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09.08.2012

11:15 Uhr

China

Zwischen Giftmord und Machtkampf an der KP-Spitze

Es war mehr als nur ein Mordprozess – es war ein in der Öffentlichkeit ausgetragener Machtkampf in der Kommunistischen Partei. Heute endete der Giftmordprozess überraschend nach nur wenigen Verhandlungsstunden.

Brisanter Prozess gegen Politiker-Gattin in China

Video: Brisanter Prozess gegen Politiker-Gattin in China

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PekingKaum ein Gerichtsverfahren in der jüngeren Geschichte Chinas hat so viel Aufsehen erregt wie dieses. Das liegt zuerst an der Angeklagten: Gu Kailai ist als Gattin eines - inzwischen abgestürzten Politikstars - landesweit bekannt. Auch der Vorwurf gegen sie, Giftmord an einem britischen Geschäftsmann, ist spektakulär.

Chinesen wie Ausländer interessieren sich aber noch aus einem anderen Grund für den Prozess: Dieser ist das Ergebnis eines Machtkampfes in der obersten Führung der Kommunistischen Partei - ein Machtkampf, der selten so öffentlich ausgetragen wurde wie in diesem Fall.

Lange war nicht klar, wann genau der Prozess beginnen wird. Und dann war es heute nach wenigen Stunden schon wieder vorbei. Ein Vertreter des zuständigen Gerichts sagte, Gus von den Justizbehörden gestellte Verteidigung habe der Mordanklage "nicht widersprochen". Das Urteil soll demnach zu einem späteren Zeitpunkt fallen.

Der Verlierer der Machtposse, Gus Ehemann Bo Xilai, leitete bis zu seiner Demontage die Partei in der westchinesischen Megastadt Chongqing. Der charismatische Politiker galt als der kommende Mann in der Führung der Partei, er wurde sogar bereits als möglicher Präsident der übernächsten Führungsgeneration gehandelt.

Seine Karriere endete im Frühjahr jäh, als Ermittler eine Verbindung zwischen seiner Gattin und dem Tod des britischen Unternehmensberaters Neil Heywood herstellten. Die Polizei hatte Heywood im November 2011 tot in seinem Hotelzimmer in Chongqing aufgefunden. Wenige Monate später nahm die Disziplinarkommission der KP die Frau Bos unter dem Verdacht fest, den Briten vergiftet zu haben.

Der ambitionierte Bo hatte sich offensichtlich Feinde gemacht im Kampf um die Top-Positionen im obersten Führungszirkel der Partei, in dem mehrere Posten in den kommenden Monaten neu besetzt werden. Gegen hohe Kader können weder Behörden noch Untersuchungsausschüsse vorgehen, bevor diese nicht von noch höherrangigen Genossen zum Abschuss freigegeben werden.

Kommentare (4)

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1-Weltordnung

09.08.2012, 11:37 Uhr

nun macht hier nicht immer das System in China so schlecht !!!!

In 10 Jahren werden auch wir hier die selben politischen Strukuren haben, wie die Chinesen.

Wenn man im Glashaus sitzt, sollte man nicht mit Steinen werfen.

frage

09.08.2012, 12:33 Uhr

Die Frage kann doch auf aller Welt nur sein: ist ein Mord begangen worden oder nicht?
Wenn einer begangen wurde und die Täterschaft ausgemacht ist, wird das wie in jedem Land der Welt behandelt: mit einem Rechtsverfahren, in dem geklärt wird, was geschehen wird.
In Syrien allerdings: ja da gibt es ja keine Täter: da gibt es nur The Freedom of the brave!
Die CIA sollte sich mal etwas anderes einfallen lassen um abzulenken vom Recht!

Account gelöscht!

09.08.2012, 13:00 Uhr

Die beiden haben soviel Blut an den Fingern, dass eine simple Bestrafung (2 Kugeln 9 mm) der Gerechtigkeit genüge.
Bo hatte während seiner "Antikorruptionskampagne" einige Konkurrenten vom Polizeichef und seiner Gang zu Tode foltern lassen und wollte einen Chinesischen Staat Ultralinker Maoistischer Prägung errichten.

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