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18.01.2011

15:14 Uhr

China

Von der Geldmacht zur Weltmacht

VonHannes Vogel

Von Venezuela bis Vietnam vergibt China inzwischen mehr Kredite als die Weltbank. Die neue finanzielle Supermacht investiert ihre riesigen Devisenreserven strategisch in Rohstoffe, Firmen und Regierungen rund um den Globus. Beginnt nun eine neue Ära der Globalisierung - zu Chinas Bedingungen?

Chinas Präsident Hu Jintao: aus finanziellen Abhängigkeiten wachsen oft strategische Partnerschaften. DAPD

Chinas Präsident Hu Jintao: aus finanziellen Abhängigkeiten wachsen oft strategische Partnerschaften.

PEKING. China wird zur weltgrößten Entwicklungsbank: Das neue Land der aufgehenden Sonne vergibt inzwischen mehr Kredite an die Dritte Welt als die Weltbank. Nach einer Erhebung der "Financial Times" (FT) vom Dienstag haben allein zwei Staatsbanken, die China Development Bank (CDB) und die Export-Import-Bank, in den vergangenen zwei Jahren Regierungen und Unternehmen in Entwicklungsländern mindestens 110 Milliarden Dollar geliehen.

Dagegen hat die Weltbank zwischen Mitte 2008 und 2010 nur 100 Milliarden Dollar vergeben. Die Finanzspritzen demonstrieren den Einfluss Chinas und vor allem sein Bemühen, sich Rohstoffe zu sichern. Entsprechende Abkommen drehten sich um Energielieferungen aus Russland, Venezuela und Brasilien oder um Infrastrukturprojekte in Ghana oder Argentinien.

Die beiden chinesischen Finanzinstitute sind politische Banken und veröffentlichen keine Auflistungen. Die Zeitung stützte sich daher nur auf Veröffentlichungen über Projekte - und unterschätzt damit wahrscheinlich sogar noch das wahre Ausmaß der Kredite.

Die Zahlen zeigen eindrucksvoll: China nutzt die Finanzkrise, um im Stillen seinen Einfluss in der Welt zu vergrößern - und den Amerikanern die Führungsrolle in der Welt streitig zu machen. Denn die Deals der Chinesen schaffen neue wechselseitige Abhängigkeiten: Geld für die Regierungen in Russland, Venezuela und Brazilien gibt es nur gegen Öllieferungen.

Die Auslandsdeals der Chinesen dürften den USA zunehmend Sorge bereiten. Denn aus finanziellen Abhängigkeiten wachsen oft strategische Partnerschaften - eine Taktik, die lange ein Erfolgsrezept der US-Außenpolitik war, nun aber für die Amerikaner wegen ihrer Rekordverschuldung verbaut ist. Nun drehen die Chinesen den Spieß um - und wenden die Taktik der USA gegen sie selbst.

Die chinesische Regierung verfügt über hohe Devisenreserven: Das Land kann mit der gigantischen Summe von 2,85 Billionen Dollar auf Einkaufstour gehen. Mit seinem Billionenschatz könnte China auf einen Schlag den gesamten Nasdaq-Index, die 15 größten Konzerne der Welt oder Öl für 10 Jahre kaufen.

Doch US-Konzerne sind für China offenbar die Messlatten der Vergangenheit. Das Land investiert lieber in die Zukunft und versucht sich gezielt die Wachstumstreiber zu sichern, die auch die USA im Blick haben: Schwellenländer wie Brasilien, Indien und Russland. Alleine im Energiesektor hat China in den letzten zwei Jahren schätzungsweise 65 Milliarden Dollar investiert.

Kommentare (11)

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Domenq

18.01.2011, 17:36 Uhr

Eine Risiko reiche Währung wie der Dollar - von bernankes Gnaden - muss eben schnell wieder in Umlauf gebracht werden. besser überteuerte Rohstoffe, als fallende Devisen.

celsius

18.01.2011, 17:52 Uhr

Vielleicht wäre Deutschland auch so reich wie China mit seiner geschützten binnenwährung.

bodo

18.01.2011, 18:40 Uhr

Es ist in Diktaturen wie Nordkorea, iran, Pakistan oder Venezuela zweifellos willkommen, dass sie von China unterstützt werden. Von wem sonst?

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