf verloren hat.

Zwar hat die Staatsanwaltschaft in dem Verfahren eine harte Strafe gefordert. Justizexperten gehen nach genauer Analyse der Anklageschrift jedoch davon aus, dass Bo die Todesstrafe erspart bleiben dürfte. Da er wegen seiner linken Sozialpolitik nach wie vor in Teilen der Bevölkerung beliebt ist, könnte die Partei vermeiden wollen, ihn zum Märtyrer zu machen.

Ausländische Journalisten waren zur Verhandlung nicht zugelassen. Das Gericht selbst veröffentlichte die Aussagen im Internet. Sie geben Einblick in das Luxusleben des chinesischen Spitzenpolitikers, der sich für seine Familie eine Villa in Frankreich und seinem Sohn Luxusreisen von einem Geschäftsmann finanzieren ließ.

Von

rtr

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